Neben der gedruckten Fassung
aus dem Jahre 1747 (erschienen in Hamburg) gibt es Manuskripte,
die Vorläuferfassungen einzelner Stücke aus
den "Auserlesenen Lautenstücken" enthalten.
Besonders bemerkenswert sind aus meiner Sicht die Vorläuferfassungen
der Fantasia in a-moll, dem ersten Stück aus der
gedruckten Fassung. Mir bekannt sind zwei Vorfassungen,
die sich auch noch voneinander unterscheiden. Eine Fassung
stammt aus dem MS Wroclaw 2002, die andere aus dem MS
Wroclaw 2008/8. Stellt man die Fassungen nebeneinander,
so lässt sich ohne Zweifel die Aussage treffen,
dass die Fantasia in a-moll über die Zeit hinweg
bearbeitet wurde. Die Druckfassung aus dem Jahre 1747
kann wohl treffend als "hochgradig verdichtet"
bezeichnet werden.
Fantasia/Praeludium
a-moll
Fassung
Wroclaw 2002
Fassung
Wroclaw 2008/8
Fassung
Hamburg 1747
Das Lautenmanuskript Mus.Saec.
XVII.18-52,2 der Rostocker Universitätsbibliothek
enthält ebenfalls ein Stück, bei dem zumindest
deutliche "verwandtschaftliche Beziehungen"
zur Fantasia in a-moll von David Kellner belegbar
sind. Das Lautenmanuskript ist als Faksimile bei
der Deutschen Lautengesellschaft e.V. erschienen
(Hrsg.: Markus Lutz).
Neben "Vorläuferfassungen"
der Fantasia/des Präludiums a-moll und im Vergleich
zum Druck identischen Fassungen in Manuskripten,
(Wroclaw) gibt es zumindest im MS Wroclaw 2010 zwei
Stücke, die aus der Feder von David Kellner
stammen könnten oder in Anlehnung an seinen
Stil komponiert wurden.
Im MS Wroclaw 2010 sind im
Abschnitt der D-Dur-Stücke vier Stücke
von David Kellner enthalten, die sich auch in der
gedruckten Fassung aus dem Jahr 1747 finden: Courante,
Sarabande - Variatio, Aria und Gig. Unmittelbar
daran schließt sich eine "Aria en Pastorelle"
an, die bruchlos zu den anderen Stücken der
Druckfassung von 1747 passen könnte.
Aria en Pastorelle
Aria
en Pastorelle (.pdf-file)
Aria en Pastorelle
(midi-file)
Viel deutlicher
ist der Zusammenhang aber bei der "Courante",
die im letzten Drittel des Blockes der Stücke in
D-Dur im MS Wroclaw 2010 steht. Hinweise auf den Komponisten
fehlen übrigens bei den Stücken ...
Courante
Courante
(.pdf-file)
Courante (midi-file)
In dem MSS Warschau
2008/9 gibt es ferner eine Sarabande und eine Gavotte,
die "nach Kellner Art" zu charakterisieren
sind. Unverkennbar ist im zweiten Teil der Gavotte die
Anlehnung an die "Aria" D-Dur der gedruckten
Fassung Hamburg 1747.
Sarabande
Sarabande
(.pdf-file) Sarabande (midi-file)
Gavotte
Gavotte
(.pdf-file)
Gavotte (midi-file
In einem der Manuskripte
aus Warschau befindet sich ebenso wie im Buenos Aires
MS ein Capricio, das sich zumindest "nach Kellner
Art" anhört:
Capricio
Capricio
(.pdf-file)
Capricio (midi-file)
Hinzuweisen
ist auch auf die Phantasia in F-Dur, die sich
in den MSS Warschau 2008 und Warschau 2009 gleich
zu Anfang findet. Diese beiden identischen Fassungen
unterscheiden sich gegenüber der gedruckten
Fassung Hamburg 1747 durch fehlende Bindebögen
und Fehlen
des Taktes 30.
Und eine Bitte, die an
dieser Stelle natürlich nicht fehlen darf: sollte
Ihnen in anderen Manuskripten
noch Stücke begegnen, die an David Kellner erinnern,
melden Sie sich gern bei mir!

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