Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 


 

 

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10.04.2008


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Internationales Festival der Laute
Deutsche Lautengesellschaft e.V.
Regensburg 04.04. bis 06.04. 2008

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Interpretationskurs mit Lee Santana
Lee Santana mit "Aktiven" und "Passiven"

INTERPRETATIONSKURS mit Lee SANTANA

Das Angebot eines Interpretationskurses ist mittlerweile ebenso wie die Verkaufsausstellung zu einem konstitutiven Bestandteil des Festivals geworden und wird gut angenommen. In Regensburg fand der Kurs unter Leitung von Lee SANTANA statt.

Es ist nicht selbstverständlich, dass hohe Musikalität und hervorragendes Fachwissen auch mit ebensolchen pädagogischen Fähigkeiten korrespondieren. Bei Lee ist es aber so; und das wirkte sich auf den gesamten Kurs aus. Es dürften so neben den aktiven auch die passiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitiert haben!
 

DER SAMSTAG-NACHMITTAG

Die Agenda des IFL bot für den Samstag-Nachmittag eine Reihe an Vorträgen und Konzerten.

Bart ROOSE (Brügge) sowie Peter VAN WONTERGHEM (Knesselare) referierten über Newsiedlers „Newgeordnet Künstlich Lautenbuch“, Werner von STRAUCH (Schkopau) versuchte die physikalischen Grundlage des allen „Zupferinnen und Zupfern“ aus der Praxis gut bekannten Phänomens der „Stimmungen und Temperaturen“ nahe zu bringen.
 

Bart Roose
Bart Roose

Milorad Romic
Milorad Romic
 

Milorad ROMIC spielte auf einer trotz geringer Größe ausgesprochen tragfähigen Gitarre einige seiner Lieblings-Stücke aus der Renaissance-Literatur.

Herausragend waren die beiden Veranstaltungen, für die Anthony BAILES (Basel) zusammen einmal mit Francois-Pierre GOY (Charenton-le-Pont), zusammen beim anderen Mal mit Frank LEGL (Weilheim) verantwortlich zeichnete. 

Albert Reyerman
Albert Reyerman 

F.-P. GOY und A. BAILES präsentierten absolute souverän nach einer kurzen Einleitung von Albert REYERMAN das Manuskript für 11-chörige Barocklaute Nr. AN 62 aus der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg, ein in vielerlei Hinsicht als Schatz zu bezeichnendes Dokument. Mit seinem exzellenten, breit angelegten und ebenso detaillierten Wissen referierte F.-P. GOY über die musikwissenschaftlichen Dimensionen des Manuskriptes, insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt, dass es sich um die Hauptquelle für den französischen Komponisten Delaunay handelt. A. BAILES, von A. REYERMAN völlig zutreffend als „Lord of the Lutes“ vorgestellt, spielte technisch souverän und sein tiefes Verständnis für diese Musik akustisch greifbar werden lassend Beispiele aus dem Manuskript.



A. Bailes und F.-P. Goy


Eine Übertragung des Manuskriptes wird nach jetziger Planung noch im Laufe des 1. Halbjahres 2008 bei TREE-Edition erscheinen, versehen mit einem umfassenden Vorwort von F.-P. GOY.

Hätte jemand ein Bandgerät oder einen DAT-Recorder beim Konzert von
A. BAILES mitlaufen lassen, könnte die Ausgabe auch gleich mit einer Referenzinterpretation erscheinen … Es bleibt zu wünschen, dass es zu einer Einspielung durch Anthony BAILES kommen wird.
 

Frank LEGL und A. BAILES sind in dieser Kombination nun auch schon als eine feste Größe beim IFL zu bezeichnen; und zwar im maßstabsetzenden Sinne. Für Regensburg hatten die beiden ein gleichermaßen anmutendes wie bildendes „Entertainment“ konzipiert: „Insonderheit die laute, die oben recht als mit staub beworffen war – mit Johann Friedrich Armand von Uffenbach auf musikalischer Reise“.

Anthony Bailes
Anthony Bailes
 

Dr. Frank Legl
Dr. Frank Legl
 

Zu A. BAILES: siehe vorstehend. Frank LEGL: wie stets sehr kenntnisreich, mit feinem, hintergründigen Humor präsentierend. Die beiden verzauberten durch Wort, Bild sowie Musik und machten hungrig (oder durstig) auf mehr von dieser Kost!

DER SAMSTAG-ABEND

Obwohl (oder gerade deswegen weil?) der Ministerpräsident und der Finanzminister des Freistaates Bayern auf Einladung der „Königstreuen“ (kann wahrscheinlich nur verstehen, wer in Bayern lebt) in Regensburg zu Besuch weilten, waren bei den Abendkonzerten die Platzkapazitäten des Runtinger-Saals vollständig ausgelastet.
 

Linda SAYCE (Didcot, Oxfordshire) begann mit „Englischer Musik für 10-chörige Laute vom Beginn des 17. Jahrhunderts – Johnson, Bachelar, Sturt“. Leider ließ ihre Konzentration nach einigen Stücken spürbar nach und sie verirrte sich einige Male auf dem Griffbrett, was ihr sichtlich sehr unangenehm war. Auch Profis können einmal dem Lampenfieber erliegen. Als Ausgleich gab es dann am Sonntag-Vormittag bei den Instrumentenbauern der Ausstellung „Mini-Konzerte“: ohne Tabulaturen, aus dem Gedächtnis spielend und rundherum gelungen.
 

Linda Sayce
Linda Sayce

Claire Antonini
Claire Antonini

Wie anders am Samstag das zweite Konzert des Abends: Linda SAYCE, die die Stücke ihres Konzertes jeweils auch kurz erläutert hatte, folgte Claire ANTONINI (Paris), introvertiert und absolut konzentriert. Durch die vorgestellten Stücke aus dem Barocklauten-Manuskript „Vaudry de Saizenay“ und die Art der Darbietung mit einer differenzierten Interpretation wurde das Publikum im Nu verrückt … in eine andere Dimension. Und das hielt das gesamte Konzert hindurch an. Die eine Zugabe musste dann hart erklatscht werden.
 

Der Abend klang aus mit einem Kontrastprogramm: Rainer LUCKHARDT(EMMENDINGEN) bot erotische, erschröckliche und erbauliche Lautenlieder von Frank Wedekind. Unter dem Titel „Ich hab meine Tante geschlachtet“ musste er gegen Knoblauchschwaden und Lautstärkepegel in einem Lokal ankämpfen, das kurzfristig als Veranstaltungsort hatte gewählt werden müssen, nachdem das ursprünglich gewählte Lokal getroffene Absprachen nicht hatte einhalten wollen. Die nicht gerade komfortabel zu nennenden äußeren Rahmenbedingungen (Dr. WUNDERER musste sogar schnell noch eine Beleuchtung für den Notenständer organisieren – auch das klappte im Handumdrehen !!!) konnten R. LUCKHARDT nicht davon abhalten, sein Publikum auf das trefflichste zu unterhalten!

Rainer Luckhardt
Rainer Luckhardt

 

 

 

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