|
Sonntag,
20.05.2007 |
|
|
| |
|
|
|
Der
Sonntag bot - wie alljährlich - Parallelveranstaltungen.
Ein
besonderes Anliegen der Deutschen Lautengesellschaft e.V. ist es,
Kinder und Jugendliche an die Instrumente der Lautenfamilie
heranzuführen. Nunmehr fester Bestandteil und stets gut besucht
ist das traditionelle Kinder- und Familienkonzert von Beate
Dittmann und Alexander Löwe (beide Berlin) am
Sonntagvormittag. Unterstützt wurden beide von Hans Praßny
(Tenor), Ulrike Keefer (Blockflöten) und Achim
Eckhardt (Projektbetreuung). Den Tanz für Junge und
Junggebliebene leitete Gundula Pietryas. Wegen anderer
Verpflichtungen, konnte ich auch in diesem Jahr an der, wie mir
berichtet wurde, wieder gut besuchten Veranstaltung nicht
teilnehmen.
|
| |
|
|
|

|
| |
|
|
|
Ebenso
ohne mich hatte der Interpretationskurzkurs von Peter Croton
auszukommen. Da Peter ein sehr guter Lautenist mit bemerkenswerten
pädagogischen Fähigkeiten ist, werde ich einiges versäumt
haben.
|
| |
|
|
|

|
| |
|
|
|
Die
Musikalien aus der Graf Harrach´schen Familiensammlung
(Stammsitz: Schloss Rohrau) sind Eingeweihten durchaus ein Begriff.
Geneigtere kennen auch aus der Gemäldegalerie das von
Komposition und insbesondere der Farbwahl her beeindruckenden Bild
„Drei musizierende Damen“ aus dem zweiten Drittel des 16.
Jahrhunderts. Es zeigt drei jüngere Damen, die ein Lied des
französischen Hofdichters Clement
|
|
 |
|
Marot mit dem Titel
„L´Adolescence“ nach den Noten von Claudin Sermisy spielen
und singen. Aus einer anderen Epoche stammt der Fund, dem sich Michael Freimuth (Warnau/Schleswig-Holstein) in seinem Vortrag
mit Musikbeispielen gewidmet hat. Das erst vor relativ kurzer Zeit
aufgetauchte Manuskript enthält u.a. ein vollständiges,
viersätziges Lauten-Duett von Silvius Leopold Weiss. Ferner hat
sich herausgestellt, dass ein bislang als Solo zugeordnetes Stück
Lautenpart eines Trios (Laute und zwei Streichinstrumente) ist! Michael Freimuth hatte sich bestens präpariert und hätte
ohne Mühe den gesamten Vormittag vortragen und auch spielen
können. Der Vortrag war spannend, die konzertanten Einlagen
hervorragend! Zu erwähnen ist auch das eingesetzte Instrument:
eine im Jahre 1740 gebaute Laute, mit originaler Muschel und
originaler Decke und Rosette.

|
| |
|
|
Das
kommentierte Konzert von Dr. Gerd Dethlefs (Vortrag), Martin Junge
und Josef Wefers (musikalische Umsetzung) über das Lautenbuch des Bernhard
Schenckinck (Münster 1561) habe ich – bis auf den
Schlussapplaus - leider nicht mitbekommen.
Im
Jahre 1561, im zweiten Jahr seines Studiums in Köln, ließ
sich der münsterische Erbmann (Patrizier) Bernhard Schenckinck
(um 1537/38 – 1597) ein Stammbuch anlegen, das heute im
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster
verwahrt wird. Es ist eines der ältesten Stammbücher Kölner
Studenten überhaupt und enthält nicht nur achtzehn
Widmungen durchweg adeliger und patrizischer Studienfreunde, sondern
auch zahlreiche – meist lateinische – Sinnsprüche und
Rätzel, vor allem aber im zweiten Teil 42 Seiten mit
Lautentabulaturen, die er teils selbst komponiert hat. Von diesen 42
sind acht Seiten sogar datiert, fünf in seine Studienzeit
1562/63, zwei auf 1573 und eine auf 1582. Die Musik wurde also wohl
überwiegend während seines Studiums notiert. Es handelt sich dabei um deutsche
und italienische Tänze ebenso wie um
Intabulierungen französischer Chansons.
Neben einigen Lauten-Duetten enthält
die Tabulatur auch ein Trio.
Martin
Junge und Josef Wefers spielten u.a.
auch einige der Duette und waren dabei
insofern gefordert, als keines der Duette im
Stammbuch für
gleich gestimmte Instrumente ausgelegt ist.
Martin
Junge über
seinen Erstkontakt mit dem Lautenbuch: „Beim vorsichtigen
Durchblättern der ersten Seiten begegneten uns zunächst
viele Wappen und die Stammbäume der Eltern von Bernard
Schenckinck. Die Wappen stehen für die Familien seines Vaters
und seiner Mutter und die ihrer Vorfahren. Ich
war erstaunt, wie gut die Farben des 1561 angelegten Stammbuches
erhalten sind und wie frisch sie leuchten. Nach
dem heraldischen Teil des Buches beginnen die Tabulaturen. Der
Schreiber hat ein Tabulatursystem mit fünf Linien verwandt und
in französischer Tabulatur geschrieben. Erst Monate später
begriff ich, dass es sich bei dem Lautenbuch des Bernard Schenckinck
um eines der ersten Lautenbücher in französischer Tabulatur
auf deutschem Boden handelt!“
Eine
ausführliche Darstellung mit farbiger Wiedergabe der – teils
von dem münsterischen Renaissancemaler Hermann tom Ring
(1521-1596) geschaffenen – Wappenseiten mit Transkription und
Übersetzung der Verse, auch jener im Musikteil, findet sich in
der Publikation der Lautentabulaturen des Seicento Verlags
(Emmendingen).
|
| |
|
|
|

Dr. Gerd Dethlefs |

Martin Junge |

Josef Wefers |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
Das “Rozetta lute duo” aus
Ungarn wurde zwar erst 2004 gegründet, hat sich aber schon einen
Eintrag in WIKIPEDIA erarbeitet. Neben Duetten aus der englischen
Renaissance präsentierten die Rozettas mit ungeheuer großer
Spielfreude, viel Ausdruck und Präszision im Zusammenspiel auch
Musik aus einem der neben dem Codex Vietoris wichtigsten Dokumente
der ungarischen Musikgeschichte: dem Codex Kajoni (handschriftliche
Sammlung, von Johann
|
Kajoni (1630 – 1687) erstellt. Die Sammlung
von 364 Stücken umfasst sakrale ebenso wie Volksmusik). Das Rozetta lute duo hatte aus dem Codex für das Konzert u.a.
Stücke ausgewählt, die thematisch eine Verbindung nach
Italien, aber auch Spanien herstellten und damit einen Bezug zu den
Auftaktkonzerten von Gabriel Schebor und Ugo Nastrucci bildeten.
Titel wie: „Balletha italica“ und „Sarabanda“ (aus Andalusien
stammender Tanz) sprechen für sich!
|
| |
|
Das
Abschlusskonzert sollte um 12 Uhr beginnen. Es war dann knapp vor
13:00 Uhr als Pantagruel, die kurzfristig für „La
luth enchantée“ eingesprungen waren, den Eulensaal der
Murhardschen Bibliothek musikalisch stürmten. Hannah
"Nightingale" Morrison
(Gesang), Dominik
"Blow ye winds" Schneider (Flöten, Gesang,
Gittern) und Mark
"Devil´s plucker" Wheeler (Lauten, Cittern, Gittern) präsentierten,
wieder raffiniert kostümiert, “The Golden Age Restor'd.
Ballads, Ayres & Dances from Jacobean England & Scotland”.
Wie schon beim IFL in Füssen 2006 hat das quirlige Trio gleich
mit dem ersten Lied wieder begeisterte Resonanz beim Publikum
hervorrufen können. Klar, dass eine Zugabe erklatscht wurde: "A Cup of
Stingo!" Mit großer Anmut simulierten die drei - den Text umsetzend - einen
sich langsam entwickelnden Schwips. |


 |
| |
|
|
Insgesamt
ist es Oliver Holzenburg, dem Chef-Organisator des Lautenfestivals,
zusammen mit seinem Team wieder gelungen, ein in jeder Hinsicht für
das Publikum attraktives, künstlerisch und fachlich sehr
hochwertiges Programm zusammenzustellen. Mein Dank geht auch an all
die fleißigen Köpfe und Hände, die während des
Festivals kräftig mit anpacken, ohne im Rampenlicht zu stehen.
Dazu zählt insbesondere auch die Besetzung des Standes der DLG
e.V.!
Das
Festival klang dann nach einigen Irrungen und Wirrungen informell,
doch stilgerecht mit “handmade music” in einem Lokal im
Eingangsbereich des Rathauses von Kassel aus.
„Die
Lautenisten waren in der Stadt“, könnte es am Montag in
der Presse geheißen in Kassel geheißen haben.
Der
Abschied von den Freunden war wieder nicht ganz einfach, doch
Lautenisten treffen sich ja doch immer wieder irgendwo auf dieser
Welt. In diesem Jahr gibt es gewiss dazu noch zwei gute
Gelegenheiten: das sind die Spielertreffen in Bremen (Juli) und
Cottbus (Oktober).
Im
nächsten Jahr ist dann Regensburg angesagt!
|
| |
|
|
|
 |
| |
|
|
|
Aus dem
Lautenbuch der Elisabeth von Hessen.
Das Buch war für uns eine Stunde aus dem
Tresor geholt worden! |
|