Schon
vor mehr als einem Jahr stand beim Lautenspielertreffen
in Bremen (Ausrichter: Mathias Rösel) die Frage
im Raum: "Warum nicht eigentlich einmal in
Hamburg; natürlich nicht als Konkurrenz zu Bremen, vielmehr
als kleine Ergänzung!"
Auch beim Treffen in Cottbus 2006 wurde die Frage diskutiert,
schon erste Zusagen getroffen: "Sagt rechtzeitig
Bescheid, ich komme/wir kommen!"
Die
überaus dankenswerte Initiative haben dann Ursula
von den Driesch und Werner Bogula ergriffen mit
ihrer Einladung zum "Ersten Alte Musik-Treffen
in Hamburg" (St. Markus Gemeinde, Hoheluft); Thema:
Spanien. "Buenos días, vihuelistas,
laúdistas, flautistas y vocalistas", hieß
es in der Einladung, womit von vornherein klar war,
dass es sich nicht ausschließlich um ein LautenspielerInnen-Treffen
handeln sollte. |
Die ursprüngliche thematische Vorgabe
"spanische Renaissance" wurde nach den ersten
e-mail-Wechseln Interessierter erweitert um die Barockzeit
- in der Praxis ging es dann allerdings auf der Zeitachse
in einem besonderen Fall in die andere Richtung!
Ursula und Werner hatten auch (für Hamburg
gesehen) ein kleines Angebot relativ günstiger
Unterkünfte für Auswärtige entdecken
können. Daneben wurden auch Übernachtungsmöglichkeiten
von Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Hamburg und
Umgebung gemeldet und gern angenommen. Albert
Reyerman (TREE-Edition) stellte ("Damit wir `mal
so eine gemeinsame Ausgangsbasis haben ...") eine
kleine Sammlung an Solostücken, Duetten und begleiteten
Liedern aus Spanien (mit Schwerpunkt Renaissance) aus
seinen Publikationen zur Verfügung, ich ergänzte
mit mehrstimmigen Sätzen für kleine Ensembles.
Von Nachricht zu Nachricht in Vorbereitung des
Treffens wurde der e-mail-Verteiler umfangreicher. Fast
zum Schluss meldete sich dann auch noch Rainer Luckhardt
(Seicentomusic) an, der just um diese Tage herum in
Bremen bei Ivo Magherini sein neu gefertigtes "Läutchen
in D" abholen wollte.

"Na, ich hab´gedacht, da kommen so 5,
6 Leutchen. Und dann gehen wir am Abend bei unserem
Stamm-Spanier ein paar schöne Tapas essen"
- Werner und Ursula kamen wohl doch leicht ins Schwitzen,
nachdem letztlich 21 Personen auf der Liste standen:
Christian Andrae, Ulf Dressler, Imma Einsingbach, Marion
Fermé (Premiere: als Sängerin!), Gisela
Helms, Udo Hofschneider, Silke Jantsch, Alexander Löwe,
Rainer Luckhardt, Wolfgang Meyer, Antje Pfeiffer, Albert
Reyerman (Premiere: bei den "Cantigas" an
den Jacobsmuscheln), Mathias Rösel, Klaus Seegers,
Martin Struve, Heike und Carsten Timpe, Christine Tsolodimos,
Wolfgang Wiehe, die beiden und meine Wenigkeit! |
Nur gut, dass es im Gemeindehaus ausreichend
Räume gab und die Gemeindeverwaltung von St. Markus
sehr flexibel auf die raumgreifenden, wachsenden Ansprüche
reagierte - hilfreiche Hände der Gemeinde stellten
dann auch für die Besucherinnen und Besucher des
Konzertes noch heiße und kalte Getränke bereit!
Zu 09:00 Uhr war das Eintreffen in der St. Markus-Gemeinde
angesagt. Einige Teilnehmer hatten diesen Zeitpunkt
als absolut gesetzt angesehen, die Gastgeber aber waren
wohl selbstverständlich von einem flexiblen "c.t."
ausgegangen - befinden sich doch Teile des Universitätsgeländes
in relativer Nähe zur Gemeinde.

Es gab: taktische Anweisungen der Gastgeber ...

(Ein erster Platzverweis? Ursula und Werner)
... viel Musik in immer neuen personellen und stimmlichen
Konstellationen sowie Instrumentenzusammenstellungen
(Flöten, Lauten, Vihuelen, Gitarren, Trommeln,
Muscheln ...);
... viel selbst gemachten Kuchen (Dank
nochmals an alle BäckerInnen); intensive Gespräche
über Musik und Institutionen/Verbände;

... einen chinesischen Mittagstisch ohne anschließende
lange Pause, sondern gleich wieder "Arbeit";
die Zusammenstellung eines Programms für das Werkstattkonzert;
die eine oder andere Blödelei und dann einen kulinarisch
runden, feucht-fröhlichen (im Spektrum von Selter,
Schorle, Bier und spanischem Wein) Ausklang des Tages
im "Tercio" (Epperndorfer Weg 164). Die Wirtschaft
hatte die für uns reservierten Tische gekonnt dekoriert,
so dass wir mit Fug und Recht sagen können, wir
hätten auf Rosenblättern gebettet gespeist.

Nur über eine Tätigkeit nach Auflösung
der offiziellen Runde im "Tercio" gibt es
auch einen greifbaren Beleg: Ursula und Werner schrieben
und vervielfältigten noch das Programm für
das Werkstattkonzert.
|
Am Sonntag ging es dann ab 11:00 Uhr (also
nach dem Gottestdienst) mit dem Üben im Gemeindehaus
weiter. Udo Hofschneider hatte es tags zuvor noch
verstanden, für ein Musizieren in größerer
Gruppe zu werben; in vielfältiger Instrumentenbesetzung
bei Einsatz auch der Stimme. Rein zufällig hatte
er natürlich wieder seine Mittelalter-Laute dabei,
erzählte von seinem Kurs zu Liedern auf dem Jacobsweg
und hatte ebenso zufällig ein paar Kopien von zwei
"Cantigas" zur Hand, die den Cottbus-Teilnehmern
nicht ganz unbekannt vorkamen. Mutig fand sich
eine größere Gruppe zusammen, die zwei
Zeitvorgaben fest vor Augen: 13:00 Uhr Generalprobe,
15:00 Uhr Werkstattkonzert. Der Rest zog sich zu
kontemplativen Übungen oder Haltungen zurück.
Die Generalprobe hatte es in vielerlei
Hinsicht in sich: das selbst gesetzte Ziel von 60 Minuten
wurde deutlich verfehlt, da wir bei ca. 85 Minuten landeten;
einige Stücke klappten ganz hervorragend, andere
so, dass selbst anfangs wohlwollendes Lächeln gefror.
Hinzu kamen technische Probleme von denen der "Marilyn-Effekt"
der originellste war: als Ursula sich zum chorischen
Gesang mit langem Rock im Altarraum aufbaute, sprang
das Heizungsgebläse an ... die weiteren Ereignisse
dürfen als hinlänglich bekannt unterstellt
werden. Kurz nach 15:00 Uhr. Die Kopfzahl des
überschlägig betrachteten Publikums schien
doch größer zu sein als die Zahl der Akteure!
Nach einer kurzen Anmoderation durch Werner führte
dann Rainer routiniert durch das Programm.
Zu
hören (und zu sehen) gab es:
Cantigas de Santa Maria Alfonso el Sabio (1223-1284) und
O virgo splendens

La vita fugge und Por asperos caminos

Lo Spagnoletto 
2 Ricercari, Felici occhi miei

Ay Linda amiga und Mas vale trocar
Sonate e-moll von G.B. Granata
Ysabel

Beatriz, cómo es possible? Und ein Paar Takte
von "O, desdichado de mi"
(Hier war der Fotograph selber an
den Saiten tätig!)
Con qué la lavaré

Paseábase el rey moro und Argimina nombre
le dio 
Credo de Mille regrets

Si la noche und El baxel

Ay de le noble vile de Pris 
Dos estrellas le siguen und Din di rin din


Einige Darbietungen lagen weit über
dem Niveau eines bloßen Werkstattkonzertes und
waren rundherum gelungen. Bei einigen Stücken,
die bei der Generalprobe nicht so recht hatten klappen
wollen, lief es nun beim Konzert wie oder fast wie am
Schnürchen. Es gab aber auch den umgekehrten Fall.
So gelang es mir nicht, das kleine Lautenensemble nach
"Beatriz... " noch durch ein zweites, rhythmisch
ebenfalls sehr anspruchsvolles Stück zu führen.
Vielleicht war ich auch einfach zu pingelig ...
Applaus gab es durchgängig; und das tat uns
allen gut! Insgesamt dauerte das Konzert dann etwas
über 1,5 Stunden und war insgesamt wie in den überwiegenden
Teilen Premiere.
Was ich dann noch an Reaktionen aus dem Publikum bei
den Nachgesprächen mitbekam, war durchweg positiv.
Ganz offenkundig war es uns auch gelungen, unsere Freude
an der Musik und unseren Spaß am gemeinsamen Musizieren
"über die Rampe" zu bringen.
Beim abschließenden Kaffeetrinken gab es zwar
nur noch wenige Kuchenstücke (der Kuchen hatte
das Mittagessen ersetzt, für das es keine Zeit
gegeben hatte), dafür aber noch ein paar Instrumente
von Kai Schupp (Lautenbauer in Hamburg-Altona) zum Ausprobieren
und einen übereinstimmenden Wunsch an Ursula und
Werner: "Das war so toll, das muss eine Fortsetzung
finden!" In diesem Sinne: bis zum
2. Alte Musik-Treffen in Hamburg!
|

|
|
|