.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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24.05.2007

 

 

 Internationales Festival der Laute
Kassel
18.05. bis 20.05. 2007

 

Sonntag, 20.05.2007

   
     

Der Sonntag bot - wie alljährlich - Parallelveranstaltungen.

Ein besonderes Anliegen der Deutschen Lautengesellschaft e.V. ist es, Kinder und Jugendliche an die Instrumente der Lautenfamilie heranzuführen. Nunmehr fester Bestandteil und stets gut besucht ist das traditionelle Kinder- und Familienkonzert von Beate Dittmann und Alexander Löwe (beide Berlin) am Sonntagvormittag. Unterstützt wurden beide von Hans Praßny (Tenor), Ulrike Keefer (Blockflöten) und Achim Eckhardt (Projektbetreuung). Den Tanz für Junge und Junggebliebene leitete Gundula Pietryas. Wegen anderer Verpflichtungen, konnte ich auch in diesem Jahr an der, wie mir berichtet wurde, wieder gut besuchten Veranstaltung nicht teilnehmen.

     


     
Ebenso ohne mich hatte der Interpretationskurzkurs von Peter Croton auszukommen. Da Peter ein sehr guter Lautenist mit bemerkenswerten pädagogischen Fähigkeiten ist, werde ich einiges versäumt haben.
     


     
Die Musikalien aus der Graf Harrach´schen Familiensammlung (Stammsitz: Schloss Rohrau) sind Eingeweihten durchaus ein Begriff. Geneigtere kennen auch aus der Gemäldegalerie das von Komposition und insbesondere der Farbwahl her beeindruckenden Bild „Drei musizierende Damen“ aus dem zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts. Es zeigt drei jüngere Damen, die ein Lied des französischen Hofdichters Clement  

Marot mit dem Titel „L´Adolescence“ nach den Noten von Claudin Sermisy spielen und singen. Aus einer anderen Epoche stammt der Fund, dem sich Michael Freimuth (Warnau/Schleswig-Holstein) in seinem Vortrag mit Musikbeispielen gewidmet hat. Das erst vor relativ kurzer Zeit aufgetauchte Manuskript enthält u.a. ein vollständiges, viersätziges Lauten-Duett von Silvius Leopold Weiss. Ferner hat sich herausgestellt, dass ein bislang als Solo zugeordnetes Stück Lautenpart eines Trios (Laute und zwei Streichinstrumente) ist! Michael Freimuth hatte sich bestens präpariert und hätte ohne Mühe den gesamten Vormittag vortragen und auch spielen können. Der Vortrag war spannend, die konzertanten Einlagen hervorragend! Zu erwähnen ist auch das eingesetzte Instrument: eine im Jahre 1740 gebaute Laute, mit originaler Muschel und originaler Decke und Rosette.


 


     
Das kommentierte Konzert von Dr. Gerd Dethlefs (Vortrag), Martin Junge und Josef Wefers (musikalische Umsetzung) über das Lautenbuch des Bernhard Schenckinck (Münster 1561) habe ich – bis auf den Schlussapplaus - leider nicht mitbekommen.

Im Jahre 1561, im zweiten Jahr seines Studiums in Köln, ließ sich der münsterische Erbmann (Patrizier) Bernhard Schenckinck (um 1537/38 – 1597) ein Stammbuch anlegen, das heute im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster verwahrt wird. Es ist eines der ältesten Stammbücher Kölner Studenten überhaupt und enthält nicht nur achtzehn Widmungen durchweg adeliger und patrizischer Studienfreunde, sondern auch zahlreiche – meist lateinische – Sinnsprüche und Rätzel, vor allem aber im zweiten Teil 42 Seiten mit Lautentabulaturen, die er teils selbst komponiert hat. Von diesen 42 sind acht Seiten sogar datiert, fünf in seine Studienzeit 1562/63, zwei auf 1573 und eine auf 1582. Die Musik wurde also wohl überwiegend während seines Studiums notiert. Es handelt sich dabei um deutsche und italienische Tänze ebenso wie um Intabulierungen französischer Chansons. Neben einigen Lauten-Duetten enthält die Tabulatur auch ein Trio.

Martin Junge und Josef Wefers spielten u.a. auch einige der Duette und waren dabei insofern gefordert, als keines der Duette im Stammbuch für gleich gestimmte Instrumente ausgelegt ist. 

Martin Junge über seinen Erstkontakt mit dem Lautenbuch: „Beim vorsichtigen Durchblättern der ersten Seiten begegneten uns zunächst viele Wappen und die Stammbäume der Eltern von Bernard Schenckinck. Die Wappen stehen für die Familien seines Vaters und seiner Mutter und die ihrer Vorfahren. Ich war erstaunt, wie gut die Farben des 1561 angelegten Stammbuches erhalten sind und wie frisch sie leuchten. Nach dem heraldischen Teil des Buches beginnen die Tabulaturen. Der Schreiber hat ein Tabulatursystem mit fünf Linien verwandt und in französischer Tabulatur geschrieben. Erst Monate später begriff ich, dass es sich bei dem Lautenbuch des Bernard Schenckinck um eines der ersten Lautenbücher in französischer Tabulatur auf deutschem Boden handelt!“

Eine ausführliche Darstellung mit farbiger Wiedergabe der – teils von dem münsterischen Renaissancemaler Hermann tom Ring (1521-1596) geschaffenen – Wappenseiten mit Transkription und Übersetzung der Verse, auch jener im Musikteil, findet sich in der Publikation der Lautentabulaturen des Seicento Verlags (Emmendingen).
     


Dr. Gerd Dethlefs


Martin Junge


Josef Wefers

     

     

  Das “Rozetta lute duo” aus Ungarn wurde zwar erst 2004 gegründet, hat sich aber schon einen Eintrag in WIKIPEDIA erarbeitet. Neben Duetten aus der englischen Renaissance präsentierten die Rozettas mit ungeheuer großer Spielfreude, viel Ausdruck und Präszision im Zusammenspiel auch Musik aus einem der neben dem Codex Vietoris wichtigsten Dokumente der ungarischen Musikgeschichte: dem Codex Kajoni (handschriftliche Sammlung, von Johann
Kajoni (1630 – 1687) erstellt. Die Sammlung von 364 Stücken umfasst sakrale ebenso wie Volksmusik). Das Rozetta lute duo hatte aus dem Codex für das Konzert u.a. Stücke ausgewählt, die thematisch eine Verbindung nach Italien, aber auch Spanien herstellten und damit einen Bezug zu den Auftaktkonzerten von Gabriel Schebor und Ugo Nastrucci bildeten. Titel wie: „Balletha italica“ und „Sarabanda“ (aus Andalusien stammender Tanz) sprechen für sich!
 

 

Das Abschlusskonzert sollte um 12 Uhr beginnen. Es war dann knapp vor 13:00 Uhr als Pantagruel, die kurzfristig für „La luth enchantée“ eingesprungen waren, den Eulensaal der Murhardschen Bibliothek musikalisch stürmten. Hannah "Nightingale" Morrison (Gesang), Dominik "Blow ye winds" Schneider (Flöten, Gesang, Gittern) und Mark "Devil´s plucker" Wheeler (Lauten, Cittern, Gittern) präsentierten, wieder raffiniert kostümiert, “The Golden Age Restor'd. Ballads, Ayres & Dances from Jacobean England & Scotland”. Wie schon beim IFL in Füssen 2006 hat das quirlige Trio gleich mit dem ersten Lied wieder begeisterte Resonanz beim Publikum hervorrufen können. Klar, dass eine Zugabe erklatscht wurde: "A Cup of Stingo!" Mit großer Anmut simulierten die drei - den Text umsetzend - einen sich langsam entwickelnden Schwips.

     

Insgesamt ist es Oliver Holzenburg, dem Chef-Organisator des Lautenfestivals, zusammen mit seinem Team wieder gelungen, ein in jeder Hinsicht für das Publikum attraktives, künstlerisch und fachlich sehr hochwertiges Programm zusammenzustellen. Mein Dank geht auch an all die fleißigen Köpfe und Hände, die während des Festivals kräftig mit anpacken, ohne im Rampenlicht zu stehen. Dazu zählt insbesondere auch die Besetzung des Standes der DLG e.V.!

Das Festival klang dann nach einigen Irrungen und Wirrungen informell, doch stilgerecht mit “handmade music” in einem Lokal im Eingangsbereich des Rathauses von Kassel aus.

„Die Lautenisten waren in der Stadt“, könnte es am Montag in der Presse geheißen in Kassel geheißen haben.

Der Abschied von den Freunden war wieder nicht ganz einfach, doch Lautenisten treffen sich ja doch immer wieder irgendwo auf dieser Welt. In diesem Jahr gibt es gewiss dazu noch zwei gute Gelegenheiten: das sind die Spielertreffen in Bremen (Juli) und Cottbus (Oktober).

Im nächsten Jahr ist dann Regensburg angesagt!

     

     

Aus dem Lautenbuch der Elisabeth von Hessen.
Das Buch war für uns eine Stunde aus dem
Tresor geholt worden!

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