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Lautenspielertreffen in Cottbus 14.10.2006 |
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Und da gab es dann unerwartet einen weiteren
Lichtblick in diesem unvergleichlichen Herbst: Wolfgang
Wiehe lud zum 1. Cottbusser Lautenspielertreffen ein,
das am 14.10.2006 stattfinden sollte und auch stattfand.
Das Bremer Lautentreffen von Mathias
Rösel ist fest etabliert. Im Süden hatte Harald
Schönenborn einen ersten Anlauf in Limburg genommen,
dann verschlug es ihn von dort an einen anderen pädagogischen
Wirkungskreis. Etwas überraschend - aber sehr willkommen
- nun die Einladung von Wolfgang Wiehe nach Cottbus:
ehemaliges „Zentrum der Braunkohleindustrie“ (viel Tagebau),
Spreewald in der Nähe, Sorben, ein Postkutscher
zum Zungenbrechen und weit und breit nur ein Lautenspieler.
Die Teilnehmer
Der Einladung folgten: Werner Bogula (Hamburg;
Renaissancelaute), Mathias Rösel (Bremen;
Arciliuto, Schwanenhalsbarocklaute), Lothar Wilfling (Berlin;
Renaissancelaute), Udo Hofschneider (Berlin;
Renaissancelaute, Mittelalterlaute), Wolfgang Meyer (Bischofswerda;
Renaissancelaute, Schwanenhalsbarocklaute und weitere
Instrumente, die aber nicht zum Einsatz kamen) und ich
(Hamburg; ausnahmsweise Renaissancelaute). Wolfgang
Wiehe selbst spielt auch auf der Renaissancelaute.
Absagen mussten leider Klaus Beirich (Radebeul), Beate
Dittmann und kurzfristig Alexander Löwe (beide
aus Berlin). |
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Fachsimpelei am ersten Abend
.. . und am Morgen danach ...
Werner, Mathias und ich waren schon am
Freitag auf getrennten Wegen angereist, hatten unsere
Unterkunft im Jugendgästehaus von Cottbus gefunden
(Kein Gelächter dort bitte im Hintergrund! Immerhin
ist das Gebäude in die alte Stadtmauer hinein gebaut,
und damit passte es dann wieder!) und trafen uns gleich
am Abend mit Wolfgang (der auch noch den Bahnhofsabholservice
vom Bahnhof gemimt hatte) in seiner Lieblingslokalität
„Zelig“ auf ein Schwätzchen bei Speis´ und
Trank. |
Da wir uns in dieser Konstellation zum
letzten Mal in Füssen gesehen hatten, war der Bedarf
sich auszutauschen natürlich wieder enorm groß.
Nachdem u.a. das Kapitel „Wir haben die Fahrt mit der
Bahn in vollen Zügen genießen können“
zugeklappt werden konnte (Mathias hatte die Fahrt mit
seinen beiden überaus handlichen Instrumenten gut
überstanden), zeigte uns Wolfgang das z. T. schwer
lesbare Lautenbuch des Stefan Craus, eine deutsche Tabulatur
aus dem frühen 16. Jahrhundert, die er gerade in
französische Tabulatur überträgt. Kontrovers
wurde diskutiert, ob man durch eine Übertragung
in die französische Standardtabulatur nicht die
Faulheit der Lautenisten, die deutsche Notation zu erlernen,
unterstützen würde. Verhungert sind wir an
diesem Abend, der bis weit nach Mitternacht reichte,
dennoch nicht. Nicht einmal über Ansätze des
Durstes konnte Klage erhoben werden. |
Treffpunkt Oberkirche
Der offizielle Treffpunkt am Sonnabend
war für 10:00 Uhr die eindrucksvolle spätgotische
„Oberkirche St. Nikolai“ mit ihren schönen durch
Fenster vom Kirchenschiff abgeteilten Hochkapellen.
Für Wolfgang, Mathias, Werner und mich ging es
zum Aufbau schon um 09:00 Uhr los. Freundlicher Weise
waren uns von der Gemeinde zwei Kapellen und die Sakristei
für das gemeinsame Spiel zur Verfügung gestellt
worden. Der Preis dafür: ein einstündiges
Werkstattkonzert am Nachmittag mit Beginn 16:30 Uhr.
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Eine
Stunde Programm kann ziemlich lang sein und will erarbeitet
werden. Da wir in dieser Konstellation (siehe oben)
noch nie zusammen gespielt hatten, betraten wir gemeinsam
Neuland. Dank der Voraussicht von Wolfgang Wiehe waren
wir aber von vornherein auf der sicheren Seite: er hatte
zum einen schon rechtzeitig um die Vorbereitung von
Solostücken gebeten und konnte auch noch mit dem
an der Oberkirche beheimatetem Vokalensembel „Amaryllis“
aufwarten, in dem er selbst den Bass singt.
Und
nun die Instrumente traktiert ...
Wir
begannen mit dem Spiel aus den vorbereiteten Tabulaturen
zu dritt und spielten dann längere Zeit als Sextett:
Wolfgang Meyer kam nicht „an Land“. Wie sich nach seiner
Ankunft herausstellte, hatte er aufgrund von Bauarbeiten
zwischen Bischofswerda und Cottbus 3 Städte umfahren
müssen (wobei die Umleitungen traditioneller Weise
so angelegt waren, dass nur ein Ortskundiger zurecht
kommen kann). |

Auf jeden Fall handelt
es sich um einen Praetorius, der hier ruht!
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Es
blieb Wolfgang dann nur ein kurzes „Hallo“, Abgleich
der Stimmung (415 hz), und schon hatte er sich integriert.
Es erklangen 3- bis 4-stimmige Sätze von dem einfach
nicht zu fassenden Anonymus (hinter vorgehaltener Hand
wird immer von Thomas Crown gesprochen) über Praetorius
bis hin zu Regnart (kurze Diskussion über die Aussprache:
französisch oder nicht? Da er Flame war eher nicht,
oder doch?) und William Holborne. |
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Es lebe die Kleingruppe!
Nach nochmals sehr konzentriertem gemeinsamen Spiel
wurde die Runde aufgelöst. Das Musizieren in kleineren
Gruppen begann. Wolfgang Wiehe hatte sich dabei noch
dem Vokalen zu widmen und mit Wolfgang Meyer ein Duo
einzustudieren. Mathias Rösel und Wolfgang Meyer
verschwanden (verschmitzt lächelnd) mit ihren Schwanenhälsen.
Udo traktierte seine Mittelalterlaute auf eine sehr
gefällige und melodiöse Art. Lothar Wilfing
und Werner Bogula fingen sich immer wieder einen neuen
dritten Mann (weder der Wiener Art, noch zum Skat) und
plötzlich war es schon fast 16:30 Uhr! |
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Zwischendurch hatten wir die Kapelle
noch bestuhlt und unseren Auftrittsbereich hergerichtet
(wer will schon gern, dass jemand in einen geöffneten
Lautenkasten hineintritt oder als Schlafstatt nutzt?). |
Die Fahrt in vollen Zügen
genießen wollen ... Mathias, gefragter
Duopartner, und Werner saß etwas die Zeit - besser:
die Abfahrt des Zuges - im Nacken: „Wir können
alles machen, aber um 20 vor 6 muss ich hier los! Der
Zug fährt um 8 Minuten nach 6“, war die Devise
von Mathias, der am Sonntag morgens auf der Kanzel zu
stehen hatte.

Amaryllis
beim Einsingen
Jetzt wird es Ernst!
Zu unserem begeisterten Erstaunen fanden
sich etwa 30 Zuhörerinnen und Zuhörer in der
Kapelle ein. Informiert worden war von der Gemeinde
der Oberkirche lediglich durch Handzettel – und natürlich
von Mund-zu-Mundgeflüster. |
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Den Auftakt gab Udo
Hofschneider nach
einleitenden und einstimmenden Worten von Wolfgang Wiehe
mit zwei schwungvoll auf der Mittelalterlaute vorgetragenen
Stücke, zu denen Mathias
Rösel einen
ostinaten Bass zupfte, Werner mit auf der Muschel seiner
Laute geklopfter rhythmischer Begleitung einfiel und
der eine oder andere den durchlaufenden Basston mitsummte.
Bei diesen Stücken handelte es sich um Lieder der
„Cantigas de St. Maria“ von Alfonso el Sabio („Alfons
X der Weise; 1252 - 1284); |
Lieder, die auf dem Jacobsweg gesungen
wurden und von Wundern berichten. Ein gelungener Auftakt,
wie auch das erste Stück von Amaryllis: „Dindirindin“,
ein anonymes Villancico aus dem Cancionero de Montecassino.
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Amaryllis Amaryllis,
das sind unter der unaufdringlichen und gekonnten Leitung
von Matthias
Blume (gleichzeitig auch Tenor!): Henriette
von Preuschen und Rita Maidanjuk (Sopran),
Doreen
Köhler und Ilona Ertner (Alt),
Frank
Marteaux (Tenor) und natürlich Wolfgang
Wiehe (Bass). Die Gruppe existiert in dieser
Form erst seit Anfang 2006, hat sich aber bereits ein
kleines, wohl ausgesuchtes Repertoire erarbeiten können.
Sie hatten bei unserem Lautenspielertreffen ihren ersten
öffentlichen Auftritt! |
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Es ging vokal weiter mit der Chanson
„Mille regretz“ von Josquin und der Intabulierung derselben
durch Luis de Narvaez: „Cancion del Emparador“, gespielt
von Wolfgang Wiehe. Und
nun wieder die leisen Lauten! Damit aber nicht genug: die
Chanson ist auch Grundlage der Missa „Mille Regretz“
von Cristobal de Morales. Das „Et in Spiritum Sanctum“
des 6-stimmigen Credos hat Enríquez de Valderrábano
für 2 Vihuelen abgesetzt. Die zwei Wolfgangs trugen
dieses Duo auf ihren Lauten vor. Eine interessante direkte
Begegnung des vokalen Models mit den Umsetzungen für
Lauteninstrumente!

Wolfgang Meyer und Wolfgang
Wiehe
Anschließend wurde – jeweils mit
einleitenden Worten versehen - präsentiert, was
wir am Vormittag erarbeitet hatten und nicht dem kritischen
Heren Kollegen „Lassen wir lieber“ geopfert wurde:
eine Volta von V. Galilei Pavane
de Spaigne von M. Praetorius Las, je n´iray
plus jouer au bois von einem Anonymus Sweet I grant,
I am black von W. Holborne Gush forth, my tears
(ebenso) Ach schwacher Geist (unser Motto für
das Treffen) von J. Regnart und eine abschließende
Corrente von Frescobaldi.
Nun ja, auch das bereinigte Programm
hatte noch Tücken genug ... zu verstecken brauchen
wir uns allerdings ob der Leistung dann doch nicht:
das gemeinsam zu spielende Repertoire wird beim nächsten
Mal von vornherein schon präzisiert, so dass nicht
alles praktisch vom Blatt zu spielen ist. Nun denn und
frisch gewagt, einander tief in die Augen geschaut:
im nächsten Jahr wird es natürlich besser,
da waren wir uns schnell einig.

Erschöpfungserscheinungen?
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Mathias Rösel und
Wolfgang
Meyer präsentieren eine Suite
von Signr. Schiffelholz
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Mathias Rösel präsentierte
auf seinem Schwanenhals ausdrucksvoll"L'Amant Malheureux" (der unglückliche
Liebende) von Jacques Gallot und erntete dafür verdient
Applaus. Eine besondere Überraschung (und Premiere)
boten Wolfgang Meyer und Mathias Rösel mit
einem Barocklautenduett. Wolfgang Meyer hat die für
zwei Gallichonen geschrieben Duette des Sign. (Johann
Paul) Schiffelholz (Sächsische Landesbibliothek;
Wolfgang: kannst Du noch ein paar Einzelheiten dazu
aufschreiben?) auf die Barocklaute übertragen.
Die beiden präsentierten die zweite Suite. Diese
Musik von Schiffelholz (ca. 1680 – 1758) hat eine wunderbare
Leichtigkeit und wurde von den beiden überaus „galant“
vorgetragen. |
Einen außergewöhnlichen optischen
Reiz bot die Laute von Wolfgang, deren Muschel aus Rosenholz
(Dalbergia variabilis) gefertigt ist, das, da relativ
jung, nur als richtig bunt zu bezeichnen ist. Das Duett
der beiden war ein hervorragender Abschluss dieses Werkstattkonzertes,
der dann durch seine positive Wirkung auch keine Wehmut
über das Ende des 1. Lautenspielertreffens in Cottbus
aufkommen ließ.
Abschied
in Etappen
Während Mathias, Werner und Lothar schon Richtung
Heimat strebten, widmeten sich die Verbliebenen den
Fragen des Publikums und anschließend den Aufräumarbeiten.In
kleiner Runde wurde das Werkstattkonzert von Mitgliedern
des Chores und Lautenisten in der Sakristei bei Kaffee
und Kuchen nachbereitet. Wolfgang Wiehes Frau Gudrun
hatte uns ein Blech mit unterschiedlichen Kuchensorten
gebacken. Unschlagbar waren die kleinen „Brownies“ mit
Walnüssen aus eigener Ernte: es blieb nicht ein
Stück, um es mit nach Hause nehmen zu können. |
Krönender Abschluss der gemeinsamen
Nachbreitung und zugleich Ausklang bildete die nochmalige
Intonation des „Adieu sweet Amaryllis“ durch Amaryllis
(sic) in der Taufkapelle des fast vollständig dunklen,
großen Kirchenschiffs.
Da blieb Wolfgang Meyer und mir dann
nur noch der schnöde Abwasch.
Fazit: ein rundherum gelungener Auftakt!
Gut zu wissen, dass Wolfgang Wiehe wieder einzuladen
beabsichtigt. Eine Einladung, der wir mit Freude entgegensehen
dürfen!
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Im Namen der Teilnehmer darf ich Wolfgang
Wiehe für die Ausrichtung des Treffens, seiner
Frau für den Kuchen, den Mitgliedern von Amaryllis
für ihre Konzertbeiträge und die Zusammenarbeit
(es wäre schön, wenn Amaryllis im nächsten
Jahr wieder dabei wäre) und der Gemeinde der Oberkirche
St. Nicolai, in der wir aufgenommen wurden wie gute
Bekannte und uns von Anfang heimisch fühlen konnten,
recht herzlich danken. ATschuess bis 2007!
Michael Treder |
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