Das
Pendant der Sonate/Suite Nr. 5 Bb-Dur („du prince
de lobkowitz“) des MS Vienna V1078 (Nationalbibliothek
Wien) findet sich im Abschnitt der von Hueber in
eigener Hand notierten Manuskriptseiten des sogenannten
MS „Göess-Hueber“ auf den Folien 11v ff. Ein
Hinweis auf den Komponisten fehlt – wie auch bei
den übrigen Stücken – in der Fassung des
MS „Goess-Hueber“. Beide Fassungen unterscheiden
sich formal insofern voreinander, als in der Fassung
des MS Vienna V1078 das Menuet (1) vor der Allemande
steht. Übersicht
der Satzfolgen Sonate Nr. 5 Bb-Dur
(du prince de lobkowitz)
Wie auch bei den anderen
in beiden Manuskripten enthaltenen Sonaten/Suiten
gibt es auch hier eine Reihe von Unterschieden bei
den notierten Ornamenten. Und: bei der Fassung MS
Göess-Hueber werden die Angaben für den
Parallelanschlag im Bass (Daumen) sorgfältig
ausgewiesen, fehlen aber in der Fassung Vienna V1078
völlig.
Eine Auswahl bemerkenswerter
Unterschiede im Einzelnen (Darstellungsablauf nach
Anordnung der Tänze/Sätze wie in Fassung
Vienna V1078)
Im oberen System ist jeweils
die Fassung MS Vienna V1078, im unteren die Fassung
MS Göess-Hueber abgebildet.
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Menuet (1) |
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An diesem Menuet
lässt sich ein immer wieder auftauchender
Unterschied zwischen den Stücken
der Fassungen MS Vienna V1078 und MS
Göess-Hueber gut belegen: die Anlage
von Bindungen.
Exemplarisch
sei aufgeführt der Takt 06. |
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Besonders markant
bei diesem Menuet ist auch die Akzentsetzung
durch Akkorde in der Fassung Göess-Hueber.
Die beiden relevanten
Takte:
Takt 2-8
Takt 2-16 |
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Allemande |
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Takt 2-2:
Die zweite Hälfte des Taktes ist
in der Fassung MS Vienna V1078 rhythmisch
wesentlich stärker differenziert.
Eine solche Differenzierung wäre
– vergleicht man die anderen Sonaten/Suiten
des Vergleiches – eher in der Göess-Hueber-Fassung
zu erwarten gewesen.
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Takt 2-7:
Das „B“ auf den ersten Schlag eine Oktave
tiefer – also gedacht für eine
13-chörige Barocklaute -, würde
in der Fassung Vienna V1078 eine konsequent
aufwärts steigende Basslinie auszumachen
sein.
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Und so, zumindest
meinem Empfinden nach, ist diese Linie
auch richtig gesetzt, fällt sie
doch in der Fassung Vienna V1078 im
nächsten Takt dann auch wieder
(Takt 2-8). Hier ist die Göess-Hueber-Fassung
eindeutig gefälliger, aber eben
auch konventioneller. |
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Courante |
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Takt 2-9:
Eine Abweichung in der Melodieführung.)
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Das „f“ auf dem
dritten Schlag der Fassung Vienna V1078
dürfte gegenüber der Göess-Hueber-Fassung
mit „d“ eindeutig als falsch zu bezeichnen
sein.
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Bourée |
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Takt 1 und Takt
2: Sie sind beide in unmittelbarem
Zusammenhang zu sehen. In der Fassung
Göess-Hueber ist bereits auf dem
zweiten Schlage des ersten Taktes ein
weiterer Akkord zu verzeichnen. In der
Fassung Vienna V1078 wird der nächste
Akkord erst auf dem letzten Schlag des
zweiten Taktes ausgebracht, nicht so
bei der Fassung Göess-Hueber.
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Menuet (2) |
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Takt 02:
In der Fassung Göess-Hueber wird
auf dem dritten Schlag die Melodienote
„g“ im Bass oktaviert. In der Fassung
Vienna V1078 hingegen wird im Bass wieder
das „B“ aufgegriffen.
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