.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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22.09.2010

 

 

 Interview mit
Mimmo Peruffo
(Aquila Corde)
(2005)
 

 

     Mimmo Peruffo und die paduanische Laute

    Internationales Festival der Laute in Füssen (27. bis 29. Mai 2005). Mimmo Peruffo und ich sitzen zusammen im Kolloquium in der schönen Atmosphäre des Museums der Stadt Füssen, das in den Räumen des ehemaligen Benediktinerklosters von St. Mang untergebracht ist.
    Um uns herum haben die Lautenbauer und die Verleger ihre Stände aufgebaut. Vor uns der Stand mit den Saiten von “Aquila”.

 

 

 

    Michael Treder (MT):

    Lieber Mimmo! Vielen Dank, dass Du mir die Gelegenheiten zu einem Interview im Rahmen des Internationalen gegeben hast. Du hast auch eigene Instrumente aus Italien mitgebracht. Sicherlich bist Du mit Musikinstrumenten aufgewachsen.

     

    Mimmo Peruffo (MP):

    Ja, natürlich. Ich habe mit der klassischen Gitarre angefangen. Rund fünf Jahre lang habe ich sie studiert. Mein Gitarrenlehrer besaß auch eine 7-chörige Laute, die er mir zur Probe für genau 15 Tage zur Verfügung stellte. Als ich das Instrument zurückgeben musste, war ich richtig traurig. Ich hatte die Idee, mir eine Laute ohne spezielles Werkzeug zu bauen! Seinerzeit gab es noch nicht so viel Literatur über Lautenbau wie heutzutage. Daher war ich ziemlich froh, meinen ersten Eigenbau überhaupt fertiggestellt zu haben. Über den Eigenbau schuf ich mir also meine erste Laute. Mit dem Erlernen des Gitarrenspiels hörte ich dann auf und nahm Unterricht im Lautenspiel bei Orlando Cristoforetti in Verona, später dann bei Terrel Stone. Orlando war auch deshalb wichtig für mich, weil er mich in meinem Engagement als Forscher im Bereich der Darmsaiten unterstützt hat. Da ich die Laute aus Passion und Liebe zum Instrument, nicht aber für das Austragen von Wettbewerben erlernte, hörte ich dann irgendwann mit dem Unterricht auf und begann als Chemiker im Gesundheitsbereich zu arbeiten. Nebenher entschloss ich mich zu heiraten und eine Familie zu gründen.

     

    MT:

    Welche Musik spielst Du denn, wenn Du einmal Zeit hast, ein Instrument zur Hand zu nehmen?

     

    MP:

    Nachdem ich mich einige Zeit auch mit Lautenbau beschäftigt hatte, war ich ja in der Lage, verschiedene Instrumententypen zu bauen; so die Barocklaute, Chitarrone und Renaissancelaute. Eigentlich spiele ich, natürlich nur als Hobby, jegliche Musik für diese Instrumente. Besonders liebe ich aber Kapsberger und auf der Barocklaute S.L. Weiss.

     

    MT:

    Ich vermute, es gibt eine Geschichte hinter dem Namen Deiner Firma „Aquila”.

     

    MP:

    Der Name “Aquila” stammt nicht von mir. Luigi Mangiocavallo, der Barockgeiger, hat “Aquila” gegründet und der Firma den Namen gegeben. Ich habe keine Ahnung, warum Luigi diesen Namen ausgesucht hat. Luigi begann mit dem Verkauf von Saiten, die von Saitenmachern in der Nähe von Pescara in Italien produziert wurden. Er war nicht zufrieden mit der Entwicklung des Marktes für Saiten. Schon nach etwa einem Jahr gab er auf, nachdem sich, nicht zum ersten Mal, auch technische Probleme bei der Saitenherstellung ergeben hatten, die unbedingt gelöst werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt widmete ich mich gerade der Frage, wie man Basssaiten “laden” kann. Luigi bat mich, die begonnene Entwicklung von verbesserten Darmsaiten voranzutreiben und zu einem befriedigenden Ergebnis zu bringen sowie in das Geschäft mit einzusteigen. Da es schon mehr als genug an Tüten für die Saiten und auch etwa Briefumschläge mit Aufdrucken von “Aquila” gab, konnte ich diesen Namen, der durchaus bei Kunden in Europa einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte, bei Einstieg in das Geschäft mit übernehmen, ohne einen neuen Namen einführen zu müssen. Einige Jahre habe ich dann mit den Saitenmachern zusammengearbeitet, doch dann trennten sich unsere Wege und ich wurde ein eigenständiger Saitenmacher, der einen herausragenden Lehrer für die Herstellung von Darmsaiten hatte: Arturo Granata. Da er sich ausschließlich seiner zeitraubenden Karriere als Geiger widmen wollte, übergab Luigi mir die Firma „Aquila“ dann letztlich vollständig.

     

    MT:

    Wie viele Beschäftigte hast Du derzeit im Unternehmen?

     

    MP:

    Derzeit sind wir ein Team von fünf Personen: Daniela, meine Partnerin im Geschäft wie im Privaten, Roberta, Irene, Marco - mein Sohn - und ich. Das genügt zum gegenwärtigen Zeitpunkt, da wir uns gut organisiert haben und es zwischen uns allen eine hervorragende Kommunikation gibt. Jeden Morgen beginnen wir die Arbeit mit einem kurzen Austausch an Ideen. Zusammen können wir alle anfallenden Arbeiten abdecken. Gibt es eine deutliche Steigerung der Nachfrage an Saiten für bestimmte Instrumente, wie zum Beispiel derzeit für die Oud und die Ukulele, können wir flexibel darauf reagieren und die Gesamtproduktion darauf einstellen, falls erforderlich.

     

    MT:

    Wie kam es überhaupt dazu, dass Du Saitenmacher wurdest?

     

    MP:

    Das ist eine sehr ungewöhnliche Geschichte. Anfänglich hatte ich überhaupt nichts weiter mit Saiten zu tun. Ich nahm Pyramid-Saiten für meine Laute, wie es wohl seinerzeit alle anderen Lautenisten auch taten. Wie schon berichtet, baute ich meine Instrumente eigenhändig, nicht zuletzt auch um Geld zu sparen. Mein Großvater war Leiter einer Musik-Band und zugleich Instrumentenbauer. Er hat mir so einiges beigebracht. 1982 nahm ich mit Riccardo Brané in Florenz Kontakt auf, der einer der ersten war, die in Italien wieder Lauten nach historischem Vorbild baute. Leider verstarb er plötzlich an Krebs. Ich hatte so keine Gelegenheit mehr, den historischen Lautenbau bei ihm zu erlernen. Doch einige seiner Schüler brachten mir noch eine Menge bei. Ich erinnere mich an den Juli 1983. Wir kamen im Hause von Ricardo bei seiner Witwe zusammen, um das restliche Holz, das er noch auf Lager hatte, zu verkaufen. Ich wurde gefragt, ob ich nicht seine Untersuchungen über Saiten fortführen wolle. Meine Antwort war spontan: “Nein, dafür bin ich nicht der richtige Mann!” Sie gaben wir aber einen unabgeschickten Brief, den Ricardo an einen befreundeten Chemiker verfasst hatte. In dem Brief hatte er die Ergebnisse seiner Forschungen zusammengefasst und die Probleme dargelegt, die ein Chemiker bei praktischen Untersuchungen lösen sollte. Da wurde mir schlagartig klar, dass dieser Brief eindeutig an mich gerichtet war!

     

    Die zentrale Frage stellte sich wie folgt dar: Riccardo hatte die Löcher von Lautenstegen im Bereich der Basssaiten ausgemessen. Dabei hatte er festgestellt, dass, hätte man einfache, vom Durchmesser her zu den Löchern passende Darmsaiten genutzt, alle Basssaiten eine viel zu niedrige Spannung gehabt haben müssen, als dass man sie noch hätte spielen können. Und die Lauten stammten aus einer Zeit, wo umsponnene Saiten noch nicht eingeführt waren (umsponnene Saiten werden erstmals von John Playford im Jahre 1664 erwähnt).

     

    So begann ich mit einigen Experimenten um herauszufinden, wie man Darm schwerer machen, ihn “aufladen” kann. In sechs langen Jahren führte ich weit über tausend Experimente durch. Ich las mich durch Berge an Dokumenten in den Büchereien und Archiven, um historische Hinweise zur Lösung des Problems zu finden, fand aber leider nichts. Letztlich aber, im Jahre 1991, entdeckte ich eine wirksame Methode, um das Darmmaterial für Basssaiten bis zum Doppelten seiner Dichte zu laden. Diese Entdeckung veränderte mein Leben völlig.

     

    MT:

    Mimmo, Du wirst gelegentlich auch als Pionier bei der Wiederentdeckung oder Neuerschaffung verschiedener historischer Saitenmaterialien bezeichnet. Du bist aber auch Entwickler neuen Materials. Würdest Du uns bitte die Geschichte vom “Nylgut” erzählen?

     

    MP:

    Ich erinnere mich an eine Art Traum, den ich einmal gehabt habe: “Mimmo, stell Dir vor, Du hättest die Möglichkeit ein Material zu entwickeln, das die Eigenschaften von Darm und Nylon miteinander verbindet. Fantastisch! Relativ geringe Produktionskosten, gute Haltbarkeit, einfach herzustellen und nicht verbunden mit der Problemen von Nylon beim Klang!” Also begann ich mit einigen Experimenten. Ich wandte mich an ein Unternehmen mit Strangpressen und begann Nylon zu laden, um die Dichte des Darmmaterials zu erreichen. Das ging so etwa zwei Jahre. Nachdem die Experimente nicht zu befriedigenden Ergebnissen geführt hatten, probierte ich es mit verschiedenen Zusammenstellungen der Plastikkomponenten und erhielt so zum Schluss das, was ich als “Nylgut” bezeichne. “Nylgut” hat eine Art Polyester als Ausgangsbasis, gemischt mit anderen wichtigen Zutaten, die sich als hilfreich für die Nutzung des Materials zur Tonerzeugung oder allgemein gesagt musikalischen Zwecken erwiesen haben. Na ja, ganz einfach war diese Arbeit nicht. Ich erinnere insbesondere ein Ereignis im Jahre 1996. Da standen wir kurz vor der Explosion der Strangpresse! Der Schaden wäre so um eine halbe Millionen Euro gewesen. Doch wir hatten ziemlich viel Glück. Und, wie gesagt, am Ende hatten wir dann eben “Nylgut”.

     

    MT:

    Ohne jetzt in zu viele Details zu gehen: worin unterscheidet sich die Herstellung von Darm- und Nylgutsaiten?

     

    MP:

    Um einen nachvollziehbaren Vergleich zu nennen: um gute Darmsaiten herzustellen, braucht es etwa 15 Tage. Die Herstellung von Nylgut hingegen benötigt gerade so viel Zeit, die aufgewendet werden muss, um eine Darmsaite gleichzurichten, also ein paar Sekunden. Bei Darmmaterial musst Du immer auch sorgfältig auf die externen Faktoren wie zum Beispiel das Wetter achten. Wenn das Wetter plötzlich nachts umschlägt, musst Du raus aus den Federn und den Produktionsprozess modifizieren. Dessen ungeachtet: klar ist ja ohnehin, dass Produktionsschritte unter Berücksichtigung des Ausgangsmaterials immer modifiziert werden müssen, um die gleiche Qualität bieten zu können, denn das Ausgangsmaterial, Darm, ist nie identisch. Und das ist eben völlig anders, wenn Nylon- oder Nylgutsaiten hergestellt werden: es müssen nur die richtigen Anteile der Komponenten in der richtigen Art und Weise bei der richtigen Temperatur zusammengemischt werden, nicht mehr. Es bleibt nur noch die Ausrichtung der Saiten auf die gewünschten Maße.

     

    Um einen Eindruck über die moderne Herstellung von Saiten zu bekommen, empfehle ich den Besuch meiner Homepage (http://www.aquilacorde.com). Dort gibt es auch einige Bilder, anhand derer der Prozess nachvollziehbar ist. Auf meiner Homepage ist auch ein sehr guter Artikel über die Saitenherstellung bei “Aqulia” zu finden: “ MANIFATTURA ODIERNA DELLA CORDA IN BUDELLO. Come scieglierla e riconoscere la qualità”. Leider hatte ich noch keine Zeit, diesen Artikel ins Englische zu übersetzen. Bis es soweit ist, empfehle ich den Artikel eines sehr guten Freundes. Dimitry Badiarov hat ihn auf Englisch verfasst: “Good Gut Strings”. Er steht auf seiner Homepage: http://www.violadabraccio.com.

     

    MT:

    Es gibt eine sehr schöne Geschichte über die öffentliche Premiere von Nylgut ...

     

    MP:

    Der erste, der die neuen Saiten ausprobiert hat, war Jakob Lindberg. Er wusste von meinem Projekt und rief mich eines Tages so gegen Ende der Woche an: “ Hallo Mimmo! Bitte sende mir ganz rasch einen Satz der neuen Saiten. Kommenden Montag (also nur ein paar Tage nach dem Anruf!) spiele ich vor dem König und der Königin von Schweden!”

     

    Ich antwortete: “Jacob, Du bist verrückt. Das ist wirklich ein völlig neues Saitenmaterial. Du kannst gar nicht sicher sein, dass sie überhaupt funktionieren. Vielleicht bricht oder reißt das Material sogar! Das muss alles noch richtig getestet werden!”

     

    “Ich glaube an Dich, Mimmo!”, war seine Antwort. Und das war der eigentliche Startschuss für Nylgut.

     

    Es blieb nur noch ein Problem: die Saiten in dieser relativ kurzen Zeit von Italien nach Schweden zu bekommen. Meine eigenwillige aber funktionierende Lösung: sofort zum Flughafen von Venedig, um einen Fluggast nach Stockholm als Kurier zu finden. Wenige Minuten vor Abflug der Maschine sah ich den letzten Passagier sich auf den Weg machen: ein älterer Herr, der mir seriös genug für diese schwierige Mission zu sein schien, die Saiten rechtzeitig zu Jakob zu bringen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als er das kleine Paket nahm und mir in die Hand hinein versprach, es Jakob zu übergeben.

     

    Am Montagmorgen begann ich fast stündlich bei Jacob anzurufen, um zu erfahren, ob die Saiten denn auch wohlbehalten angekommen sind. Die Antwort war stets negativ. Um 14:00 Uhr hörte ich dann schließlich frustriert mit den Telefonaten auf.

     

    Ein paar Tage später rief ich Jacob an, um nun endlich etwas über das Konzert zu erfahren. Seine erste Reaktion am Telefon: “Fantastische Saiten!”. “Von welchen Saiten sprichst Du?”, so meine Frage. “Von Deinen!!!”, rief Jacob – “Du, Du hattest die Nylgut-Saiten?”

     

    Und dann erzählte er mir, dass ein großer, luxuriöser Wagen vor seinem Haus hielt, als er sich gerade auf den Wege zum Konzert machen wollte. Das kleine Paket mit den Saiten wurden ordnungsgemäß übergeben. Unser Kurier von Venedig nach Stockholm war niemand anders gewesen als ... der Präsident von Electrolux! *

     

    MT:

    Wie sehen Deine Pläne für “Aquila” in der näheren Zukunft aus?

     

    MP:

    (Lachen) Da gibt es eine Menge zu tun. Zu allererst einmal zum Beispiel Untersuchungen zu den Basssaiten einer Laute während und nach der Zeit von S.L. Weiss. Bis jetzt wissen wir nichts über diese Saiten. Aber es gibt eine Reihe viel versprechender Dokumente. Ich habe gerade neue Basssaiten entwickelt, die übrigens auch sehr gut auf den deutschen Barocklauten ansprechen. Zweitens gilt es die Saiten der spanischen Vihuela da Mano zu erforschen. Da bin ich übrigens nicht vollständig überzeugt, dass die Basssaiten unisono zusammengestellt waren. Und drittens: der Bereich der Gitarre des 19ten Jahrhunderts, die Romatische Gitarre. Die Spannung der Saiten war sehr hoch, vergleichbar der modernen Gitarre. Es gibt Dokumente aus denen hervorgeht, dass Violinsaiten für die Romantische Gitarre benutzt wurden. So bei Sor, Carulli, Aguado und anderen, um nur einige Beispiele zu nennen.

     

    Ich mag meine Arbeit sehr, denn jeden Tag gibt es neue Fragen und zu lösende Probleme. Doch manchmal sind 13 Stunden Arbeit am Tag dann doch etwas zu viel ... für einen Italiener. Das ist natürlich kein wirkliches Problem, denn der Erfolg der Arbeit ist greifbar ebenso wie die Rückkoppelungen durch die Kunden. So sind wir zum Beispiel stolz darauf, dass die “Guarneri del Gesù” von Paganini mit Saiten von “Aquila” bezogen ist.

     

    Mein wirkliches Problem ist es, jemanden zu finden, der irgendwann einmal meine Arbeit fortführen wird. Es gibt nur 4 oder 5 Saitenmacher auf diesem Globus; und das ist nicht genug angesichts der Nachfrage. Ohne Saiten gibt es keinen Klang, nichts, aber auch gar nichts! Die Saitenmacherei ist ein interessanter Beruf. Man lernt viele interessante Leute rund um die Welt kennen. Und es geht um kreative Prozesse. Manchmal kommen Leute mit seltsamen oder seltenen Instrumenten zu uns, die eine neue Besaitung benötigen. Sie bitten mich, Saiten für dieses besondere Instrument zu entwerfen und zu fertigen. In diesem Prozess, geeignete Saiten für eben dieses eine besondere Instrument herzustellen, frage ich mich laufend, für welches Instrument diese Saiten sonst noch verwendet werden könnten und probiere es natürlich auch aus. Schau, das Instrument ist das Haus für den Klang, die Saiten sind die Seele. Ich lade hiermit herzlich interessierte junge Menschen zu mir ein, um ihnen die Saitenherstellung näher zu bringen. In der Vergangenheit wurde die Arbeit der Saitenmacher oft mit Geheimnissen belegt. Das sollte meiner Meinung nach aber jetzt vorbei sein. Es ist höchste Zeit, unsere Arbeit öffentlich zu zeigen. Das wird der Musik nur förderlich sein.

     

    MT:

    Heutzutage Nylgut für die Laute zu benutzen, kann auch als Versuch gesehen werden, wie ich es einmal las, die “wahre Stimme” eines Instruments zu hören. Ist diese Erwartung nicht illusionär?

     

    MP:

    Die “wahre Stimme” einer Laute ist schwer zu definieren. Was wir bei “Aquila” versuchen, ist die Rekonstruktion von Saiten und Besaitung der Vergangenheit, denn Saiten und Besaitung sind außerordentlich wichtig für den Klang. Das war in der Vergangenheit so und gilt auch heute noch. Stell Dir zwei gerahmte Fenster direkt nebeneinander vor. Das eine enthält alle Facetten der Farbe Rot, in diesem Vergleich gleichbedeutend mit allen nur denkbaren originalen Klängen historischer Lauten. Das andere Fenster enthält alle Facetten der Farbe Gelb, gleichbedeutend mit dem Klang, den wir heute bei Lauten erzeugen können. Wenn Du die Rahmen von den Fenstern nimmst, wirst Du einen Bereich sehen, wo sich die Farb-Facetten überschneiden. Und das ist der Bereich, an dem ich mit meinen Saiten arbeite, um ihn zu vergrößern. Unsere modernen Lautensaiten sind noch zu weit entfernt vom historischen Klang: Nylonsaiten sind nicht so brilliant wie Darmsaiten; unsere umwundenen Saiten klingen sehr stark und sind sehr reich an Obertönen. Das, was wir heute an Klang erzeugen, haben die alten Lautenspieler ihrerzeit nie gekannt.

     

    Ich bin übrigens stolz, sowohl Saitenmacher als auch Forscher zu sein. Es ist für uns äußerst wichtig, all die Dokumente über Saitenherstellung und Saitenqualität zu entdecken, die gewiss noch irgendwo verborgen in Büchereien, Archiven oder sonst irgendwo vor sich hin schlummern. Wir sind erst am Anfang! Unser Ziel sollte aber immer die Imitation der menschlichen Stimme sein!

     

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    * = Die Marke Electrolux ist Teil der Electrolux-Gruppe. Die Electrolux-Gruppe ist der weltweit größte Hersteller von gas- und strombetriebenen Geräten für die Küche, zum Reinigen und für Frost und Garten.

 (Das Interview erschien im Lauten-Info 3/2005 der Deutschen Lautengesellschaft e.V., hrsg. von Joachim Luedtke)

 

 

 

 

 

 

 

 

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