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Samstag,
19.05.2007 |
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Was für eine nette Begrüßung am Samstagvormittag vor der Bibliothek:
südamerikanische Straßenmusiker! |
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Der
Samstag-Vormittag ist in der DLG e.V. traditionell der Regelung der
Vereinsangelegenheiten vorbehalten. In diesem Jahr standen wieder
Vorstandswahlen an. Kurz auf den Punkt gebracht: der alte ist auch
der neue Vorstand: Matthias Schneider, Vorsitzender Dr. Peter Kiraly,
stellvertretender Vorsitzender Oliver
Holzenburg, Kassierer Christine Schneider,
Schriftführerin |
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Von
Frau Rockenbach, der Leiterin der Bibliothek, wurden DLG e.V. und die
Festivalbesucher recht herzlich willkommen geheißen. Ein besonderes Bonbon gab
es für die Interessierten: für eine Stunde wurde das Lautenbuch der Elisabeth
von Hessen in einer Vitrine vor dem Eulensaal ausgestellt! Dann wurde das Buch
behutsam wieder zurück in den Tresor gebracht!
Die Präsentation von aktuellen
Publikationen leitete die Veranstaltungen am Nachmittag ein.
Andreas Schlegel stellte sein Buch "Die Laute in
Europa“ vor. Das Buch bietet mit Geschichte und Geschichten einen
ganz hervorragenden Einstieg in die wunderbare Welt der Lauten, ist
mit großer Sorgfalt geschrieben und sehr gut bebildert. Hier
ist ein Standardwerk entstanden, das in keiner öffentlichen
Bücherhalle fehlen sollte und sich gut zum Verschenken eignet!
Für
den Hessischen Rundfunk stellte Susanne Schaeffer, ausgehend
von der bereits erwähnten Einspielung mit Liedern und
Solostücken aus dem Lautenbuch der Elisabeth von Hessen, die
CD-Edition von HR 2 vor.
Rainer
Luckhardt (Seicento) übernahm es, die bei ihm erschienene
Ausgabe des "Stammbuches
des Bernard Schenckinck" zu erläutern.
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Nach
der Präsentation wurde auch die Verkaufsausstellung eröffnet.
Es stellten aus:
Sebastian
Nunez (Lautenbau) Karl
Kirchmeyer (Lautenbau) Knut
Sent (Lautenbau) Heidi
von Rhüden (Gitarrenbau) Renzo
Salvador (Lautenbau) Markus
Dietrich (Lautenbau) Andreas
Schlegel (Verlag) Albert
Reyerman (Verlag) Rainer
Luckhardt (Verlag/Notenversand) Deutsche
Lautengesellschaft (Publikationen)
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Leider
blieb zumindest mir wieder viel zu wenig Zeit, um alle Instrumente in
die Hand zu nehmen und die aktuellen Publikationen anblättern zu
können.
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Den
Vortragsreigen am Nachmittag begann Dr. Joachim Lüdtke, in der DLG e.V.
nicht nur als Herausgeber des „Lauten-Infos“ sehr geschätzt. Joachim
Lüdtke setzte sich mit der Beziehung des Kasseler Hofes zur Laute
auseinander. Sein Anknüpfungspunkt waren die Aufenthalte von John
Dowland in Kassel mit dem bekannten Ergebnis: „Dowland didn´t stay!“. Joachim
Lüdtke verwiese zur Frage der Gründe für diese Tatsache auf Berufenere (?) und widmete
sich in seinem Vortrag vor allem anderen |
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– etwa
Jean-Baptiste Besard, der wie Dowland als reisender Musiker den Hof Moritz des
Gelehrten besuchte, und Victor de Montbuisson, der als Hoflautenist
in Kassel tätig war. Es ging aber auch um die vielen Namenlosen,
die Spuren hinterlassen
haben. Wie stets bei Joachim
Luedtke war das
war das
Material interessantg
aufbereitet und wurde
gekonnt mit gepflegter
Sprache vorgetragen! Aber
irgendwie schwebte über dem
erwartungsfrohen Publikum
bis zum Schluss die Frage:
warum ist Dowland denn nun
nicht geblieben?
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Zu
den Leidenschaften von
Markus Lutz
zählen: die Barocklaute, Sylvius Leopold Weiss (zu dem er auch
die zentrale Homepage im Internet pflegt), die „Söhne Edgars“
- eine A-Capella-Gruppe – und die Begeisterung, für die DLG
e.V. als Herausgeber von Tabulaturen zu fungieren. Auch er also einer
der Aktivposten in der Lauten-Gemeinde. Von
seinen Zeitgenossen wurde Johann Sigismund Weiss (ca. 1695 – 1737)
auf einer Ebene mit seinem Bruder Silvius Leopold Weiss (1687-1750)
gesehen, als |
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Virtuose wie als Komponist. Im Gegensatz zu letzterem
hat Sigismund aber nicht nur für oder mit Laute, sondern auch
für andere Instrumente wie Violine, Flöte und Oboe
komponiert. Ihm, Sigismund dem fast Vergessenen, widmete sich Markus
Lutz in seinem Vortrag
"Im
Schatten des älteren Bruders - Johann Sigismund Weiss, >über
diß ein vortrefflicher Gambist und Violinist und Componist<"
Werke mit und ohne Laute. Markus Lutz stellte neben einem kurzen
Lebensabriss vor allem eine Zusammenstellung der Werke dieses (eben
nur fast) vergessenen Lautenisten und Komponisten vor und vermittelte
dabei auch die grundsätzliche Problematik der Zuordnung von
Lautenmusik, wenn der Name „Weiss“ auftaucht: neben dem Bruder
gab es eben auch einen Vater, eine Schwester, einen Sohn … und alle
spielten die Laute!
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Dr.
Frank Legl, stets bestechend durch die Präzision in seinen
Forschungen und durch den trockenen Humor bei Vortrag der Ergebnisse, griff
einmal mehr ein im ersten Zugriff verblüffendes Thema auf: "Johann Caspar
Goethe und die Laute". In der Beschreibung des Goethe-Hauses in Frankfurt
heißt es lapidar: “In der Familie Goethe wurde viel musiziert: Der Vater
spielte Laute, die anderen spielten Klavier, Mutter und Tochter sangen“ …
trautes Heim! |
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In Dichtung und Wahrheit schreibt Johann
Wolfgang Goethe über seinen Vater, Johann Caspar Goethe
(1710-1782), dass dieser seine Laute länger gestimmt als
gespielt habe. Dies ist aber nicht die einzige Quelle, die Auskunft
darüber gibt, dass Johann Caspar Goethe Laute gespielt hat. So
erwähnt der vor einigen Jahren bekannt gewordene Brief des
Leipziger Lautenbauers Johann Christian Hoffmann an den Frankfurter
Bürger Johann Friedrich Armand von Uffenbach, dass er eine Laute
für Goethe gebaut habe. Im Mittelpunkt des Vortrages stand
jedoch eine weitere Quelle, der sogenannte Liber domesticus,
ein Haushaltungsbuch, das Vater Goethe von 1753 bis 1779 geführt
hat. In diesem Buch, das unter anderem eine bedeutende Quelle für
das Alltagsleben in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
darstellt, finden sich auch Einträge, die über den Kauf von
Lautensaiten, die Reparatur der Laute und Konzertbesuche Auskunft
geben. Es bleibt zu hoffen, dass dieser kenntnisreiche und die eine
oder andere inhaltliche Überraschung bergende Vortrag von Frank
Legl demnächst zum Nachlesen bereit steht!
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Michel
Cardin (Moncton/Canada) gehört zu
den hervorragenden Kennern und Interpreten der Musik von Silvius
Leopold Weiss. Zu seinen musikalischen Leistungen zählt
vor allem auch die 12 CDs umfassende Serie von Einspielungen der
Solo-Barocklautenwerke und Duos mit Flöte des „Londoner
Manuskriptes“. Michel Cardin widmete sich
in seinem (viel zu schnell in englischer Sprache gehaltenen) Vortrag
dem “Londoner Manuskript”, eine der Hauptquellen für die
Werke von Weiss. |
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Ein
Genuss war die Darbietung der Stücke für Flöte und
begleitende Barocklaute aus dem genannten Manuskript. Michel
Cardin, der den Flötenpart zu der
vorhandenen Lautenbegleitung ergänzt hat, und der Flötist Andreas Besteck
aus Basel präsentierten ein Kleinod! Es klang, als wären
sie schon seit Jahren aufeinander eingespielt und hatten sich doch
erst wenige Stunden zuvor zum ersten Mal zu einer Probe getroffen.
Der Applaus war verdient und berechtigt, sowohl für die
Rekonstruktion wie die Darbietung. Dies war sicherlich einer der
vielen Höhepunkte des Festivals!
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Der
Abend |
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Etwas
gewöhnungsbedürftig ist das Museum
für Sepulkralkultur in Kassel als
Veranstaltungsort schon: kann ein sehr unterkühlt wirkender
Beton-Anbau mit zahlreichen Grabsteinen aus verschiedenen
Jahrhunderten ein geeigneter Ort für Konzerte sein? Ja! Und zwar
eindeutig! Die Grundstimmung passte trefflich zu den beiden
Programmteilen des Abends, die Akustik auch. Und dann war da noch das
Team des Museums, mit dem – wie übrigens bei allen anderen
Spielstätten auch – die Zusammenarbeit ohne jegliche
Komplikation, ohne Vorbehalt und großer Selbstverständlichkeit
aus dem Stand heraus klappte!
Es
kamen viel mehr Zuhörerinnen und Zuhörer als erwartet! Gut,
dass im Museum noch weitere Klappstühle vorgehalten wurden und
auch die Treppen als Sitzmöglichkeit genutzt werden konnten.
Der
Abend begann mit dem Duo Theresia
Bothe/Peter Croton. Auf dem Programm
stand Musik von Bach,
Campion, Danyel, John Dowland sowie Eigenkompositionen von Peter
Croton. Charakterisierender Titel des Konzertes „… und vergehen –
wenn der Ton vergeht“, ein Gedicht von Rilke, das Theresia dann
auch vortrug. Reflektionen über Tod und Vergänglichkeit:
den Empfindungen „Traurigkeit“, „Sehnsucht“, „Qual“ und
„Liebeskummer“ hatte das Duo Lieder zugeordnet, die von Text und
Melodie her jeweils passen sollten.
Als
Komponist der Gegenwart ist Peter Croton auch im Rahmen der
Publikationen der Deutschen Lautengesellschaft e.V. mit seinem Band
„Open house. Songs for Renaissance lute or
guitar. „Midnight Fantasia“ for Lute solo“ vertreten. Aus
dieser Sammlung stammte ein Titel, den Theresia Bothe und er
(10-chörige Renaissancelaute) in ihrem Programm erklingen
ließen: „In darkness let me dwell“. Für die Wirkung
des Programms war es sehr gut, dass zu Beginn des Konzerts darum
gebeten worden war, auf Zwischenapplaus zu verzichten. Zumindest
meiner Frau und mir hat der zweite Teil mit den von Peter Croton
komponierten modernen Liedern eindeutig besser gefallen als der erste
Teil. Wir mussten uns – gern zugegeben - bei den modernen Stücken
erst etwas einhören, doch lohnte sich das damit genauere
Hinhören.
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Eine
Pause zum Lüften brachte nur wenig Kühlung in den Raum: es
war einfach draußen auch zu schwül.
Mit
Musik am Hofe des Landgrafen von Hessen konnte das Frankfurter
Renaissance Ensemble unter der Leitung von Matthias Schneider
zu fortgeschrittener Stunde aufwarten. Mit großer Fachkunde
führte Matthias Schneider durch das sehr anspruchsvolle
Programm, dass gleichwohl mit einer erfrischenden Leichtigkeit
vorgetragen wurde. Hier wurde wahrnehmbar zusammen musiziert und
nicht einfach uninspiriert Noten vom Blatt gespielt! Auf dem Programm
standen Stücke von Johann Heugel (vor 1500 – 1585) sowie
Moritz von Hessen. Heugel komponierte in fast jeder der zu seiner
Zeit bekannten musikalischen Formen: neben sakraler Musik auch Musik
zum Tanz. Eine besondere Herausforderung sind gewiss seine
12stimmigen Stücke für Vokal- oder Instrumentalensemble.
Eines davon brachten die Frankfurter zur Aufführung: Felix
illa. Ein unaufführbares Stück?
Nachdem ich die Frankfurter gehört habe ist festzuhalten: für
sie jedenfalls nicht. Für mich war dieses Stück der
eindeutige Höhepunkt ihres Programms!
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Seinen
Abschluss fand der Abend in der Bar des Museums bei zivilen Preisen,
einer abgekühlten Atmosphäre (es hatte mittlerweile kräftig
geregnet) und weiteren musikalischen Darbietungen. Sebastian Nunez
hatte eine Gitarre und ein kleine Auswahl südamerikanscher
Klassiker mitgebracht. Er sang und spielte Gitarre, Dante begleitete
auf Bongos. Dann übernahm Peter Croton die Gitarre und Theresia
sang, Dante blieb bei den Bongos, Sebastian schwang „Raschelnüsse“
(keine Ahnung, wie diese Dinger nun wirklich heißen!). Nach
„Summertime“ näherten sich die Zeiger dann auf Mitternacht,
die Bar schloss, der Heimweg wurde angetreten, für einige noch mit einem
kleinen Abstecher über den „Postillon“ (auf den wirklich
letzten Schluck) ... |
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