.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



Introduction


Tablature systems


Guitar tablatures


Lute tablatures


MS Göess-Hueber


Midi files


Links


"Dütt und Datt"

 

Site map

Visitors


Contact



Last update: 


 

24.01.2006

 

 

Manuskript V1078 der Nationalbibliothek Wien

 

 

Das MS fasst 58 Stücke zusammen, die alle für die 11-chörige Barocklaute angelegt sind. Durch Abfolge der Sätze/Tänze, Widmungen, Handschrift und Tonarten lassen sich dabei 9 Sonaten/Suiten identifizieren. 3 Stücke sind als Einzelstücke anzusehen.
 

Die Sonate/Suite Nr. 1 besteht aus 7 Sätzen (Grundtonart: G-Dur) und trägt die Überschrift: "La querelle d´ Amour". Die Sonate/Suite Nr. 2 besteht aus 6 Sätzen (Grundtonart: F-Dur) und ist mit der gleichen Handschrift notiert wie die Sonate/Suite Nr. 1. Es handelt sich bei diesen beiden Sonaten/Suiten ganz offenkundig um Stücke für zumindest zwei Instrumente, von denen nur die Lautenstimme vorliegt! Gleiches dürfte für die Sonate/Suite Nr. 8 gelten; auch sie wohl ein Ensemblestück. Auf die Übertragung wird verzichtet.
 

Die Sonaten/Suiten 3  bis 7 sind von einer Hand geschrieben. Die Kopistin/der Kopist muss es bei diesen Sonaten/Suiten entweder sehr eilig gehabt haben oder sie/er hat schlichtweg schlechte Arbeit geleistet, da es eine Reihe von auffälligen Fehlern gibt, zum Teil von ihrer Hand/seiner Hand korrigiert, andere, gerade die eklatanten aber nicht.. Das wirklich Bemerkenswerte ist, dass diese sich spätestens beim Spielen der Tabulatur offenbarenden Fehler nicht korrigiert worden sind! Entweder hat die Eigentümerin/der Eigentümer des Manuskriptes „genial“ interpoliert oder das Manuskript nie gespielt. Wer würde offenkundige Fehler in einem Manuskript, wenn sie/er es denn als Vorlage nutzt, nicht eigenhändig korrigieren schon beim ersten Durchgang? Wurde diese Sonate/Suite, vielleicht sogar das gesamte Manuskript, einfach „zu den Akten“, also zu einer Sammlung genommen, die lediglich repräsentativen Charakter hatte, nicht aber als Vorlage zum aktiven Musizieren diente?
 

Die Sonate/Suite Nr. 3 besteht aus 7 Sätzen (Grundtonart: F-Dur). Die Überschrift zur einleitenden Allemande enthält den Hinweis "Allemande du comte bergen" und stellt damit eine Beziehung zum Komponisten und Lautenisten Graf Bergen her. Die "Bourée" ist aus einer anderen Publikation eindeutig Graf Bergen als Komponisten zugeordnet. Der Schluss liegt nahe, dass die Sonate/Suite Nr. 3 insgesamt Graf Bergen als Komponist zugeordnet werden kann.
 

Zu meiner Übertragung der Sonate/Suite Nr. 3 und der dabei vorgenommenen Anpassungen (siehe Editionsbericht) hat sich mittlerweile Markus Lutz kritisch-konstruktiv geäußert. Er vertritt die Position, dass die im Basslauf von Alemande und Sarabande im Original enthaltenen dissonanten Durchgangstöne gerade erst die Spannung dieser Sätze ausmachen, während ich diese als Fehler des Kopisten unterstellt und korrigiert habe. Die Spannung in der Allemande entsteht für mich durch den vorvorletzen, in der Sarabande durch den vorletzten Takt. Wie dem auch sei: Dank an Markus Lutz. Und damit unser Disput transparent wird, gibt es nunmehr auch eine Übertragung der Sonate/Suite Nr. 3 mit den dissonanten Durchgangstönen im Bass bei Allemande und Sarabande! Sonate/Suite Nr. 3_orig.

 

Die Sonate/Suite Nr. 4 besteht aus 5 Sätzen (Grundtonart: a-moll). Die Überschrift zur einleitenden Allemande enthält wieder den Hinweis auf Graf Bergen. Ein besonders eklatantes Fehlerbeispiel findet sich in der Gigue. Siehe dazu den Editionsbericht.
 

Die Sonate/Suite Nr. 5 besteht aus 7 Sätzen (Grundtonart: Bb-Dur). Diese Gruppierung beginnt mit einem Menuet, in dessen Überschrift auf den Prinzen von Lobkowiz hingewiesen wird: "Menuet du prince lobkowiz". Den gleichen Hinweis hat die Überschrift zur eigentlich eine Suite, so denn kein "Prelude" vorangestellt ist, einleitenden Allemande: "Allemande du prince de lobkowiz". Beim Prinzen Hyacinth von Lobkowiz handelt es sich um einen hervorragenden Förderer der Musik, der auch selber für die Laute komponiert hat - vgl. hierzu die bei TREE-Edition erschienene GOESS-Sammlung. Die Gigue der Sonate/Suite Nr. 9 (Komponist: S.L. Weiss) enthält ebenfalls einen Hinweis auf Prinz Lobkowiz (s.u.), allerdings einen eindeutig widmenden, besser: anweisenden, da es um das Umschlagen der Seite geht, während bei der Sonate/Suite Nr. 5 von Prinz Lobkowiz als Komponist ausgegangen werden kann.
 

Die Sonate/Suite Nr. 6 besteht aus 6 Sätzen (Grundtonart: Bb-Dur). Die Überschrift zur einleitenden Allemande enthält wiederum den Hinweis auf Graf Bergen: "Allemande du comte bergen".
 

Die Sonate/Suite Nr. 7 besteht aus 5 Sätzen (Grundtonart g-moll). Die Überschrift zur einleitenden Allemande enhält einen Zusatz, der als "de E Borselli"  oder "de G Porsilli" zu lesen sein könnte. Es dürfte sich tatsächlich um G. Porsille handeln, der als Gesangslehrer ab 1711 und Hofkomponist ab 1720 in Wien tätig war. Siehe Einzelheiten im Editionsbericht.
 

Im Manuskript folgen nun 6 von einer Hand notierte Stücke, von denen die ersten 5 aufgrund ihres tonartlichen Zusammenhanges als Sonate/Suite gruppiert werden können: Giga (?) (F-Dur), Allemande (d-moll), Menuett (F-Dur), Bourée (F-Dur), Allegro (F-Dur). Folgend wird diese Gruppierung als hypothetische Sonate/Suite Nr. 8 bezeichnet. Es handelt sich offenkundig um die Lautenstimme eines Ensemblewerkes. Dank an Markus Lutz, der meinen Eindruck mit Hinweis auf das "Trio tacet" nach dem Menuett bestätigt hat. Auch dieses Werk hat für mich keine Priorität zur Übertragung.
 

Die sich abschließende "Aria", von gleicher Hand notiert, ist jedoch deutlich abgehoben, da in Bb-Dur stehend und die Bezeichnung einen schier unleserlichen Zusatz trägt. Laut Christian Meyer ("Manuscript sources in tablatures. Lute and Theorbo c. 1500 - c.1800"; online unter: http://www-bnus.u-strasbg.fr/smt/smt.htm) heißt dieser Zusatz  "Aria sono amante, e sono figlia". Die Aria soll von A. Caldara (1670 - 1736) stammen, auch Vize-Kapellmeister am Wiener Hofe. Dank für diesen Hinweis an Markus Lutz.
 

Die folgenden 9 Stücke, notiert von einer Hand, sind mit "Silvius Leopoldus Weiss" überschrieben und dürfen wohl zu Recht als Autographen angesehen werden. Allemande, Courante, Boureé, Sarabande, Menuett, Gigue und das dann anschließende Prelude stehen in F-Dur und sind als Einheit zu sehen (Sonate/Suite Nr. 9). Nach dem Wiederholungszeichen in der Gigue ist notiert: "V.E.H.L.b. di Volare", das in der 1717 von Weiss für Prinz Lobkowitz geschriebenen Sonate interpretiert wird als: "V. (ostro) E. (ccellenze) H. (yacinth) L. (obkowitz) b. (isogno) di Volare" = "Ihre Excellenz Hyacinth Lobkowitz muss die Seite umschlagen". Von dieser Sonate/Suite gibt es auch abweichende Fassungen im London und Dresdener MS, wobei die Kernsätze "Allemande", "Courante", "Sarabande" und „Gigue“ nahezu identisch sind. Siehe dazu auch den Editionsbericht.
 

Es folgen eine Angloise in D-Dur, die mit minimalen Abweichungen auch in der Suite Nr. XIII des Londoner MS enthalten ist, und das Menuett "Mad: la grondeuse" ("Die schimpfende Damen", so Michel Cardin. Mögliche Übersetzung aber auch als "Frau Zürnend") in A-Dur.
 

Die Veröffentlichung der Übertragungen der Solostücke des Manuskriptes auf dieser Seite erfolgte nach und nach. Verzichtet wurde auf die Übertragung der Sonaten/Suiten Nr. 1, 2 und 8, da jeweils die weitere Stimme/die weiteren Stimmen dieser Ensemblestücke fehlen bzw. zumindest mir nicht bekannt sind.

Die Solostücke des Manuskriptes V1078 können alle zusammen (mit meinen Anpassungen und Ergänzungen/Änderungen) und ebenso der Editionsbericht mit einigen Überlegungen zur Herkunft des Manuskriptes heruntergeladen werden. Die Solostücke sind aber auch einzeln verfügbar.

 

 

    Sammlung (all in one)

 

 

 

pdf/zip-file

 

update

Solostücke des MS V1078 (Wien)

MS_V1078.zip

01.03.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks

EditiorialMs_V1078.zip

01.12.03

 

    Einzelstücke (single sonatas)

 

 

 

pdf/zip-file

 

update

Sonate/Suite F-Dur (Nr.3) "du comte bergen"

3Wien1078

15.02.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks (3)

3editorial

16.02.03

 

 

 

 

 

 

 

Sonate/Suite F-Dur (Nr.3) "du comte bergen" (Basslauf wie im Original bei Allemande und Sarabande!)

3Wien1078_orig

 

01.06.03

 

 

 

 

 

 

pdf/zip-file

 

update

Sonate/Suite a-moll (Nr.4) "du comte bergen"

4Wien1078

19.02.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks (4)

4editorial

19.02.03

 

 

 

 

 

 

pdf/zip-file

 

update

Sonate/Suite Bb-Dur  (Nr.5) "du prince de lobkowiz"

5Wien1078

09.02.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks (5)

5editorial

pdf/zip-file

 

update

Sonate/Suite Bb-Dur  (Nr. 6) "du comte bergen"

6Wien1078

09.02.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks (6)

6editorial

pdf/zip-file

 

update

Sonate/Suite g-moll (Nr. 7) "de G. Borselli/Porsille .."

7Wien1078

22.02.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks (7)

7editorial

22.02.03

pdf/zip-file

 

update

(Antonio Caldara) Aria

Aria

23.02.03

 

 

 

 

 

 

pdf/zip-file

 

update

S.L. Weiss: Sonate/Suite F-Dur (Nr.9)

9Wien1078

01.12.03

Hinweise zur Übertragung/Editorial remarks (9)

9editorial

 

pdf/zip-file

 

update

S.L. Weiss: Angloise D-Dur

AngWien1078

09.02.03

pdf/zip-file

 

update

S.L. Weiss: Menuet A-Dur

MenuWien1078

09.02.03

 

 

 

 

 

 

 

 

zurück zum Anfang/back to the top

 

 


©
tabulatura.de