Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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24.01.2006

 

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Tabulatursysteme

- Tablature systems -


Violabauerin

Musik auf Zupfinstrumenten wurde in der Renaissance und im Barock in Tabulatur notiert. Die Tabulatur ist eine Schrift, bei der die Saite und die Griffposition auf dem Griffbrett notiert wird. Über den Griffbezeichnungen wurde der Rhythmus notiert.

Tabulatur ist keine "Geheimschrift", wie in der Vergangenheit vielfach gemutmaßt wurde. Mit der häufig fatalen Konsequenz, dass Tabulaturen, weil dem Unkundigen sich nicht erschließend, einfach vernichtet wurden. Eine "Renaissance" erlebt das Prinzip der Tabulatur (in Form der bezifferter Darstellung) seit einiger Zeit im Bereich der Unterhaltungsmusik für die Gitarre.

 

Gelegentlich beschleicht mich dabei der Verdacht, dass das Erlernen von Noten und Spielen nach Noten aus der Mode kommt, weil es als zu mühsam erscheint. Hoffentlich wird dann nicht irgendwann Musik in regulärer Notation auch ein Opfer der Unkenntnis ...

Die Stücke auf diesen Seiten sind in französischer Tabulatur/french tablature notiert (als Konzession an Jüngere einige Tabulaturen für Gitarre auch in moderner = bezifferter Tabulatur). Das Prinzip der Tabulatur ist einfach: die sechs Linien stehen für die Saiten der Gitarre/die obersten sechs Chöre der Laute (Chor = zwei Saiten im Gleichklang oder im Oktavabstand).

Gitarre (normale Stimmung): - e (oberste Linie) - h - g - D - A - E (untere Linie.
(Achtung! Im Englischen wird die Saite "h" als "b" notiert!)

Barocklaute (d-moll-Stimmung): - f´ (oberste Linie)- d´- a - f - d - A (untere Linie)- .

Oberhalb des Liniensystems sind die Notenwerte mit den bekannten Zeichen aus der regulären Notation vermerkt. Ein "a" auf einer Linie bedeutet, dass die betreffende Saite leer angeschlagen wird, ein "b", dass sie im ersten, ein "c" (sieht in der Darstellung eher aus wie ein "r"), dass sie im zweiten, ein "d" (sieht in der Darstellung nach links gekippt aus), dass sie im dritten Bund gegriffen und angeschlagen wird (und so weiter). Einzige Abweichung: um Verwechslungen zu vermeiden, gibt es kein "j". Auf "i" (= 8. Bund) folgt "k" (= 9.Bund).

Als Beispiel ein Stück aus der "Ausseer Tabulatur". Im oberen System die Tabulatur, im unteren die reguläre Notation:
 

 

 

Die anzuschlagenden Basschöre der Barocklaute werden unterhalb des Liniensystems notiert: "a" (= G), "/a" (= F), "//a" (= E), "///a" (= D), 4 (= C) bei der 11-chörigen Barocklaute; 5 (= H´), 6 (= A´) kommen bei der 13-chörigen hinzu. Die Stimmung der Basschöre ist abhängig von der Grundtonart des jeweiligen Stückes. Vorgenannte Stimmung gilt für Stücke in C-Dur und a-Moll. Für F-Dur/d-moll ist bei der 11-chörigen Barocklaute kein Umstimmen erforderlich. Bei der 13-chörigen muss der 5. Basschor nach B´ gestimmt werden. Dem Quintenzirkel entsprechend, erfordert B-Dur/g-moll im Basschor "//a" die Stimmung auf "Es". In der anderen Richtung des Quintenzirkels muss für G-Dur/e-moll der Basschor "/a" auf "Fis", bei D-Dur/h-moll dann zusätzlich der 4. Basschor auf "Cis" gestimmt werden.


Und so sieht eine handschriftliche Originaltabulatur für Barocklaute aus:

 

S.L.Weiss: Passacaglia  

 

Hinweise auf andere historische Tabulatursysteme/Other historical systems of tablature

Die spanische Tabulatur/spanish tablature verwendet sechs Linien für die Saiten, der unterste Strich entspricht der tiefsten Saite. Arabische Ziffern geben die Griffposition an.  

 

Spanische Tabulatur  

 

Die italienische Tabulatur/italian tablature ist spiegelbildlich zur spanischen. Die unterste Linie steht für die höchste Saite.  

 

Italienische Tabulatur

 

Recht kompliziert ist es bei der deutschen Tabulatur/german tablature der Renaissance. Daher nur eine Abbildung als Eindruck:

 

Deutsche Tabulatur

 

 

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