.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



Introduction


Tablature systems


Guitar tablatures


Lute tablatures


MS Göess-Hueber


Midi files


Links


"Dütt und Datt"

 

Site map

Visitors


Contact



Last update: 


 

22.10.2006

 

 

1. Lautenspielertreffen in Cottbus
14.10.2006


Und da gab es dann unerwartet einen weiteren Lichtblick in diesem unvergleichlichen Herbst: Wolfgang Wiehe lud zum 1. Cottbusser Lautenspielertreffen ein, das am 14.10.2006 stattfinden sollte und auch stattfand.
 

Das Bremer Lautentreffen von Mathias Rösel ist fest etabliert. Im Süden hatte Harald Schönenborn einen ersten Anlauf in Limburg genommen, dann verschlug es ihn von dort an einen anderen pädagogischen Wirkungskreis. Etwas überraschend - aber sehr willkommen - nun die Einladung von Wolfgang Wiehe nach Cottbus: ehemaliges „Zentrum der Braunkohleindustrie“ (viel Tagebau), Spreewald in der Nähe, Sorben, ein Postkutscher zum Zungenbrechen und weit und breit nur ein Lautenspieler.

 

Die Teilnehmer

 

Der Einladung folgten: Werner Bogula (Hamburg; Renaissancelaute), Mathias Rösel (Bremen; Arciliuto, Schwanenhalsbarocklaute), Lothar Wilfling (Berlin; Renaissancelaute), Udo Hofschneider (Berlin; Renaissancelaute, Mittelalterlaute), Wolfgang Meyer (Bischofswerda; Renaissancelaute, Schwanenhalsbarocklaute und weitere Instrumente, die aber nicht zum Einsatz kamen) und ich (Hamburg; ausnahmsweise Renaissancelaute). Wolfgang Wiehe selbst spielt auch auf der Renaissancelaute. Absagen mussten leider Klaus Beirich (Radebeul), Beate Dittmann und kurzfristig Alexander Löwe (beide aus Berlin).

Mathias und Michael beim Fruehstueck
Mathias und Michael beim Frühstück im
Jugendgästehaus: fachsimpelnd ...


Fachsimpelei am ersten Abend .. .
und am Morgen danach ...

 

Werner, Mathias und ich waren schon am Freitag auf getrennten Wegen angereist, hatten unsere Unterkunft im Jugendgästehaus von Cottbus gefunden (Kein Gelächter dort bitte im Hintergrund! Immerhin ist das Gebäude in die alte Stadtmauer hinein gebaut, und damit passte es dann wieder!) und trafen uns gleich am Abend mit Wolfgang (der auch noch den Bahnhofsabholservice vom Bahnhof gemimt hatte) in seiner Lieblingslokalität „Zelig“ auf ein Schwätzchen bei Speis´ und Trank.

Da wir uns in dieser Konstellation zum letzten Mal in Füssen gesehen hatten, war der Bedarf sich auszutauschen natürlich wieder enorm groß. Nachdem u.a. das Kapitel „Wir haben die Fahrt mit der Bahn in vollen Zügen genießen können“ zugeklappt werden konnte (Mathias hatte die Fahrt mit seinen beiden überaus handlichen Instrumenten gut überstanden), zeigte uns Wolfgang das z. T. schwer lesbare Lautenbuch des Stefan Craus, eine deutsche Tabulatur aus dem frühen 16. Jahrhundert, die er gerade in französische Tabulatur überträgt. Kontrovers wurde diskutiert, ob man durch eine Übertragung in die französische Standardtabulatur nicht die Faulheit der Lautenisten, die deutsche Notation zu erlernen, unterstützen würde. Verhungert sind wir an diesem Abend, der bis weit nach Mitternacht reichte, dennoch nicht. Nicht einmal über Ansätze des Durstes konnte Klage erhoben werden.


Treffpunkt Oberkirche

 

Der offizielle Treffpunkt am Sonnabend war für 10:00 Uhr die eindrucksvolle spätgotische „Oberkirche St. Nikolai“ mit ihren schönen durch Fenster vom Kirchenschiff abgeteilten Hochkapellen. Für Wolfgang, Mathias, Werner und mich ging es zum Aufbau schon um 09:00 Uhr los. Freundlicher Weise waren uns von der Gemeinde zwei Kapellen und die Sakristei für das gemeinsame Spiel zur Verfügung gestellt worden. Der Preis dafür: ein einstündiges Werkstattkonzert am Nachmittag mit Beginn 16:30 Uhr.

 

... und harrren der Dinge
... und harren der Dinge ...

Eine Stunde Programm kann ziemlich lang sein und will erarbeitet werden. Da wir in dieser Konstellation (siehe oben) noch nie zusammen gespielt hatten, betraten wir gemeinsam Neuland. Dank der Voraussicht von Wolfgang Wiehe waren wir aber von vornherein auf der sicheren Seite: er hatte zum einen schon rechtzeitig um die Vorbereitung von Solostücken gebeten und konnte auch noch mit dem an der Oberkirche beheimatetem Vokalensembel „Amaryllis“ aufwarten, in dem er selbst den Bass singt.

 

Und nun die Instrumente traktiert ...

 

Wir begannen mit dem Spiel aus den vorbereiteten Tabulaturen zu dritt und spielten dann längere Zeit als Sextett: Wolfgang Meyer kam nicht „an Land“. Wie sich nach seiner Ankunft herausstellte, hatte er aufgrund von Bauarbeiten zwischen Bischofswerda und Cottbus 3 Städte umfahren müssen (wobei die Umleitungen traditioneller Weise so angelegt waren, dass nur ein Ortskundiger zurecht kommen kann).

 Praetorius
Auf jeden Fall handelt es sich
um einen Praetorius, der hier ruht!
 

Es blieb Wolfgang dann nur ein kurzes „Hallo“, Abgleich der Stimmung (415 hz), und schon hatte er sich integriert. Es erklangen 3- bis 4-stimmige Sätze von dem einfach nicht zu fassenden Anonymus (hinter vorgehaltener Hand wird immer von Thomas Crown gesprochen) über Praetorius bis hin zu Regnart (kurze Diskussion über die Aussprache: französisch oder nicht? Da er Flame war eher nicht, oder doch?) und William Holborne. 

Es lebe die Kleingruppe!

Nach nochmals sehr konzentriertem gemeinsamen Spiel wurde die Runde aufgelöst. Das Musizieren in kleineren Gruppen begann. Wolfgang Wiehe hatte sich dabei noch dem Vokalen zu widmen und mit Wolfgang Meyer ein Duo einzustudieren. Mathias Rösel und Wolfgang Meyer verschwanden (verschmitzt lächelnd) mit ihren Schwanenhälsen. Udo traktierte seine Mittelalterlaute auf eine sehr gefällige und melodiöse Art. Lothar Wilfing und Werner Bogula fingen sich immer wieder einen neuen dritten Mann (weder der Wiener Art, noch zum Skat) und plötzlich war es schon fast 16:30 Uhr!

 

 Lothar und Uod
Lothar Wilfling und
Udo Hufschneider: da war doch
irgendwo in den Tabulaturen
das eine Stück, na,
Du weißt'
doch ...

Zwischendurch hatten wir die Kapelle noch bestuhlt und unseren Auftrittsbereich hergerichtet (wer will schon gern, dass jemand in einen geöffneten Lautenkasten hineintritt oder als Schlafstatt nutzt?).


Die Fahrt in vollen Zügen genießen wollen ...

Mathias, gefragter Duopartner, und Werner saß etwas die Zeit - besser: die Abfahrt des Zuges - im Nacken: „Wir können alles machen, aber um 20 vor 6 muss ich hier los! Der Zug fährt um 8 Minuten nach 6“, war die Devise von Mathias, der am Sonntag morgens auf der Kanzel zu stehen hatte.

Amaryllis beim Einsingen
Amaryllis beim Einsingen


Jetzt wird es Ernst!
 

Zu unserem begeisterten Erstaunen fanden sich etwa 30 Zuhörerinnen und Zuhörer in der Kapelle ein. Informiert worden war von der Gemeinde der Oberkirche lediglich durch Handzettel – und natürlich von Mund-zu-Mundgeflüster.

 Udo und Mathias
Udo und Mathias musikalisch auf dem Jacobsweg

Den Auftakt gab Udo Hofschneider nach einleitenden und einstimmenden Worten von Wolfgang Wiehe mit zwei schwungvoll auf der Mittelalterlaute vorgetragenen Stücke, zu denen Mathias Rösel einen ostinaten Bass zupfte, Werner mit auf der Muschel seiner Laute geklopfter rhythmischer Begleitung einfiel und der eine oder andere den durchlaufenden Basston mitsummte. Bei diesen Stücken handelte es sich um Lieder der „Cantigas de St. Maria“ von Alfonso el Sabio („Alfons X der Weise; 1252 - 1284);

Lieder, die auf dem Jacobsweg gesungen wurden und von Wundern berichten. Ein gelungener Auftakt, wie auch das erste Stück von Amaryllis: „Dindirindin“, ein anonymes Villancico aus dem Cancionero de Montecassino.
 

Amaryllis

Amaryllis, das sind unter der unaufdringlichen und gekonnten Leitung von Matthias Blume (gleichzeitig auch Tenor!): Henriette von Preuschen und Rita Maidanjuk (Sopran), Doreen Köhler und Ilona Ertner (Alt), Frank Marteaux (Tenor) und natürlich Wolfgang Wiehe (Bass). Die Gruppe existiert in dieser Form erst seit Anfang 2006, hat sich aber bereits ein kleines, wohl ausgesuchtes Repertoire erarbeiten können. Sie hatten bei unserem Lautenspielertreffen ihren ersten öffentlichen Auftritt!

 Dowland
Ein Dowland von Amaryllis,
begleitet von Mathias Rösel

Es ging vokal weiter mit der Chanson „Mille regretz“ von Josquin und der Intabulierung derselben durch Luis de Narvaez: „Cancion del Emparador“, gespielt von Wolfgang Wiehe.

Und nun wieder die leisen Lauten!

Damit aber nicht genug: die Chanson ist auch Grundlage der Missa „Mille Regretz“ von Cristobal de Morales. Das „Et in Spiritum Sanctum“ des 6-stimmigen Credos hat Enríquez de Valderrábano für 2 Vihuelen abgesetzt. Die zwei Wolfgangs trugen dieses Duo auf ihren Lauten vor. Eine interessante direkte Begegnung des vokalen Models mit den Umsetzungen für Lauteninstrumente!


 Wolfgang und Wolfgang
Wolfgang Meyer und Wolfgang Wiehe
 

Anschließend wurde – jeweils mit einleitenden Worten versehen - präsentiert, was wir am Vormittag erarbeitet hatten und nicht dem kritischen Heren Kollegen „Lassen wir lieber“ geopfert wurde:
 

eine Volta von V. Galilei
Pavane de Spaigne von M. Praetorius
Las, je n´iray plus jouer au bois von einem Anonymus
Sweet I grant, I am black von W. Holborne
Gush forth, my tears (ebenso)
Ach schwacher Geist (unser Motto für das Treffen) von J. Regnart
und eine abschließende Corrente von Frescobaldi.
 

Nun ja, auch das bereinigte Programm hatte noch Tücken genug ... zu verstecken brauchen wir uns allerdings ob der Leistung dann doch nicht: das gemeinsam zu spielende Repertoire wird beim nächsten Mal von vornherein schon präzisiert, so dass nicht alles praktisch vom Blatt zu spielen ist. Nun denn und frisch gewagt, einander tief in die Augen geschaut: im nächsten Jahr wird es natürlich besser, da waren wir uns schnell einig.

Tutti Lautenspielertreffen Cottbus 2006
E
rschöpfungserscheinungen?
 

Das Publikum war nachsichtig und wurde vokal durch Morleys „April is in my Mistres Face“, Dowlands „Come again, sweet love“ (mit der Begleitung durch Mathias Rösel) und John Wilbyes Abschiedslied „Adieu sweet Amaryllis“ versöhnt. Das Vokalensembel strahlt aus, dass mit Freunde gemeinsam gesungen wird. Zu hören war ein fast schon runder Klangkörper mit viel Volumen (unterstützt von der sehr schönen Akustik der Kapelle). Sehr gut wirkt, dass die Stücke auswendig ohne Notenblatt gesungen werden. So gibt es zwischen den Sängerinnen und Sängern ständig Blickkontakt untereinander („Der ist auch nötig!“; Anmerkung des Basses) und mit dem Publikum. Der warme und nachhaltige Applaus für den Chor war die rechte Belohnung.

Wolfgang und Mathias
Mathias Rösel und Wolfgang
Meyer präsentieren eine Suite
von Signr. Schiffelholz

Mathias Rösel präsentierte auf seinem Schwanenhals ausdrucksvoll"L'Amant Malheureux" (der unglückliche Liebende) von Jacques Gallot und erntete dafür verdient Applaus. Eine besondere Überraschung (und Premiere) boten Wolfgang Meyer und Mathias Rösel mit einem Barocklautenduett. Wolfgang Meyer hat die für zwei Gallichonen geschrieben Duette des Sign. (Johann Paul) Schiffelholz (Sächsische Landesbibliothek; Wolfgang: kannst Du noch ein paar Einzelheiten dazu aufschreiben?) auf die Barocklaute übertragen. Die beiden präsentierten die zweite Suite. Diese Musik von Schiffelholz (ca. 1680 – 1758) hat eine wunderbare Leichtigkeit und wurde von den beiden überaus „galant“ vorgetragen.

Einen außergewöhnlichen optischen Reiz bot die Laute von Wolfgang, deren Muschel aus Rosenholz (Dalbergia variabilis) gefertigt ist, das, da relativ jung, nur als richtig bunt zu bezeichnen ist. Das Duett der beiden war ein hervorragender Abschluss dieses Werkstattkonzertes, der dann durch seine positive Wirkung auch keine Wehmut über das Ende des 1. Lautenspielertreffens in Cottbus aufkommen ließ.

Abschied in Etappen

Während Mathias, Werner und Lothar schon Richtung Heimat strebten, widmeten sich die Verbliebenen den Fragen des Publikums und anschließend den Aufräumarbeiten.In kleiner Runde wurde das Werkstattkonzert von Mitgliedern des Chores und Lautenisten in der Sakristei bei Kaffee und Kuchen nachbereitet. Wolfgang Wiehes Frau Gudrun hatte uns ein Blech mit unterschiedlichen Kuchensorten gebacken. Unschlagbar waren die kleinen „Brownies“ mit Walnüssen aus eigener Ernte: es blieb nicht ein Stück, um es mit nach Hause nehmen zu können.

Krönender Abschluss der gemeinsamen Nachbreitung und zugleich Ausklang bildete die nochmalige Intonation des „Adieu sweet Amaryllis“ durch Amaryllis (sic) in der Taufkapelle des fast vollständig dunklen, großen Kirchenschiffs.


Da blieb Wolfgang Meyer und mir dann nur noch der schnöde Abwasch.


Fazit: ein rundherum gelungener Auftakt! Gut zu wissen, dass Wolfgang Wiehe wieder einzuladen beabsichtigt. Eine Einladung, der wir mit Freude entgegensehen dürfen!


Sakristei
Sakristei:
kurz vor Aufbau des
Kuchenbüffets

Im Namen der Teilnehmer darf ich Wolfgang Wiehe für die Ausrichtung des Treffens, seiner Frau für den Kuchen, den Mitgliedern von Amaryllis für ihre Konzertbeiträge und die Zusammenarbeit (es wäre schön, wenn Amaryllis im nächsten Jahr wieder dabei wäre) und der Gemeinde der Oberkirche St. Nicolai, in der wir aufgenommen wurden wie gute Bekannte und uns von Anfang heimisch fühlen konnten, recht herzlich danken. ATschuess bis 2007!

 

 

Michael Treder

 

 

 

Hier Gudruns Brownies zum Nachbacken:
 

Zutaten

200g Butter

½ Becher Kakaopulver

2 Becher Rohrzucker

1 TL Vanillezucker

1 Becher Mehl

2 Eier

½ Becher grobgehackte Walnüsse

(ein Becher = 250ml)


Bei schwacher Hitze Butter und Kakao langsam schmelzen.

Bei geringster Hitze Zucker und Vanille gründlich einrühren.

Vom Herd nehmen, Mehl draufsieben und einrühren.

Eier zugeben und verrühren.

Walnüsse untermischen.

In eine gefettete 30x20 cm große Form verteilen.

Bei 180oC 20-25 min. backen.

Die erkaltete Masse in Stücke schneiden.

 

 

 

 

zurück zum Anfang/back to the top

 

 


©
tabulatura.de