.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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24.01.2006

 

 

Rhodos und die Lauten
Eindrücke eines Urlaubs
 - Beitrag zur Lauten-Iconographie
-

 

 

Rhodos, eine heute griechische Insel, auf der die alten Griechen, Römer, Byzantiner, Kreuzritter, Türken, Italiener und die Neu-Griechen, um nur die wichtigsten zu nennen, ihre Spuren hinterlassen haben, hat für die Lauten-Iconographie einige Überraschungen zu bieten!

Bekannt von Bouzouki- und Rembetiko-Orchestern dürfte nach Besuchen in Griechenland und seinen Inseln Urlauberinnen und Urlaubern wohl das "Laouto" (auch la laghuto, lagouto, lavouto, lavaouta) sein. Es handelt sich um ein vierchöriges Instrument, das als Begleitinstrument für ein Solo-Instrument oder im Orchester, aber auch als Solo-Instrument dient, heutzutage mit Stahlsaiten bespannt ist und mit einem Plektrum gespielt wird. Das Instrument ist griechisch-türkischer Abstammung und seine Verwandtschaft zur "oud" unverkennbar, wenn auch der Hals deutlich länger und der Korpus anders geschnitten sind als bei der klassischen "oud".

Die Bünde des Lauto sind starr eingelassen (Metall oder Holz) oder auch flexibel aus Darm. An Stimmungen wurden mir in einer Musikalienhandlung in Rhodos-Stadt genannt: cgda, agdc , dafc oder gdae (die Chöre bestehen aus Doppelsaiten; gelegentlich kommen im Chor auch Oktavstimmungen vor). Die Stimmung des Instruments sei abhängig von der Region, in der es zum Einsatz komme, so die Erläuterung. Auf Kreta und Rhodos gab und gibt es den Einsatz als Begleitinstrument für die "Lyra", ein Streichinstrument mit 3 bis 5 Saiten. Im Heimatmuseum von Afandou an der Nordost-Küste konnte ich eine historische Aufnahme dieses traditionellen Ensembles abfotografieren:


Foto im Heimatmuseum von Afandou

 

Der überschaubare Ort Apollona im Gebirge "Prophitis Ilias" hat ein kleines Heimatmuseum, das aus drei Räumen besteht. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! Neben vielen Dingen des täglichen Gebrauchs werden auch einige Musikinstrumente ausgestellt. Dazu zählen Rasseln (ggf. für Kleinkinder. Den Nutzerkreis konnte uns die freundliche Dame, die das Museum betreut, leider nicht definieren), einige Flöten und ein „Lauto“.

 

 


 

 

 

 

Heimatmuseum Apollona

 

 

Es war ein großes Privileg, das Instrument aus der Vitrine entnehmen und fotografieren zu dürfen. Das Alter des Instrumentes ist schwer zu schätzen. Die Bünde sind aus Metall. Ob diese später eingefügt worden sind, war nicht erkennbar. Der Wirbelkasten ist für normale Wirbel, nicht für eine Mechanik ausgelegt. Von den Wirbeln ist keiner mehr vorhanden. Der Wirbelkasten fasst 7 Wirbel, was eine Aufteilung der Chöre von 3 x 2 und 1 x 1 entsprechen dürfte. Er mündet in einen geschnitzten Kopf.

 

 

Neben einer augenscheinlich alten Lyra werden im „Museum für dekorative Volkskunst“ der Stadt Rhodos auch Teile von Möbelstücken verwahrt, auf denen sich Abbildungen von Lauteninstrumente spielenden Männern befinden. Es handelt sich bei den Möbelstücken um eine Holzbank, die Tür eines Schrankes für Geschirr sowie Teile von Bettgestellen. Ob die Teile zu einem Haushalt gehörten oder aus verschiedenen zusammengetragen worden sind, konnte uns vor Ort nicht beantwortet werden. Ebenso blieb die Frage des Alters offen.

 

 

 

Das Grundmotiv: dargestellt wird ein Mann, der das Lauteninstrument spielt; ihm gegenüber steht eine Frau. Beide sind offenkundig im „Sonntagsstaat“ gekleidet. Bei einigen der Abbildung sieht es so aus, als würde die Frau tanzen oder singen.

Leider sind einige der Bilder schon so weit in Mitleidenschaft gezogen, dass kaum noch erkennbar ist, ob es sich bei dem Lauteninstrument um ein bebündetes oder ein unbebündetes Instrument handelt. Auf jeden Fall weisen alle Darstellungen des Instruments einen leicht bis deutlich abgewinkelten Wirbelkasten bzw. ein Wirbelbrett auf.

 

 

 

 

 


Alle Aufnahmen im "Museum für dekorative Volkskunst"
Rhodos-Stadt

 

 

In Lindos an der Ostküste der Insel gibt es ein kleines Kirchenmuseum, in dem neben Gerätschaften für den Gottesdienst auch Ikonen und einige Fresken verwahrt werden. Auf einer der Fresken wird eine Gruppe von drei musizierenden Personen (Engeln) abgebildet, die um einen Sterbenden, dem gerade die Seele - in figürlicher Darstellung - entweicht, gruppiert sind. Freundlicher Weise wurde das Fotografieren gestattet.

 

 


Kirchenmuseum von Lindos

 

 

Der mittlere musizierende Engel spielt wohl eine Zister, deren Wirbelbrett (oder Kasten?) durch einen geschnitzten Kopf abgeschlossen wird. Die Wirbel
scheinen von oben, nicht von unten her gesetzt zu sein!
 

Der rechte musizierende Engel spielt eine Knickhalslaute. Die
Rosette ist überdimensional groß. Es macht fast den Eindruck, als würde "Daumen unter" gespielt.

 

Leider konnte mir niemand in dem Museum sagen, woher das Fresco
ursprünglich stammt und auf welche Zeit sein Entstehen zu datieren ist.

 

 

 

 

In Asklipio, ebenfalls an der Ostküste der Insel gelegen, allerdings einige Kilometer landeinwärts, befindet sich neben einem sehenswerten Heimatmuseum die kleine Kirche "Kimisis tis Theotókou" mit sehenswerten Fresken. Laut Auskunft des Küsters, der zugleich das Heimatmuseum betreut, wurde mit der Ausmalung der Kirche im 14. Jahrhundert begonnen. Gleich rechts, kurz hinter der Eingangstür, befindet sich folgendes Fresco (auch hier in Asklipio wurden keine Bedenken ausgesprochen, das Fresko zu fotografieren): 


Fresco in der Kirche "Kimisis tis Theotókou" - Asklipio (Ausschnitt)

Der mittlere musizierende Engel scheint eine Zister zu spielen. Das Wirbelbrett ist leicht abgewinkelt. Auch hier sieht es so aus, als wären die Wirbel von oben gesetzt.

 

 

 

 

Im Großmeisterpalast der Kreuzritter in Rhodos-Stadt schließlich haben wir auf der Rückenlehne eines ausgestellten Stuhls eine gewebte Darstellung einer Musikantin entdeckt, die ein Lauteninstrument in den Händen hält. Zu ihren Füssen liegt das Wappentier von Rhodos: ein Hirsch.


Im Großmeisterpalast

 

 

 

 

Keine Aufnahmen habe ich gemacht in der Musikalienhandlung in der Altstadt von Rhodos-Stadt. Hier gibt es das gesamte Sortiment für ein Bouzouki- oder Rembetiko-Ensemble: Bouzouki, Baglamas, Tzouras, Oud und andere. Natürlich wird auch das "Laouto" geführt. Als wir das Geschäft besuchten, gab es ein gebrauchtes Instrument, das mit dem Hinweis angepriesen wurde, es hätte bereits einen Tonabnehmer eingebaut, und es gab ein neues Instrument. Auch eine Lyra hätten wir erwerben können. Es blieb dann aber bei einer CD mit griechischer Popmusik; natürlich nur wegen des Transportproblems ...

 

 

 

 

Übrigens: wer sich für das "Laouto" und andere Instrumente aus Griechenland interessiert, sollte auf jeden Fall einmal die Homepage von Dino Bersis ansteuern:

http://www.diodinos.com/wood_oud.htm

 

 

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