.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



Introduction


Tablature systems


Guitar tablatures


Lute tablatures


MS Göess-Hueber


Midi files


Links


"Dütt und Datt"

 

Site map

Visitors


Contact



Last update: 


 

24.05.2007

 

 

 Internationales Festival der Laute
Kassel
18.05. bis 20.05. 2007

 

Freitag, 18.05.2007
     


Das alte Giesshaus


       
In einem alten Gießhaus, jetzt ein durch die Universität genutztes Gebäude mit einer hoch interessanten Akustik, begann das Internationale Festival der Laute. Herzlich begrüßt wurde die DLG e.V. mit ihrem Festival von der Universität durch Herrn Dr. Hagstedt. Für die DLG e.V. übernahm die Begrüßung Oliver Holzenburg, Cheforganisator des Festivals und Vorstandsmitglied. In einer kurzen Pause zwischen den Eröffnungsansprachen und dem ersten Konzert kam ein etwas älteres Mitglied der DLG e.V. auf mich zu und konnte berichten, als kleines Kind schon einmal in diesem Gebäude gewesen zu sein. Damals allerdings, um beim Gießen zuzuschauen!
       
Gabriel Schebor
 

 

Gabriel Schebor (Barock-Gitarre) aus Buenos Aires gab mit seinem Programm: “Mexikanische und spanische Musik für Barock-Gitarre” den Auftakt. Zwei Komponisten standen im Mittelpunkt des Konzertes: Santiago de Murcia (1685 – 1732) und Francisco Guerau (1649 – 1722). Die Stücke waren vornehmlich dem so genannten “Saldivar Codex” entnommen, ein Manuskript, das 1943 durch Zufall in einem "Second hand” Buchladen vom Musikwissenschaftler Gabriel Saldivar

entdeckt wurde. Dieses Manuscript enthält zahreiche Stücke des aus Spanien stammenden Gitarristen de Murcia, der die letzten Jahre seines Lebens in Mexiko verbrachte. Die Stücke sind überwiegend im gemischten Stil gehalten: die Verbindung zwischen “Rasgueado” und “Zupfen”. Besonders bemerkenswert am “Saldivar Codex” ist, dass er Stücke aus der “Alten Welt” - in diesem Falle: Spanien – und solchen, die in der “Neuen Welt” entstanden sind, enthält. “Las sombras” ist etwa ein Stück, das aus einer Oper stammt, die 1701 in Lima/Peru uraufgeführt wurde (“La púrpura de la rosa” von Tomás de Torrejón y Velasco). Bei “Las penas” ist noch nicht klar, ob es sich um ein Stück spanischer oder mexikanischer Herkunft handelt. So war das Konzert von Gabriel Schebor auf jeden Fall eine akustische Endeckungsreise: von der “Neuen” zurück in die “Alte Welt”, die erst vor wenigen Jahren begonnen hat, sich intensiver dieser Verbindung – etwa über den “Jesuiten-Barock” - zu nähern.


     
Wie Gabriel Schebor war auch Ugo Nastrucci aus Pavia (Italien) zum zweiten Male zu Gast beim IFL. Hatte er 2005 in Füssen die Musik für Barockgitarre des italienischen Komponisten F. Corbetta in den Mittelpunkt seines Referates (mit Musikbeispielen) und seines Konzertes gestellt, präsentierte er in Kassel unter dem Titel “A la Vera Spagnuola” Beiträge zur musikalischen Beziehung zwischen Spanien und Italien, die sich  

Ugo Nastrucci

insbesondere über ein Instrument begründet: die “Vihuela” in Spanien, in Italien “Viola da mano” genannt ... oder auch umgekehrt. In Spanien entwickelt sich dieses vom äußeren Erscheinungsbild her der Gitarre und nicht der Laute, vier bis 6 Chöre aufweisende Instrument in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit einer eigenen Literatur. Das Instrument und seine Literatur kamen nach Italien über die Städte und Regionen, die unter politischem Einfluss Spaniens standen. Insbesondere ist hier Neapel zu nennen. Während der Zeit der Borgia-Päpste (die römische Adelsfamilie der Borgias stammte aus Spanien) spielte das Instrument auch eine besondere Rolle in Rom. Es wurde, anders als in Spanien, dabei neben der Laute kultiviert, war also kein exklusives Instrument. Es deutet viel darauf hin, dass die Vihuela in Spanien eine große Popularität besessen haben muss und nicht nur ein an den höfischen Zusammenhang gebundenes Instrument war; dafür wären Druckauflagen von 1000 bis 1500 Stück damaliger Editionen viel zu hoch gewesen! Ugo Nastrucci hatte ein Programm zusammengestellt, das - neben Lautenklassikern wie ... - einen sehr guten Eindruck von der Vielfältigkeit des Repertoires für die Vihuela/Viola da mano vermittelte. Es war pures Vergnügen, dem technisch brillianten, sehr ausdrucksstarken Spiel von Ugo Nastrucci lauschen zu können.
     
Wirbelkasten   Trotz seiner vielfältigen anderweitigen Verpflichtungen (aktuell u.a. bei der Inszenierung der Händel-Oper „Radamisto“ an der Hamburger Staatsoper) hatte es Joachim Held, „Echo“-Preisträger in der Sparte „Solistische Einspielung des Jahres 2006“, ermöglichen können, wieder einmal beim IFL zu konzertieren. Sein Konzert wurde vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet.
Joachim Held ist in und für Kassel kein Unbekannter: im Juli 2006 hat er in der
   

Murhardschen Bibliothek zusammen mit dem Sänger Klaus Mertens Kompositionen aus dem Lautenbuch der Elisabeth von Hessen vorgestellt. Von diesem Konzert gibt es einen Mitschnitt des Hessischen Rundfunks auf CD.

Für S.L. Weiss ist für den Beginn seiner Karriere eine Stippvisite in Kassel belegt: Anfang 1706 kehrte er mit Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel (späterer König von Schweden) auf dem Wege von Berlin nach Düsseldorf in Kassel ein. Für das Konzert hatte Joachim Held die Sonaten g-moll (Dresdener Fassung) und A-Dur ausgewählt. Die Sonate g-moll ist für mich eines der schönsten Beispiele aus dem Schaffen von S.L. Weiss für die ungeheure Dichte melodischer und harmonischer Einfälle in jedem einzelnen Satz. Hinzu kommt: allerspätestens bei der Bouree war insbesondere auch durch die insgesamt brilliante Umsetzung durch Joachim Held zu merken, dass es trotz aller Stilisierung eigentlich um die Musik für einen Tanz bzw. eine Tanzfolge geht. Dieser Charakter ist bei der Suite in g-moll besonders ausgeprägt. Die Sonate A-Dur, eine technische wie interpretatorische Herausforderung gleichermaßen wie die Sonate g-moll, wartet ebenfalls mit einer Besonderheit auf: die Sarabanda in fis-moll! Der Akkord, mit dem der 2. Takt beginnt, lässt aufhören und Außergewöhnliches erahnen. Und das hat Joachim Held denn auch spielerisch - im doppelten Sinne - umgesetzt!

 

Joachim Held

     

Bernhard Joachim Hagen (1720 – 1787), allem Anschein nach aus Hamburg (oder Bergedorf) stammend, war als Violinist am Bayreuther Hof angestellt (1737 – 1769). Die Quellen sprechen dafür, dass Hagen auch für sein Lautenspiel und die Kompositionen für Laute zu seiner Zeit weit über den Hof hinaus bekannt war. Der Musikwissenschaftler Farstadt beschreibt den Stil Hagens als von der aufkommenden Empfindsamkeit und der beginnenden Sturm-und-Drang-Periode geprägt; anders herum ist es wohl passender: Hagen trug mit seiner Musik zu einer Entwicklung bei! Die Solowerke, das Duo in c-moll und die Kammermusik aus der Feder von Hagen wurden als Faksimile-Ausgaben übrigens vom Gründungsmitglied der DLG e.V., Joachim Domning, herausgegeben. Joachim Held hatte die Sonaten d-moll und Bb-Dur für sein Konzert ausgewählt. Beide Sonaten treten hervor durch ihre musikalischen Einfälle: jeder Satz ein Feuerwerk en miniature! Die Stücke erfordern bei der Umsetzung ein besonders hohes Maß an rhythmischer Präzision, und technisches Vermögen, ohne bei den schwindelerregenden Läufen den Ausdruck zu vernachlässigen! Auch die Stücke von Hagen setzte Joachim Held mit ungeheurer Intensität virtuos um!

Einen winzigen akustischen Wermutstropfen gab es bei diesem Konzert: hartnäckig hatten sich im ersten Teil kleine eingeschleppte Steinchen unter dem rechten Schuh von Joachim Held im Podest festgesetzt. Nachdem Abfegen nichts brachte, halfen dann schließlich zwei Papiertaschentücher.

Der erste Abend klang aus in einem italienischen Restaurant.

 

Rossini

     

 1 - 2 - 3 - 4

 

 

 

 

zurück zum Anfang/back to the top

 

 


©
tabulatura.de