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Tabulaturen
für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute
and the Guitar
Barock
und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant
music" |
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Eindrücke vom
Internationalen Festival der Laute Rostock, 14. - 16.05.2004 |
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Das diesjährige Lautenfestival der
DLG e.V. fand - vorbereitet wieder von Oliver Holzenburg
und seinem variablen Team - in Zusammenarbeit mit
der Hochschule für Musik
und Theater der Hansestadt Rostock in den Räumen der Hochschule statt.
Das Bauwerk bildete mit seiner gelungenen Verbindung
zwischen historischem Sakral- und modernen Funktionsbau
einen würdigen Rahmen für das Festival
mit seiner gewohnt abwechslungsreichen Mischung
aus Vorträgen, Konzerten verschiedener Musikepochen
und -stile sowie Möglichkeiten des Erfahrungs-
und Meinungsaustausches auch bei den gemeinsamen
Essensterminen und dem abendlichen Ausklang bei
Selter, Saft, Bier oder Wein.
Zu den ausstellenden Lautenbauerinnen
und Lautenbauern gesellten sich erstmals zu Caroline
Zillmann/Steffen Milbradt, Sebastian Nunez, Renzo
Salvador, Kai Schupp und Barbara Feloni die aus
Berlin kommenden Heidi von Rüden und Michael
Sander mit einigen ausgewählten Instrumenten.
Anschauen der Instrumente war ebenso angesagt wie
das Probespiel, bei dem auf Grund der hervorragenden
Akustik etwa im Kreuzgang die "Laute"
sich gelegentlich auch einmal als solche entpuppte!
Die TREE-Edition (Albert Reyerman aus
Lübeck) hatte wieder ihr gesamtes erlesenes
Sortiment auf nunmehr die Fülle kaum noch fassenden
drei Tischen ausgebreitet. TREKEL aus Hamburg hatte
gar so viele Noten mit dabei, dass der durchaus
auf Tragfähigkeit ausgerichtete Präsentationstisch
nachgab und zusammenbrach!
Es war weit mehr als ein freundliche Geste,
dass neben dem Rektor der Hochschule, Herrn Prof. Dr. Hartmut Möller, durch Frau
Bade, Leiterin des Amtes für Kultur und Denkmalpflege,
auch Grußworte im Namen des Senats der Hansestadt
bei der Eröffnungsveranstaltung an die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer gerichtet wurden, denn Rostock befand
sich zusammen mit Leipzig ja in Vorbereitung auf
die Präsentation für das IOC zur Auswahl
der offiziellen "Candidate Cities" für
die Olympischen Spiele. Auch dies nun eine Geschichte
von gestern ...
Berichtenswert über das Festival
ist sicherlich mehr als folgend notiert, doch konnte
ich leider nicht an allen Vorträgen und Konzerten
teilnehmen.
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Bei den Konzerten machte Pietro Prosser (Rovereto)
mit seiner Mandora den Auftakt. Er bot in bekannt souveräner
Art Werke anonymer Komponisten (post 1750) mit dem thematischen
Schwerpunkt bei Motiven bzw. zu Figuren der Commedia
del Arte: Der lustige Hanßwurst,
Arlequino, Die verliebte Columbina, Il Signore Pantalone,
Der dumme Peterl mit dem Bock,
um nur einige Beispiele zu nennen. |
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Was als Kurz-Vortrag unter dem Titel
"Tabulaturbearbeitungen für Gitarre aus Rostocker
Quellen" von Gerold Handrick (Rostock) angekündigt
war, ließ sich dann aber konzertant als eine konzentriert
und souveräne auf der Gitarre vorgetragene Auswahl von
Stücken aus den Rostocker Beständen hören. So
erklangen Werke von Gaultier, Valentin Strobel, Du Fault, Johann
Gumprecht u.a.
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Beate Dittmann (Berlin) überzeugte
ein erneutes Mal als gleichermaßen gute Pädagogin
und Vortragende wie als Lautenistin in ihrem Vortrag
mit Musikbeispielen "Vom Passemezzo zur Wascha
mesa – Italienische Musik in deutschen Tabulaturen".
Es wurden erläutert und erklangen Werke u.a.
von Judenkünig, Newsidler, Waissel und Gerle.
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Für das den Freitag abschließende
Abendkonzert war aus Schweden das Duo Göran Månsson
(Flöten) und Sven Åberg (Lauten) eingeladen. Sie
hatten ein Konzert unter dem Titel "Contemporary Swedish
Folkmusic" angekündigt. Da Göran wenige Tage
zuvor die Achillessehne angerissen war, bestritt Sven das Konzert
allein. Im ersten Teil erklangen zwei Phantasien von David Kellner
und bildeten damit eine musikalische Brücke zwischen Schweden
und Deutschland über die ohnehin verbindende Ostsee hinweg.
Der zweite Teil des Konzertes, gespielt auf einer für die
Darbietung dieser Musik eigens konstruierten Laute in offener
Stimmung, war der Gegenwartsvolksmusik aus Schweden gewidmet.
Weder die gebotenen traditionellen noch komponierten Stücke
dieser Musik haben auch nur im Entferntesten Ähnlichkeit
mit dem, was uns in Deutschland so gern als "volkstümliche"
oder auch als "Hitparade der Volksmusik" geboten wird.
Sven verstand es, das Publikum ausdrucksvoll und einfühlsam
mit seinem Spiel in eine andere Welt zu entführen: Balsam
für die Seele!

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Dieser
nächtliche Balsam hat sicherlich dazu beigetragen, dass
die Jahreshauptversammlung der Deutschen Lautengesellschaft
mit turnusmäßiger Neuwahl des Vorstandes am nächsten
Vormittag überaus konzentriert und konstruktiv über
die Bühne ging. Einzelheiten dazu auf der Homepage der
Lautengesellschaft.
Markus Lutz (Bad Buchau) stellte bei
seinem Vortrag den Faksimile-Druck des aus der Universitätsbibliothek
Rostock stammenden Lautenmanuskriptes Ms Mus.Saec. XVII.18 -
52,2 vor. Der in sehr guter Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek
Rostock (Abteilung Sondersammlungen) entstehende Faksimile-Druck
sollte eigentlich anlässlich des Lautenfestivals in Rostock
schon erstmals am Stand der Deutschen Lautengesellschaft e.V.
zu erwerben sein. Leider war es zu Verzögerungen gekommen.
Bei der Bestimmung von Konkordanzen ist Markus Lutz Dank weltweiter
Unterstützung (es leben Internet und e-mail!) schon sehr
weit gekommen. Nach der Herausgabe des Lautenmanuskript-Konvolutes
"Pieces choisies pour le Lut",
Mus. saec. XVIII 65. 6a-z durch Joachim Domning im Jahre 1999,
wird die dann zweite Facsimile-Ausgabe eines Manuskriptes aus
der Universitätsbibliothek Rostock im Rahmen der Aktivitäten
der Deutschen Lautengesellschaft e.V. hoffentlich nicht mehr
lange auf sich warten lassen!
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Mit dem notwendigen Geschick führte
Gabriel Schebor (Buenos Aires) in die vielen Zuhörerinnen
und Zuhörer eher sperrige Thematik "Reconstruction
of the unwritten accompaniment in latin american
and spanish baroque secular music: the case of Zuola
Codex" ein. Aus der abschließenden Diskussion
seines Vortrages wird sicherlich allen seine Aussage
im Gedächtnis bleiben, die Erschließung
existierender oder möglicherweise vorhandener
Manuskripte in den Bibliotheken Lateinamerikas werde
kaum möglich sein, da die Bibliotheken aus
Angst vor Diebstählen die Existenz von Manuskripten
schlichtweg leugnen würden.
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Das
den Samstag abschließende Abendkonzert von "foscarini
experience" im Kammermusiksaal der Hochschule war in mehrfacher
Hinsicht angenehm überraschend. Musik von Foscarini, Kapsberger
und Piccinini ist an sich nichts Ungewöhnliches. Ausgehend
von der These, dass Musikerinnen und Musiker auch in der Vergangenheit
sicherlich gemeinsam geübt haben, hatten sich "foscarini
experience" ursprünglich zusammen gefunden. Aber wird
die Kombination von vier Chitarronen und einer Barockgitarre
als Übungsformation historisch belegbar sein? Dessen ungeachtet:
das Quintett bildete einen erstaunlichen Klangkörper und
ließ vermeintlich Bekanntes neu erscheinen. Durch Nils
Badenhop wurden einige der Stücke zudem tänzerisch
umgesetzt. Dem nicht genug, sang Niels Badenhop auch einige
Stücke, bei denen er gekonnt zusätzlich in Szene umsetzte;
in einem Falle sogar das Duett eines sich streitenden und wieder
versöhnenden Liebespaares incl. des sich um Ausgleich bemühenden
Amors. Ein rundherum gelungener Ausklang des zweiten Festivaltages!
...
der allerdings mit diesem Konzert noch nicht sein Ende gefunden
hatte. Unverzagte trafen sich noch in einer Gaststätte,
um hier den bisherigen Verlauf des Festivals und die Jahreshauptversammlung
mit den Vorstandswahlen nachzuarbeiten, für die Zukunft
neue Pläne zu schmieden und sich selber musikalisch zu
betätigen. Bei der Musik allen voran Sebastian Nunez, der,
unterstützt von seinem Assistenten Dante, Gabriel Schebor
und Sven Aberg, zu fortgeschrittener Stunde Tango-Lieder präsentierte,
in mehreren Sprachen Konversation parallel betrieb und dabei
erneut unter Beweis stellte, nicht nur vorzügliche Instrumente
bauen zu können.

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Der
dritte Festivaltag begann mit dem Konzert von Gabriel Schebor:
"Two faces of the latin heritage - Mexico and Italy. A musical travel through popular song
and dance, polyphonic tradition and avant garde experimentation."
Vieles erinnerte an südamerikanische
Volksmusik. Zugleich knüpft die harmonische Struktur punktuell
an die Renaissance an. Abgeschlossen wurde das Konzert mit zwei
Tänzen aus dem Druck des Verlegers Phalese aus dem Jahre
1570. "Musica 58", so die Bestandsnummer, wird in
der Sondersammlung der Universitätsbibliothek Rostock verwahrt
und enthält, ohne Nennung der Komponisten, auf 160 Seiten
eine Zusammenstellung von Tänzen und Chansons u.a. von
Gregor Brayssling und Adrian LeRoy für die vierchörige
Renaissancegitarre; ein kleines Schatzbüchlein!
Musikalisch
abgeschlossen wurde das Internationale Lautenfestival von Rostock
durch ein Konzert von Joachim Held (Hamburg) mit Werken aus
der Schele Lautenhandschrift (John Dowland, Alfonso Ferrabosco, G.
Girolamo Kapsberger, Joachim van den Hove u.a.).
Mit präzisem und zugleich überaus einfühlsamen
und farbenfrohem Spiel verstand Joachim Held es, in der wunderbaren
Akustik des Orgelsaals den Klangreichtum der Laute zu entfalten
und die Zuhörerinnen und Zuhörer kurz vor Ende des
Festivals noch einmal zu bannen.
Obwohl
bei einigen Vorträgen und Konzerten im Orgelsaal bzw. Kammermusiksaal
der Hochschule für Musik und Theater noch der eine oder
andere Platz hätte besetzt werden können, hat Dank
einer sehr guten Radioberichterstattung im Deutschlandfunk,
Deutschlandradio Berlin und NDR 1/Radio Mecklenburg-Vorpommern
durch die Journalisten Dagmar Penzlin das Festival viel mehr
Menschen erreicht, als von den Veranstaltern ursprünglich
erwartet.
Die
durchweg positive Grundstimmung des Festivals, die zunehmende
Internationalisierung und die eigentlich alte Erkenntnis, dass
ausreichend Zeit und Raum für den so genannten "zwischenmenschlichen
Kontakt" gegeben sein muss, sollen in die weiteren Aktivitäten
und Planungen der Lautenfestivals der kommenden Jahre (Füssen
in 2005, Wroclaw in 2006) einfließen.

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