.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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24.05.2007

 

 

 Internationales Festival der Laute
Kassel
18.05. bis 20.05. 2007

 

Samstag, 19.05.2007    
     
Was für eine nette Begrüßung am Samstagvormittag vor der Bibliothek: südamerikanische Straßenmusiker!
 


 

Der Samstag-Vormittag ist in der DLG e.V. traditionell der Regelung der Vereinsangelegenheiten vorbehalten. In diesem Jahr standen wieder Vorstandswahlen an. Kurz auf den Punkt gebracht: der alte ist auch der neue Vorstand:
Matthias Schneider, Vorsitzender
Dr. Peter Kiraly, stellvertretender Vorsitzender
Oliver Holzenburg, Kassierer
Christine Schneider, Schriftführerin
 

   

 


Von Frau Rockenbach, der Leiterin der Bibliothek, wurden DLG e.V. und die Festivalbesucher recht herzlich willkommen geheißen. Ein besonderes Bonbon gab es für die Interessierten: für eine Stunde wurde das Lautenbuch der Elisabeth von Hessen in einer Vitrine vor dem Eulensaal ausgestellt! Dann wurde das Buch behutsam wieder zurück in den Tresor gebracht!

Die Präsentation von aktuellen Publikationen leitete die Veranstaltungen am Nachmittag ein.

Andreas Schlegel stellte sein Buch "Die Laute in Europa“ vor. Das Buch bietet mit Geschichte und Geschichten einen ganz hervorragenden Einstieg in die wunderbare Welt der Lauten, ist mit großer Sorgfalt geschrieben und sehr gut bebildert. Hier ist ein Standardwerk entstanden, das in keiner öffentlichen Bücherhalle fehlen sollte und sich gut zum Verschenken eignet!

Für den Hessischen Rundfunk stellte Susanne Schaeffer, ausgehend von der bereits erwähnten Einspielung mit Liedern und Solostücken aus dem Lautenbuch der Elisabeth von Hessen, die CD-Edition von HR 2 vor.

Rainer Luckhardt (Seicento) übernahm es, die bei ihm erschienene Ausgabe des "Stammbuches des Bernard Schenckinck" zu erläutern.
 

 


Nach der Präsentation wurde auch die Verkaufsausstellung eröffnet. Es stellten aus:

Sebastian Nunez (Lautenbau)
Karl Kirchmeyer (Lautenbau)
Knut Sent (Lautenbau)
Heidi von Rhüden (Gitarrenbau)
Renzo Salvador (Lautenbau)
Markus Dietrich (Lautenbau)
Andreas Schlegel (Verlag)
Albert Reyerman (Verlag)
Rainer Luckhardt (Verlag/Notenversand)
Deutsche Lautengesellschaft (Publikationen)
 

 
     
Leider blieb zumindest mir wieder viel zu wenig Zeit, um alle Instrumente in die Hand zu nehmen und die aktuellen Publikationen anblättern zu können.
     

Den Vortragsreigen am Nachmittag begann Dr. Joachim Lüdtke, in der DLG e.V. nicht nur als Herausgeber des „Lauten-Infos“ sehr geschätzt. Joachim Lüdtke setzte sich mit der Beziehung des Kasseler Hofes zur Laute auseinander. Sein Anknüpfungspunkt waren die Aufenthalte von John Dowland in Kassel mit dem bekannten Ergebnis: „Dowland didn´t stay!“. Joachim Lüdtke verwiese zur Frage der Gründe für diese Tatsache auf Berufenere (?) und widmete sich in seinem Vortrag vor allem anderen

 

– etwa Jean-Baptiste Besard,  der wie Dowland als reisender Musiker den Hof Moritz des Gelehrten besuchte, und Victor de Montbuisson, der als Hoflautenist in Kassel tätig war. Es ging aber auch um die vielen Namenlosen, die Spuren hinterlassen haben. Wie stets bei Joachim Luedtke war das war das Material interessantg aufbereitet und wurde gekonnt mit gepflegter Sprache vorgetragen! Aber irgendwie schwebte über dem erwartungsfrohen Publikum bis zum Schluss die Frage: warum ist Dowland denn nun nicht geblieben?


     
 

Zu den Leidenschaften von Markus Lutz zählen: die Barocklaute, Sylvius Leopold Weiss (zu dem er auch die zentrale Homepage im Internet pflegt), die „Söhne Edgars“ - eine A-Capella-Gruppe – und die Begeisterung, für die DLG e.V. als Herausgeber von Tabulaturen zu fungieren. Auch er also einer der Aktivposten in der Lauten-Gemeinde. Von seinen Zeitgenossen wurde Johann Sigismund Weiss (ca. 1695 – 1737) auf einer Ebene mit seinem Bruder Silvius Leopold Weiss (1687-1750) gesehen, als

Virtuose wie als Komponist. Im Gegensatz zu letzterem hat Sigismund aber nicht nur für oder mit Laute, sondern auch für andere Instrumente wie Violine, Flöte und Oboe komponiert. Ihm, Sigismund dem fast Vergessenen, widmete sich Markus Lutz in seinem Vortrag "Im Schatten des älteren Bruders - Johann Sigismund Weiss, >über diß ein vortrefflicher Gambist und Violinist und Componist<" Werke mit und ohne Laute. Markus Lutz stellte neben einem kurzen Lebensabriss vor allem eine Zusammenstellung der Werke dieses (eben nur fast) vergessenen Lautenisten und Komponisten vor und vermittelte dabei auch die grundsätzliche Problematik der Zuordnung von Lautenmusik, wenn der Name „Weiss“ auftaucht: neben dem Bruder gab es eben auch einen Vater, eine Schwester, einen Sohn … und alle spielten die Laute!


     

Dr. Frank Legl, stets bestechend durch die Präzision in seinen Forschungen und durch den trockenen Humor bei Vortrag der Ergebnisse, griff einmal mehr ein im ersten Zugriff verblüffendes Thema auf: "Johann Caspar Goethe und die Laute". In der Beschreibung des Goethe-Hauses in Frankfurt heißt es lapidar: “In der Familie Goethe wurde viel musiziert: Der Vater spielte Laute, die anderen spielten Klavier, Mutter und Tochter sangen“ … trautes Heim!

 
   

In Dichtung und Wahrheit schreibt Johann Wolfgang Goethe über seinen Vater, Johann Caspar Goethe (1710-1782), dass dieser seine Laute länger gestimmt als gespielt habe. Dies ist aber nicht die einzige Quelle, die Auskunft darüber gibt, dass Johann Caspar Goethe Laute gespielt hat. So erwähnt der vor einigen Jahren bekannt gewordene Brief des Leipziger Lautenbauers Johann Christian Hoffmann an den Frankfurter Bürger Johann Friedrich Armand von Uffenbach, dass er eine Laute für Goethe gebaut habe. Im Mittelpunkt des Vortrages stand jedoch eine weitere Quelle, der sogenannte Liber domesticus, ein Haushaltungsbuch, das Vater Goethe von 1753 bis 1779 geführt hat. In diesem Buch, das unter anderem eine bedeutende Quelle für das Alltagsleben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts darstellt, finden sich auch Einträge, die über den Kauf von Lautensaiten, die Reparatur der Laute und Konzertbesuche Auskunft geben. Es bleibt zu hoffen, dass dieser kenntnisreiche und die eine oder andere inhaltliche Überraschung bergende Vortrag von Frank Legl demnächst zum Nachlesen bereit steht!


     

Michel Cardin (Moncton/Canada) gehört zu den hervorragenden Kennern und Interpreten der Musik von Silvius Leopold Weiss. Zu seinen musikalischen Leistungen zählt vor allem auch die 12 CDs umfassende Serie von Einspielungen der Solo-Barocklautenwerke und Duos mit Flöte des „Londoner Manuskriptes“. Michel Cardin widmete sich in seinem (viel zu schnell in englischer Sprache gehaltenen) Vortrag dem “Londoner Manuskript”, eine der Hauptquellen für die Werke von Weiss.

     

     

Ein Genuss war die Darbietung der Stücke für Flöte und begleitende Barocklaute aus dem genannten Manuskript. Michel Cardin, der den Flötenpart zu der vorhandenen Lautenbegleitung ergänzt hat, und der Flötist Andreas Besteck aus Basel präsentierten ein Kleinod! Es klang, als wären sie schon seit Jahren aufeinander eingespielt und hatten sich doch erst wenige Stunden zuvor zum ersten Mal zu einer Probe getroffen. Der Applaus war verdient und berechtigt, sowohl für die Rekonstruktion wie die Darbietung. Dies war sicherlich einer der vielen Höhepunkte des Festivals!


     

Der Abend

     

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Museum für Sepulkralkultur in Kassel als Veranstaltungsort schon: kann ein sehr unterkühlt wirkender Beton-Anbau mit zahlreichen Grabsteinen aus verschiedenen Jahrhunderten ein geeigneter Ort für Konzerte sein? Ja! Und zwar eindeutig! Die Grundstimmung passte trefflich zu den beiden Programmteilen des Abends, die Akustik auch. Und dann war da noch das Team des Museums, mit dem – wie übrigens bei allen anderen Spielstätten auch – die Zusammenarbeit ohne jegliche Komplikation, ohne Vorbehalt und großer Selbstverständlichkeit aus dem Stand heraus klappte!

Es kamen viel mehr Zuhörerinnen und Zuhörer als erwartet! Gut, dass im Museum noch weitere Klappstühle vorgehalten wurden und auch die Treppen als Sitzmöglichkeit genutzt werden konnten.

Der Abend begann mit dem Duo Theresia Bothe/Peter Croton. Auf dem Programm stand Musik von Bach, Campion, Danyel, John Dowland sowie Eigenkompositionen von Peter Croton. Charakterisierender Titel des Konzertes „… und vergehen – wenn der Ton vergeht“, ein Gedicht von Rilke, das Theresia dann auch vortrug. Reflektionen über Tod und Vergänglichkeit: den Empfindungen „Traurigkeit“, „Sehnsucht“, „Qual“ und „Liebeskummer“ hatte das Duo Lieder zugeordnet, die von Text und Melodie her jeweils passen sollten.

Als Komponist der Gegenwart ist Peter Croton auch im Rahmen der Publikationen der Deutschen Lautengesellschaft e.V. mit seinem Band „Open house. Songs for Renaissance lute or guitar. „Midnight Fantasia“ for Lute solo“ vertreten. Aus dieser Sammlung stammte ein Titel, den Theresia Bothe und er (10-chörige Renaissancelaute) in ihrem Programm erklingen ließen: „In darkness let me dwell“. Für die Wirkung des Programms war es sehr gut, dass zu Beginn des Konzerts darum gebeten worden war, auf Zwischenapplaus zu verzichten. Zumindest meiner Frau und mir hat der zweite Teil mit den von Peter Croton komponierten modernen Liedern eindeutig besser gefallen als der erste Teil. Wir mussten uns – gern zugegeben - bei den modernen Stücken erst etwas einhören, doch lohnte sich das damit genauere Hinhören.

     

     

Eine Pause zum Lüften brachte nur wenig Kühlung in den Raum: es war einfach draußen auch zu schwül.


Mit Musik am Hofe des Landgrafen von Hessen konnte das Frankfurter Renaissance Ensemble unter der Leitung von Matthias Schneider zu fortgeschrittener Stunde aufwarten. Mit großer Fachkunde führte Matthias Schneider durch das sehr anspruchsvolle Programm, dass gleichwohl mit einer erfrischenden Leichtigkeit vorgetragen wurde. Hier wurde wahrnehmbar zusammen musiziert und nicht einfach uninspiriert Noten vom Blatt gespielt! Auf dem Programm standen Stücke von Johann Heugel (vor 1500 – 1585) sowie Moritz von Hessen. Heugel komponierte in fast jeder der zu seiner Zeit bekannten musikalischen Formen: neben sakraler Musik auch Musik zum Tanz. Eine besondere Herausforderung sind gewiss seine 12stimmigen Stücke für Vokal- oder Instrumentalensemble. Eines davon brachten die Frankfurter zur Aufführung: Felix illa. Ein unaufführbares Stück? Nachdem ich die Frankfurter gehört habe ist festzuhalten: für sie jedenfalls nicht. Für mich war dieses Stück der eindeutige Höhepunkt ihres Programms!

     

 
     

Seinen Abschluss fand der Abend in der Bar des Museums bei zivilen Preisen, einer abgekühlten Atmosphäre (es hatte mittlerweile kräftig geregnet) und weiteren musikalischen Darbietungen. Sebastian Nunez hatte eine Gitarre und ein kleine Auswahl südamerikanscher Klassiker mitgebracht. Er sang und spielte Gitarre, Dante begleitete auf Bongos. Dann übernahm Peter Croton die Gitarre und Theresia sang, Dante blieb bei den Bongos, Sebastian schwang „Raschelnüsse“ (keine Ahnung, wie diese Dinger nun wirklich heißen!). Nach „Summertime“ näherten sich die Zeiger dann auf Mitternacht, die Bar schloss, der Heimweg wurde angetreten, für einige noch mit einem kleinen Abstecher über den „Postillon“ (auf den wirklich letzten Schluck) ...

     

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