
|
|
Herkunft |

|
|
Das Manuskript:
Dokument in vielfacher Hinsicht |

|
|
Umfang des
Lautenbuches |

|
|
Die Widmung |

|
|
Die Hinweise
zur Stimmung der Laute |

|
|
Zum Inhalt
des Manuskriptes |

|
|
Ein Motivationsbuch
- ein Übungsbuch - ein musikalisches Tagebuch |
|

|
|
Herkunft Das Manuskript
"Göess-Hueber" gehört zur Sammlung
von Musik-Handschriften des 17. und 18. Jahrhunderts
aus dem Besitz der österreichischen Adelsfamilie
Goess auf Schloss Ebenthal. Es wurde als Faksimiledruck
im Rahmen einer Gesamtausgabe aller lautenbezogenen
Manuskripte der Sammlung herausgegeben in der
TREE-Edition ( 1 ). :
Die Geschichte
der Entdeckung der Musik-Manuskripte im Besitz der
Familie Göess ist dem Vorwort aller in
der TREE-Edition veröffentlichten Bände
zu entnehmen. Albert Reyerman, dem Herausgeber,
sei an dieser Stelle aber ganz besonders gedankt
für das Einverständnis zum Abdruck von
Auszügen im Rahmen dieser Abhandlung.
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|

|
|
Das Manuskript:
Dokument in vielfacher Hinsicht Die Manuskripte
der Göess-Sammlung sind viel mehr als lediglich
Sammlungs- dokumente einer den seinerzeit üblichen
Gepflogenheiten entsprechend musikalisch interessierten
Adelsfamilie: die Manuskripte sind zum Teil von
eigener Hand der Familienmitglieder gefertigt und
geben von daher einen Einblick in persönliche
musikalische Vorlieben, Beziehungen, aber auch in
gewisse Schwächen oder Stärken ...
Das MS Göess-Hueber ist dafür ein besonders
gutes Beispiel.
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|

|
|
Umfang des
Lautenbuches Das Manuskript umfasst 128 Folien, von
denen einige wenige leer sind. Je nach Zählweise
enthält das MS 143 bzw. 141 Stücke. Zur
Erläuterung: es gibt die Dop- pelung des Anfanges
eines "Capricios" (Folie 53v) aufgrund
eines Kopierfehlers in der Hand von Maria-Anna.
Zu den fehlerhaften Takten, die dann neu notiert
wurden, heißt es "gilt nichts"
(
2 )
.
' Bei den von Hueber notierten Stücken
kommt es in der vierten Sonate/Suite zu der Doppelung
eines Menuetes. Es findet sich zum einen auf
Folie 19 (nach der Fantasie), dann aber noch einmal
auf Folie 20v nach der Gigue.
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|

|
|
Die Widmung Angelegt bzw.
begonnen wurde die Sammlung des so genannten "Göess-Hueber"
von Antoni Joseph Hueber, dem Lautenlehrer der Maxmilliana,
Reichsgräfin von Goess. Es wurde 1740 begonnen,
zu einem Zeitpunkt also, als die Schülerin
(geb. 1725, gestorben 1755) 15 Jahre alt war. Ein
Hinweis auf den Zeitpunkt des Abschlusses der Sammlung
ist nicht nachweisbar.
Die einleitende
Widmung des Manuskriptes von der Hueberschen Hand
lautet:
"Lauten
Puech vor die Hoch und Wohl gebohrne Reichs
graffin Maxmilliana von Goeß, welches
durch mich Antoni Joseph
Hueber als hoch deroselben Lehrnmaister im Jahr
1740 geschriben worden"
Von
Hueber ist - zumindest mir - nicht mehr bekannt,
als dass er der Lautenlehrer von Maximilliana von
Göess war. Wie lange er diese Tätigkeit
ausgeübt hat, lässt sich aus dem Manuskript
nicht erschließen. Nach den von ihm aufgezeichneten
Stücken taucht seine Handschrift im Manuskript
nicht wieder auf; auch nicht, um Korrekturen anzubringen,
derer es vieler bedurft hätte.
Ob die
von ihm notierten Stücke - sie machen etwa
ein Drittel der Stücke des Manuskriptes aus
- überhaupt im Unterricht eine Rolle gespielt
haben (außer dass sie von ihm vorgespielt
wurden), ist zu bezweifeln, wenn
a) unterstellt
wird, dass es sich um den Unterricht für eine
Anfängerin gehandelt hat,
b) als
Beurteilungsmaßstab der überwiegende
Teil der weiteren, nicht vom ihm notierten Stücke
des Manuskriptes herangezogen wird: diese setzen
wesentlich weniger spielerisches Vermögen voraus.
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|

|
|
Die Hinweise
zur Stimmung der Laute Auf der Folie 2 des Manuskriptes sind
in drei Handschriften Hinweise zur Stimmung der
Laute notiert. Neben der d-moll-Grundstimmung (in
der Handschrift von Hueber) gibt es Hinweise zur
Stimmung in D-, B(b)- und A-Dur (wohl in der Handschrift
von Maria-Anna, der Mutter von Maximilliana). Maximilliana
hat sich zur Stimmweise der Laute auf dieser Seite
als Kommentar zur Tabulaturnotierung vermerkt:
"Zu
der fölligen Lauten zu stimmen erstlich nimbt
man die höchste Saite wie folgt" (Diskant)
und
(Bass) "Der
Bass ist allezeit um ein octav tiefer".
Die Angaben
zur Stimmung der Laute beziehen sich auf ein 11-chöriges
Instrument. Die Tabulaturen des Manuskriptes enthalten
aber auch Stücke für ein 13-chöriges
Instrument. Überwiegend sind die Stücke
allerdings für die 11-chörige Barocklaute
angelegt.
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|

|
|
Zum Inhalt
des Manuskriptes Die ersten 42 Stücke (bzw. 43, da
ein Menuett zweimal auftaucht) des MS sind wohl
von Hueber kopiert worden (Folien 2v - 32). Diese
Stücke bilden sechs Suiten. Ihnen folgen, auch
in der Handschrift von Hueber, zwei Stücke,
Arien, die offenkundig (lange Pausen verzeichnet)
jeweils den Lautenpart eines Ensemblestückes
(Begleitung zu einer Arie) darstellen. Die ersten
vier der sechs Suiten sind Fassungen der auch im
MS Wien V1078 enthaltenen Sonaten/Suiten von Graf
Pergen und Prinz Lobkowitz (siehe Konkordanzen ). Ein Hinweis
zu den Komponisten gibt es aus der Hand von Hueber
nicht, ebenso fehlen auch bei allen anderen Stücken
des MS die Angaben zum Komponisten, was die Identifizierung
der Stücke nicht erleichtert.
Im Registerband
der TREE-Edition zur Goess-Sammlung heißt
es im Überblick:
"Die
ersten 41 Stücke des Ms., die insgesamt sechs
Suiten bilden, sind wohl von Hueber kopiert. Vier
dieser Suiten sind identisch mit Werken von J.F.W
Rgrf. von Pergen (drei) und Philipp Hyacinth Fürst
von Lobkowitz (eine), die in der Handschrift Suppl.Mus
1078 der Österreichischen Nationalbibliothek
überliefert sind. Eine weitere Suite (ff 47v
- 51v) stammt von Pichler."
Diese
Beschreibung ist nicht ganz präzise und sollte
in einer weiteren Auflage korrigiert werden. Zum
einen sind auch zwei Stücke in der Handschrift
von Hueber notiert, bei denen es sich jeweils wohl
um die Lautenstimme von Ensemblestücken - "Arien"
- handeln dürfte. Zum anderen halte ich es
als das Ergebnis von systematischen Vergleichen
nicht für korrekt, undifferenziert von einer
"Identität" der Stücke von Graf
Bergen und Prinz Lobkowitz in den beiden Manuskripten
zu sprechen. Beispiele für diese Hypothese
sind in der Darstellung zu den Konkordanzen zu finden.
Im Registerband
der TREE-Edition zur Goess-Sammlung heißt
es auch:
"Nach
den ersten sechs Suiten erscheint eine andere Schrift,
und diese bleibt auch für die restlichen 102
Stücke. Diese Schrift scheint die der jungen
Maximiliana gewesen zu sein, denn es gibt zahlreiche
Unaufmerksamkeiten und Fehler in der Tabulatur und
auch der musikalische Stil ist nun ein anderer (vielleicht
der von Hueber?)."
Auch hier
scheint bei einer Neuauflage die Ausbringung von
Korrekturen hinsichtlich der Anzahl der Handschriften
geboten. Siehe dazu die Ausführungen auf der
Seite Handschriften .
Als vorläufige
Einschätzung teile ich auch nicht die im Registerband
veröffentlichte Ansicht, was nach den Kopien
der Stücke von Bergen und Lobkowitz folgt,
sei wohl eher das, was vielleicht dem musikalischen
Stile Huebers entsprach. Im Gegenteil: dies scheint
mir vollständig Abbild und Teil der musikalischen
Lebenswelt der Familie Göess und ihres Umfeldes
zu sein mit dem Schwerpunkt der Wahrnehmung von
und Widmung für Maximilliana!
Überaus
spärlich sind im gesamten Manuskript technische
Hinweise zur Ausführung: Anweisungen für
die Griffe der linken Hand gibt es nicht, Anweisungen
für die rechte Hand sind äußerst
selten. Um ein "Lern- oder Lehrbuch" im
heutigen Sinne handelt es sich beim Göess-Hueber
also nicht.
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|

|
|
Ein Motivationsbuch
- ein Übungsbuch - ein musikalisches Tagebuch Insgesamt ist
der Eindruck nicht von der Hand zu weisen, dass
Hueber das MS für seine Schülerin als
"Motivationseinstieg" angelegt hat: zuerst
einige aktuelle "Hits" adliger Dilettanten
(im damaligen Sinne!), also von Non-Professionals
aus der eigenen sozialen Gruppe, als "Zielvorgabe",
dann wohl Blancoseiten, die mit der Zeit von anderen
Personen gefüllt worden sind. Dass der Lehrer
Hueber seiner Schülerin die Stücke auch
vorgespielt hat, darf - ausgehend von der heutigen
Unterrichtspraxis - positiv unterstellt werden.
Vergleicht man das, was ich als "Zielvorgabe"
charakterisiert habe (die von Hueber notierten Stücke),
mit dem, was dann folgt, sind Zweifel angebracht,
ob Maximilliana die beispielgebende "Zielvorgabe"
jemals erreicht hat; weder als Kopistin, Lautenistin
noch als Komponistin, unterstellt, einige der Stücke
sind Kompositionsübungen von ihr.
Ein Übungsbuch
ist das Manuskript allemal - für Maximilliana
wohl in mehrfacher Hinsicht: Tabulatur schreiben,
diese spielen, aus dem Gedächtnis Gehörtes
notieren, von anderen Notiertes spielen.
Ein musikalisches
Tagebuch - oder Erinnerungsbuch - vielleicht auch
in dem Sinne, dass Gehörtes fixiert wurde (wenn
eben auch mit eigenen Ergänzung, wo das Gedächtnis
nicht ausreichte) und andere Personen - wie in einem
Poesiealbum - Stücke eingetragen haben.
Bemerkenswert,
dass jeglicher Hinweis auf die Komponisten fehlt.
Spielte es keine Rolle, wer der Komponist war? Dagegen
sprechen dem Grunde nach die entsprechenden Angaben
in anderen Manuskripten oder die Auslobungen von
Händlern (3) . ! Oder brauchten die Komponisten in diesem
Manuskript nicht notiert zu werden, weil für
Maximilliana und ihr Umfeld klar war, von wem die
Stücke stammten?
zurück zum
Anfang/back to the top |
|
|
|
|
|

|
|
|
|
|
|
(1) The Ebenthal Tablature Mss.:
Pieces for the Lute, GÖESS HUEBER (1740); TREE
EDITION (Albert Reyerman), 1997. Herzlichen Dank
an Albert Reyerman - TREE EDITION -, der aus seinem
persönlichen Archiv die Fotos von Maximilliana
zur Verfügung gestellt und die Wiedergabe von
Auszügen aus dem Faksimiledruck gestattet hat.
zurück
zum TEXT
(2)
Es ist bemerkenswert,
dass es hierzu im Katalog der Musikalienhandlung
Saul B. Groen (Amsterdam) in der Inhaltsübersicht
zum MS Göess-Hueber heißt, es handele
sich um das Capricio "gilt nichts", das
in der Übersicht Pichler zugeschrieben wird.
Hier wird aus dem Korrekturhinweis der Name eines
Stückes! zurück zum TEXT
(3) Hannelore
Gericke zitiert in ihrer Dissertation "Der
Wiener Musikalienhandel von 1700 - 1778" (Graz
- Köln 1960) eine Anzeige aus dem "Wienerischen
Diarium" Nr. 5 von 1731:
"NB. Nachfolgender
Musikalischer Sachen halber hat sich ein kaufender
Liebhaber bey dem Verleger des Wieneris. Diarii
(v. Ghelen) zu erkundigen: ...".
Es folgt eine Aufzählung
von 100 Angeboten. Neben Ensemblestücken mit
der Laute als erstgenanntem Instrument von den Komponisten
Pichler, Werner, Gio. Zamboni, Strahl, Corelli und
Heinichen werden auch zahlreiche Tabulaturen von
S.L. Weiss angeboten mit den Hinweisen "Liuto,
Violoino e Basso", "Concerto a due Liuto",
"verschiedene Lauten-Stuck“", aber auch:
"Sinfonia con due Liuti, Violino I, Flauto
trav., e Basso" etc. zurück zum TEXT |
|
|