.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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24.01.2006

 

 

Eindrücke vom Internationalen Festival der Laute
 Rostock, 14. - 16.05.2004

 

Das diesjährige Lautenfestival der DLG e.V. fand - vorbereitet wieder von Oliver Holzenburg und seinem variablen Team - in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater der Hansestadt Rostock in den Räumen der Hochschule statt. Das Bauwerk bildete mit seiner gelungenen Verbindung zwischen historischem Sakral- und modernen Funktionsbau einen würdigen Rahmen für das Festival mit seiner gewohnt abwechslungsreichen Mischung aus Vorträgen, Konzerten verschiedener Musikepochen und -stile sowie Möglichkeiten des Erfahrungs- und Meinungsaustausches auch bei den gemeinsamen Essensterminen und dem abendlichen Ausklang bei Selter, Saft, Bier oder Wein.

Zu den ausstellenden Lautenbauerinnen und Lautenbauern gesellten sich erstmals zu Caroline Zillmann/Steffen Milbradt, Sebastian Nunez, Renzo Salvador, Kai Schupp und Barbara Feloni die aus Berlin kommenden Heidi von Rüden und Michael Sander mit einigen ausgewählten Instrumenten. Anschauen der Instrumente war ebenso angesagt wie das Probespiel, bei dem auf Grund der hervorragenden Akustik etwa im Kreuzgang die "Laute" sich gelegentlich auch einmal als solche entpuppte! 

Die TREE-Edition (Albert Reyerman aus Lübeck) hatte wieder ihr gesamtes erlesenes Sortiment auf nunmehr die Fülle kaum noch fassenden drei Tischen ausgebreitet. TREKEL aus Hamburg hatte gar so viele Noten mit dabei, dass der durchaus auf Tragfähigkeit ausgerichtete Präsentationstisch nachgab und zusammenbrach!

Es war weit mehr als ein freundliche Geste, dass neben dem Rektor der Hochschule, Herrn Prof. Dr. Hartmut Möller, durch Frau Bade, Leiterin des Amtes für Kultur und Denkmalpflege, auch Grußworte im Namen des Senats der Hansestadt bei der Eröffnungsveranstaltung an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerichtet wurden, denn Rostock befand sich zusammen mit Leipzig ja in Vorbereitung auf die Präsentation für das IOC zur Auswahl der offiziellen "Candidate Cities" für die Olympischen Spiele. Auch dies nun eine Geschichte von gestern ...

Berichtenswert über das Festival ist sicherlich mehr als folgend notiert, doch konnte ich leider nicht an allen Vorträgen und Konzerten teilnehmen.

 

Pietro Prosser

Bei den Konzerten machte Pietro Prosser (Rovereto) mit seiner Mandora den Auftakt. Er bot in bekannt souveräner Art Werke anonymer Komponisten (post 1750) mit dem thematischen Schwerpunkt bei Motiven bzw. zu Figuren der Commedia del Arte: Der lustige Hanßwurst, Arlequino, Die verliebte Columbina, Il Signore Pantalone, Der dumme Peterl mit dem Bock, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Was als Kurz-Vortrag unter dem Titel "Tabulaturbearbeitungen für Gitarre aus Rostocker Quellen" von Gerold Handrick (Rostock) angekündigt war, ließ sich dann aber konzertant als eine konzentriert und souveräne auf der Gitarre vorgetragene Auswahl von Stücken aus den Rostocker Beständen hören. So erklangen Werke von Gaultier, Valentin Strobel, Du Fault, Johann Gumprecht u.a.

 

Beate Dittmann (Berlin) überzeugte ein erneutes Mal als gleichermaßen gute Pädagogin und Vortragende wie als Lautenistin in ihrem Vortrag mit Musikbeispielen "Vom Passemezzo zur Wascha mesa – Italienische Musik in deutschen Tabulaturen". Es wurden erläutert und erklangen Werke u.a. von Judenkünig, Newsidler, Waissel und Gerle.

Beate Dittmann

 

Für das den Freitag abschließende Abendkonzert war aus Schweden das Duo Göran Månsson (Flöten) und Sven Åberg (Lauten) eingeladen. Sie hatten ein Konzert unter dem Titel "Contemporary Swedish Folkmusic" angekündigt. Da Göran wenige Tage zuvor die Achillessehne angerissen war, bestritt Sven das Konzert allein. Im ersten Teil erklangen zwei Phantasien von David Kellner und bildeten damit eine musikalische Brücke zwischen Schweden und Deutschland über die ohnehin verbindende Ostsee hinweg. Der zweite Teil des Konzertes, gespielt auf einer für die Darbietung dieser Musik eigens konstruierten Laute in offener Stimmung, war der Gegenwartsvolksmusik aus Schweden gewidmet. Weder die gebotenen traditionellen noch komponierten Stücke dieser Musik haben auch nur im Entferntesten Ähnlichkeit mit dem, was uns in Deutschland so gern als "volkstümliche" oder auch als "Hitparade der Volksmusik" geboten wird. Sven verstand es, das Publikum ausdrucksvoll und einfühlsam mit seinem Spiel in eine andere Welt zu entführen: Balsam für die Seele!

Sven Aberg

 

Dieser nächtliche Balsam hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Jahreshauptversammlung der Deutschen Lautengesellschaft mit turnusmäßiger Neuwahl des Vorstandes am nächsten Vormittag überaus konzentriert und konstruktiv über die Bühne ging. Einzelheiten dazu auf der Homepage der Lautengesellschaft.

Markus Lutz (Bad Buchau) stellte bei seinem Vortrag den Faksimile-Druck des aus der Universitätsbibliothek Rostock stammenden Lautenmanuskriptes Ms Mus.Saec. XVII.18 - 52,2 vor. Der in sehr guter Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Rostock (Abteilung Sondersammlungen) entstehende Faksimile-Druck sollte eigentlich anlässlich des Lautenfestivals in Rostock schon erstmals am Stand der Deutschen Lautengesellschaft e.V. zu erwerben sein. Leider war es zu Verzögerungen gekommen. Bei der Bestimmung von Konkordanzen ist Markus Lutz Dank weltweiter Unterstützung (es leben Internet und e-mail!) schon sehr weit gekommen. Nach der Herausgabe des Lautenmanuskript-Konvolutes "Pieces choisies pour le Lut", Mus. saec. XVIII 65. 6a-z durch Joachim Domning im Jahre 1999, wird die dann zweite Facsimile-Ausgabe eines Manuskriptes aus der Universitätsbibliothek Rostock im Rahmen der Aktivitäten der Deutschen Lautengesellschaft e.V. hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen!

 

Mit dem notwendigen Geschick führte Gabriel Schebor (Buenos Aires) in die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer eher sperrige Thematik "Reconstruction of the unwritten accompaniment in latin american and spanish baroque secular music: the case of Zuola Codex" ein. Aus der abschließenden Diskussion seines Vortrages wird sicherlich allen seine Aussage im Gedächtnis bleiben, die Erschließung existierender oder möglicherweise vorhandener Manuskripte in den Bibliotheken Lateinamerikas werde kaum möglich sein, da die Bibliotheken aus Angst vor Diebstählen die Existenz von Manuskripten schlichtweg leugnen würden.

Gabriel Schebor

 

Das den Samstag abschließende Abendkonzert von "foscarini experience" im Kammermusiksaal der Hochschule war in mehrfacher Hinsicht angenehm überraschend. Musik von Foscarini, Kapsberger und Piccinini ist an sich nichts Ungewöhnliches. Ausgehend von der These, dass Musikerinnen und Musiker auch in der Vergangenheit sicherlich gemeinsam geübt haben, hatten sich "foscarini experience" ursprünglich zusammen gefunden. Aber wird die Kombination von vier Chitarronen und einer Barockgitarre als Übungsformation historisch belegbar sein? Dessen ungeachtet: das Quintett bildete einen erstaunlichen Klangkörper und ließ vermeintlich Bekanntes neu erscheinen. Durch Nils Badenhop wurden einige der Stücke zudem tänzerisch umgesetzt. Dem nicht genug, sang Niels Badenhop auch einige Stücke, bei denen er gekonnt zusätzlich in Szene umsetzte; in einem Falle sogar das Duett eines sich streitenden und wieder versöhnenden Liebespaares incl. des sich um Ausgleich bemühenden Amors. Ein rundherum gelungener Ausklang des zweiten Festivaltages!

... der allerdings mit diesem Konzert noch nicht sein Ende gefunden hatte. Unverzagte trafen sich noch in einer Gaststätte, um hier den bisherigen Verlauf des Festivals und die Jahreshauptversammlung mit den Vorstandswahlen nachzuarbeiten, für die Zukunft neue Pläne zu schmieden und sich selber musikalisch zu betätigen. Bei der Musik allen voran Sebastian Nunez, der, unterstützt von seinem Assistenten Dante, Gabriel Schebor und Sven Aberg, zu fortgeschrittener Stunde Tango-Lieder präsentierte, in mehreren Sprachen Konversation parallel betrieb und dabei erneut unter Beweis stellte, nicht nur vorzügliche Instrumente bauen zu können.

Sebastian Nunez und Freunde

 

Der dritte Festivaltag begann mit dem Konzert von Gabriel Schebor: "Two faces of the latin heritage - Mexico and Italy. A musical travel through popular song and dance, polyphonic tradition and avant garde experimentation." Vieles erinnerte an südamerikanische Volksmusik. Zugleich knüpft die harmonische Struktur punktuell an die Renaissance an. Abgeschlossen wurde das Konzert mit zwei Tänzen aus dem Druck des Verlegers Phalese aus dem Jahre 1570. "Musica 58", so die Bestandsnummer, wird in der Sondersammlung der Universitätsbibliothek Rostock verwahrt und enthält, ohne Nennung der Komponisten, auf 160 Seiten eine Zusammenstellung von Tänzen und Chansons u.a. von Gregor Brayssling und Adrian LeRoy für die vierchörige Renaissancegitarre; ein kleines Schatzbüchlein!

Musikalisch abgeschlossen wurde das Internationale Lautenfestival von Rostock durch ein Konzert von Joachim Held (Hamburg) mit Werken aus der Schele Lautenhandschrift (John Dowland, Alfonso Ferrabosco, G. Girolamo Kapsberger, Joachim van den Hove u.a.). Mit präzisem und zugleich überaus einfühlsamen und farbenfrohem Spiel verstand Joachim Held es, in der wunderbaren Akustik des Orgelsaals den Klangreichtum der Laute zu entfalten und die Zuhörerinnen und Zuhörer kurz vor Ende des Festivals noch einmal zu bannen.

Obwohl bei einigen Vorträgen und Konzerten im Orgelsaal bzw. Kammermusiksaal der Hochschule für Musik und Theater noch der eine oder andere Platz hätte besetzt werden können, hat Dank einer sehr guten Radioberichterstattung im Deutschlandfunk, Deutschlandradio Berlin und NDR 1/Radio Mecklenburg-Vorpommern durch die Journalisten Dagmar Penzlin das Festival viel mehr Menschen erreicht, als von den Veranstaltern ursprünglich erwartet.

Die durchweg positive Grundstimmung des Festivals, die zunehmende Internationalisierung und die eigentlich alte Erkenntnis, dass ausreichend Zeit und Raum für den so genannten "zwischenmenschlichen Kontakt" gegeben sein muss, sollen in die weiteren Aktivitäten und Planungen der Lautenfestivals der kommenden Jahre (Füssen in 2005, Wroclaw in 2006) einfließen.

Überblick des Ausstellungsraumes

 

 

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