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Warum
eigentlich Kassel?
"Die
Lautenisten sind in der Stadt!", so lautete die Ankündigung
in einem Kulturmagazin der Stadt Kassel für das Internationale
Festival der Laute 2007. Im Zeitalter der Renaissance oder des Barock
hätte Aufmerksamkeit wohl eher die Nachricht erhalten: "Keine
Lautenisten mehr in der Stadt!" oder "Sag' mir, wo die
Lauten sind, wo sind sie geblieben?"
Dank
seiner guten freundschaftlichen Beziehungen in der Welt der
Lautenistinnen und Lautenisten war es Oliver Holzenburg,
Festival-Chef-Organisator der DLG e.V. auch 2007 wieder gelungen, ein
farbenfrohes, facettenreiches Feuerwerk rund um die Laute und
Lautenmusik zusammenzustellen. Und ein Feuerwerk muss nicht unbedingt
laut sein, um zu begeistern!
Warum
nun
eigentlich Kassel?
Nicht,
um die Aussage von Matthäus Merian zu überprüfen, wie
es angehen konnte, dass 1643 im Januar „das Wasser also unversehens unnd schnell angeloffen kommen, daß man die Fürsten-Personen,
so gegen dem Wasser herunder im Nassawer-Hoff gewohnet, mit Gerüsten,
zu den Fenstern herauß, hat erretten müssen.“ Oder
zur Überprüfung der Aussage von Zacharias Konrad von
Uffenbach aus dem Jahre 1711: „Von weitem sieht alles sehr gering
aus“. Also: Kassel als umgekehrter Scheinriese? Auch
nicht wegen der Aussage von Joachim Heinrich Campe aus dem Jahre 1785
„In keinem Land so viele hässliche Gesichter gesehen“.
Für
die Lautenistenwelt ist Kassel ein Begriff. Insbesondere über
Landgraf Moritz von Hessen (regierte 1592 – 1627). Landgraf Moritz
förderte die Musik an seinem Hofe und spielte selber mehrere
Instrumente - auch die Laute. Obwohl er sich sehr intensiv darum
bemüht hatte, gelang es Moritz nicht, John Dowland (1563 –
1626), den führenden Lautenkomponisten des elisabethanischen
Zeitalters, dauerhaft zu verpflichten. Musikalische Spuren der
Aufenthalte von John Dowland am Kasseler Hof und den damit
verbundenen Beziehungen finden sich im Lautenbuch der Elisabeth (1596
– 1625), Tochter des Landgrafen Moritz. Anlässlich des
425jährigen Bestehens der Landesbibliothek in Kassel (gründet
von Landgraf Wilhelm IV) ist dieses Lautenbuch als Faksimile-Druck
2005 im Bärenreiter-Verlag in Kassel erschienen. Der Lautenist
Joachim Held hat zahlreiche Stücke aus diesem Kleinod im Jahr
2006 in Kassel im Rahmen eines Konzertes zusammen mit dem Sänger
Klaus Mertens für den Hessischen Rundfunk eingespielt.

Was
vielen Lautenisten mit Schwerpunkt Renaissance John Dowland, ist
Lautenisten mit Schwerpunkt Barock der Komponist und Lautenist
Silvius Leopold Weiss (1687 – 1750): eine Quelle musikalischer
Phantasie und spieltechnische Herausforderung. Für S.L. Weiss
ist eine Stippvisite in Kassel belegt: Anfang 1706 kehrte er mit
Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel (späterer König von
Schweden) auf dem Wege von Berlin nach Düsseldorf in Kassel ein.
Gründe
genug für die DLG, Kassel als Festivalort auszuwählen.
Kooperationspartner waren: der Hessischen Rundfunk, die Universität
Kassel, die Universitätsbibliothek und Murhardschen Bibliothek
sowie das Museum für Sepulkralkultur und die
Tourismusinformation Kassel.
Wenige
Tage vor Beginn des Festivals hatte es noch einmal im Hintergrund der
Vorbereitungen einige Aufregung gegeben: La luth enchantée
mussten ihren Auftritt aufgrund einer nicht vorhersehbaren
Verpflichtung von Anna Kowalska und Anton Birula an der Warschauer
Oper absagen. Nun ist die Population der temporär auch immer
wieder vom Aussterben bedrohten Gattung der Lautenistinnen und
Lautenisten relativ gesehen nicht gerade besonders groß im
Vergleich zu anderen Gattungen der Spezies "MusikerInnen",
aber sie verfügt über gute Kommunikationsstrukturen und
freundschaftliche Beziehungen untereinander. So konnte
praktisch von einem Tag auf den anderen "Pantagruel"
(Hannah Morrison, Dominik Schneider, Mark Wheeler) als Ersatz gewonnen werden;
ein Kunststück, was zuvor auch schon Ugo
Nastrucci für einen ebenfalls ausgefallenen Kollegen
zu vollbringen gehabt hatte.

Das
Treppenhaus im "Stadthotel"- Lautenistische
Herberge für ein Wochenende in Kassel. "DAS"
Wochenende!
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