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Freitag,
18.05.2007 |
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Das alte
Giesshaus |
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In einem alten Gießhaus, jetzt
ein durch die Universität genutztes Gebäude mit einer hoch interessanten
Akustik, begann das Internationale Festival der Laute. Herzlich begrüßt
wurde die DLG e.V. mit ihrem Festival von der Universität durch Herrn Dr.
Hagstedt. Für die DLG e.V. übernahm
die Begrüßung Oliver Holzenburg, Cheforganisator
des Festivals und Vorstandsmitglied. In einer kurzen Pause
zwischen den Eröffnungsansprachen und dem ersten Konzert kam ein etwas
älteres Mitglied der DLG e.V. auf mich zu und konnte berichten, als kleines
Kind schon einmal in diesem Gebäude gewesen zu sein. Damals allerdings, um
beim Gießen zuzuschauen! |
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Gabriel
Schebor (Barock-Gitarre) aus Buenos
Aires gab mit seinem
Programm: “Mexikanische und spanische Musik für
Barock-Gitarre” den Auftakt.
Zwei Komponisten standen im Mittelpunkt des
Konzertes: Santiago de Murcia (1685 – 1732) und Francisco Guerau
(1649 – 1722). Die Stücke waren
vornehmlich dem so genannten “Saldivar Codex” entnommen,
ein Manuskript, das 1943 durch Zufall in
einem "Second
hand” Buchladen vom Musikwissenschaftler Gabriel
Saldivar |
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entdeckt wurde.
Dieses Manuscript enthält zahreiche Stücke des aus Spanien
stammenden Gitarristen de Murcia, der die letzten Jahre seines Lebens in Mexiko
verbrachte. Die Stücke sind überwiegend im
gemischten Stil gehalten: die Verbindung zwischen “Rasgueado” und
“Zupfen”. Besonders bemerkenswert am “Saldivar Codex” ist,
dass er Stücke aus der “Alten Welt” - in diesem Falle:
Spanien – und solchen, die in der “Neuen Welt” entstanden sind,
enthält. “Las sombras” ist etwa ein Stück, das aus
einer Oper stammt, die 1701 in Lima/Peru uraufgeführt wurde (“La
púrpura de la rosa” von Tomás de Torrejón y
Velasco). Bei “Las penas” ist noch nicht klar, ob es sich um ein
Stück spanischer oder mexikanischer Herkunft handelt. So
war das Konzert von Gabriel Schebor auf jeden Fall
eine akustische Endeckungsreise: von der “Neuen” zurück in
die “Alte Welt”, die erst vor wenigen Jahren begonnen hat, sich
intensiver dieser Verbindung – etwa über den “Jesuiten-Barock”
- zu nähern.
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Wie
Gabriel Schebor war auch
Ugo
Nastrucci aus Pavia (Italien) zum
zweiten Male zu Gast beim IFL. Hatte er 2005 in Füssen die Musik
für Barockgitarre des italienischen Komponisten F. Corbetta in
den Mittelpunkt seines Referates (mit Musikbeispielen) und seines
Konzertes gestellt,
präsentierte er in Kassel unter
dem Titel “A la Vera Spagnuola”
Beiträge zur musikalischen
Beziehung zwischen
Spanien und Italien,
die sich |
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insbesondere über
ein Instrument begründet: die “Vihuela” in Spanien, in
Italien “Viola da mano” genannt ... oder auch umgekehrt. In
Spanien entwickelt sich dieses vom äußeren
Erscheinungsbild her der Gitarre und nicht der Laute, vier bis 6
Chöre aufweisende Instrument in der zweiten Hälfte des 15.
Jahrhunderts mit einer eigenen Literatur. Das Instrument und seine
Literatur kamen nach Italien über die Städte und Regionen,
die unter politischem Einfluss Spaniens standen. Insbesondere ist
hier Neapel zu nennen. Während der Zeit der Borgia-Päpste
(die römische Adelsfamilie der Borgias stammte aus Spanien)
spielte das Instrument auch eine besondere Rolle in Rom. Es wurde,
anders als in Spanien, dabei neben der Laute kultiviert, war also
kein exklusives Instrument. Es deutet viel
darauf hin, dass die Vihuela
in Spanien eine große Popularität besessen haben muss
und nicht nur ein an den höfischen
Zusammenhang gebundenes Instrument war;
dafür wären Druckauflagen von 1000 bis 1500 Stück
damaliger Editionen viel zu hoch gewesen! Ugo
Nastrucci hatte
ein Programm zusammengestellt, das - neben Lautenklassikern
wie ... - einen sehr guten Eindruck von der
Vielfältigkeit des Repertoires für die Vihuela/Viola
da mano vermittelte. Es war pures
Vergnügen, dem technisch brillianten, sehr ausdrucksstarken
Spiel von Ugo Nastrucci lauschen zu können.
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Trotz
seiner vielfältigen anderweitigen Verpflichtungen (aktuell u.a.
bei der Inszenierung der Händel-Oper „Radamisto“ an der
Hamburger Staatsoper) hatte es Joachim Held,
„Echo“-Preisträger in der Sparte „Solistische Einspielung
des Jahres 2006“, ermöglichen können, wieder einmal beim
IFL zu konzertieren. Sein Konzert wurde vom Hessischen Rundfunk
aufgezeichnet.
Joachim Held ist in und für Kassel kein Unbekannter: im Juli 2006 hat er in
der |
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Murhardschen Bibliothek
zusammen mit dem Sänger Klaus Mertens Kompositionen aus dem
Lautenbuch der Elisabeth von Hessen vorgestellt. Von diesem Konzert
gibt es einen Mitschnitt des Hessischen Rundfunks auf CD.
Für
S.L. Weiss ist für den Beginn seiner Karriere eine Stippvisite
in Kassel belegt: Anfang 1706 kehrte er mit Erbprinz Friedrich von
Hessen-Kassel (späterer König von Schweden) auf dem Wege
von Berlin nach Düsseldorf in Kassel ein. Für das Konzert
hatte Joachim Held die Sonaten g-moll (Dresdener Fassung) und A-Dur
ausgewählt. Die Sonate g-moll ist für mich eines der
schönsten Beispiele aus dem Schaffen von S.L. Weiss für die
ungeheure Dichte melodischer und harmonischer Einfälle in jedem
einzelnen Satz. Hinzu kommt: allerspätestens bei der Bouree war
insbesondere auch durch die insgesamt brilliante Umsetzung durch
Joachim Held zu merken, dass es trotz aller Stilisierung eigentlich
um die Musik für einen Tanz bzw. eine Tanzfolge geht. Dieser
Charakter ist bei der Suite in g-moll besonders ausgeprägt. Die
Sonate A-Dur, eine technische wie interpretatorische Herausforderung
gleichermaßen wie die Sonate g-moll, wartet ebenfalls mit einer
Besonderheit auf: die Sarabanda in fis-moll! Der Akkord, mit dem der
2. Takt beginnt, lässt aufhören und Außergewöhnliches
erahnen. Und das hat Joachim Held denn auch spielerisch - im
doppelten Sinne - umgesetzt! |
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Bernhard
Joachim Hagen (1720 – 1787), allem Anschein nach aus Hamburg (oder
Bergedorf) stammend, war als Violinist am Bayreuther Hof angestellt
(1737 – 1769). Die Quellen sprechen dafür, dass Hagen auch für
sein Lautenspiel und die Kompositionen für Laute zu seiner Zeit
weit über den Hof hinaus bekannt war. Der Musikwissenschaftler
Farstadt beschreibt den Stil Hagens als von der aufkommenden
Empfindsamkeit und der beginnenden Sturm-und-Drang-Periode geprägt;
anders herum ist es wohl passender: Hagen trug mit seiner Musik zu
einer Entwicklung bei! Die Solowerke, das Duo in c-moll und die
Kammermusik aus der Feder von Hagen wurden als Faksimile-Ausgaben
übrigens vom Gründungsmitglied der DLG e.V., Joachim
Domning, herausgegeben. Joachim Held hatte die Sonaten d-moll und
Bb-Dur für sein Konzert ausgewählt. Beide Sonaten treten
hervor durch ihre musikalischen Einfälle: jeder Satz ein
Feuerwerk en miniature! Die Stücke erfordern bei der Umsetzung
ein besonders hohes Maß an rhythmischer Präzision, und
technisches Vermögen, ohne bei den schwindelerregenden Läufen
den Ausdruck zu vernachlässigen! Auch die Stücke von Hagen
setzte Joachim Held mit ungeheurer Intensität virtuos um!
Einen
winzigen akustischen Wermutstropfen gab es bei diesem Konzert:
hartnäckig hatten sich im ersten Teil kleine eingeschleppte
Steinchen unter dem rechten Schuh von Joachim Held im Podest
festgesetzt. Nachdem Abfegen nichts brachte, halfen dann schließlich
zwei Papiertaschentücher.
Der
erste Abend klang aus in einem italienischen Restaurant.
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