Am Sonntagmorgen wartete das
Internationale Festival der Laute mit einem vielfältigen
Angebot auf: Interessierte konnten an einer Museumsführung
mit Thomas Riedmiller, Leiter des Museums, teilnehmen.
Diese Führung hatte schon im letzten Jahr einen
sehr guten Zuspruch gefunden, und so war es auch in
diesem Jahr.
Miguel
Serdoura bot einen Lautenkurkurs
an. Fünf Lautenisten nahmen mit Begeisterung dieses
Angebot wahr. Übereinstimmende Meinung: „Das hat
sich gelohnt!“ Freund Lutz aus München wusste zu
berichten: „Nicht einen Griff hat er mir durchgehen
lassen!“
Das Konzert-Programm
des Vormittags lud ein, sich von einem außergewöhnlichen
Angebot musikalisch verwöhnen lassen. Christine Gabrielle (cgabrielle@vtx.ch) und Joel Frederiksen (www.joelfrederiksen.com), beide für sich schon
als Solisten international renommiert, haben zusammen
das Programm „Orpheus und Corinna“ entwickelt. Es erklangen bekannte,
aber auch weniger bekannte Lieder
der Renaissance aus Italien (u.a. Da Milano, Frescobaldi,
Caccini) und England (Dowland, Campion, Johnson), meisterlich
begleitet auf der Laute. Der wundervolle voluminöse
und ausdrucksstarke Bass von Joel Fredriksen klang weder
in den Tiefen noch den Höhen an irgendeiner Stelle
auch nur im Ansatz gequält. Die samtweiche und
klare Stimme von Christine Gabrielle stand dem in keiner
Hinsicht nach. Technisch brillant und ein akustischer
Genuss die Duette auf den Lauten und im begleiteten
Gesang!
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Vergleicht man das Programm
des Lautenfestivals mit einer Perlenkette, bei der jedes
einzelne Konzert eine auf der Schnur aufgereihte strahlende
Perle ist – wobei es wie bei den Perlen graduelle Unterschiede
gibt, auch in der Form -, so haben dieses Konzert sowie
das Abschlusskonzert von La luth enchantée dazu
beigetragen, einen besonderen Glanz und Gewicht zu schaffen!
La luth enchantée,
das sind Marion Fermé – Flöte (www.marionferme.net), Anna Kowalska - Laute und Barockgitarre sowie
Anton Birula - Laute und Theorbe (www.luteduo.com). Auf dieses Konzert hatte
ich mich besonders gefreut: Marion lebt und arbeitet
in Hamburg, Anna und Anton stammen aus St. Petersburg,
einer Partnerstadt meiner Heimatstadt Hamburg. Von daher
erwartete ich eine Art “Heimspiel”. Unter dem Titel
“Frankreich und Bach: Verbindendes und Trennendes” boten
La luth echantée
Musik von Couperin, Bach, Dieupart
und de Visée. Dass hier Freunde zusammen musizieren,
die ihre Instrumente perfekt beherrschen und die dargebotene
Musik auch durchdrungen haben, war schon vom ersten
Takt an zu spüren. Warm schmeichelnd die Flöte
von Marion, präzise wie ein Uhrwerk Laute und Barockgitarre
von Anna, harmonisch differenziert und exakt die Begleitung
von Anton auf Laute und Theorbe. Dass auch Anna Kowalska,
die unverkennbare Chefin auf der Bühne, mit dem
Auftritt zufrieden war, ließ sie nur ganz kurz
beim zur Recht aufbrausenden Applaus erkennen: kurz
kniff sie Marion ein Auge, nachdem sie Anton in einer
Andeutung zugenickt hatte.
Und damit war dann das Internationale
Festival der Laute in Füssen anlässlich des
10-jährigen Bestehens der Lautengesellschaft leider
auch schon wieder offiziell zu Ende. Da wir erst am
Montag fahren wollten, verblieb noch ein Nachmittag
in Füssen nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen
mit vielen Beteiligten. Mittlerweile haben sich die
gemeinsamen Essen sowie der Ausklang des Abends bei
einem Getränk zu einer festen Institution entwickelt.
Dabei lernt man dann auch viel über Flexibilität
- oder ihr Gegenteil – in Restaurants kennen. In diesem
Jahr hatten wir dabei keinen beklagenswerten Ausrutscher,
da ich die Erfahrungen des letzten Jahres berücksichtigen
konnte! So gehen Gruß und Dank an: Tiroler Weinstube, Gasthof Krone, Zum Hechten, Gastof zum Schwan und Restaurant Adler/Aquila sowie an den Gasthof Woaze.
Bei einem Verein wie der Lautengesellschaft,
dessen Arbeit über das Jahr eben durch viele e-mail-Kontakte
gekennzeichnet ist, ist der Bedarf an Austausch beim
Lautenfestival immer sehr groß. Hinzu kommt, dass
die auftretenden Künstlerinnen und Künstler
sowie die Referenten diese Angebot auch gern wahrnehmen.
Das ist auch gut so und muss bei der Organsiation der
kommenden Festivals auch wieder berücksichtigt
werden.
So ganz war das Festival musikalisch
für mich nach dem letzten Konzert noch nicht beendet.
Aus dem Refektorium, das die Aussteller eigentlich schon
geräumt hatten, erklang wunderschöne Lautenmusik!
Da saß Anna Kowalska und probierte eine 13-chörige
Schwanenhalsbarocklaute von Philippe Mottet-Rio (www.anselmus.ch), ein klanglich sehr ansprechendes
Instrument (nach Edlinger).
So ganz war das Festival auch
sonst noch nicht zu Ende. Auf der Fahrt von Füssen
nach München saßen wir im Zug zusammen mit
Martin aus Rendsburg und Udo aus Berlin, der von Wolfgang
(aus Bischofswerda) an den Zug gebracht worden war.
Martin hatte von seiner Zimmerwirtin zum Frühstück
den Ausriss mit der Berichterstattung aus der Allgäuer
Zeitung – Füssener Blatt vorgefunden. Udo hatte
sich eine Zeitung gekauft und so überfolgen wir
in aller Schnelle die Artikel.
Per Mobiltelefon wurde dann
Wolfgang noch informiert, sich auf jeden Fall auch die
Zeitung zu besorgen und ein Exemplar an mich zu senden.
Mit Fachsimpelei sowie Geschichten über und um
die Laute verflog die Zeit im Zug bis nach München
wie im Fluge. Die Zeit war lang genug um festzuhalten,
dass Oliver Holzenburg wieder ein ganz hervorragendes
Programm zusammengestellt hatte und die Zusammenarbeit
mit dem Museum der Stadt Füssen, mit Thomas Riedmiller
und seinem Team, erneut ganz hervorragend war.
Wir sind gespannt, was das
Internationale Festival der Laute in Kassel im kommenden Jahr bringen
wird …
Michael Treder Hamburg,
25.05.2006 |