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Der Vormittag war der Jahreshauptversammlung der DLG e.V. vorbehalten.
Von ihr wird sicherlich an anderer Stelle kompetent
berichtet werden.
Schon gegen Mittag hatte sich
das Refektorium des Museums mit den Ausstellern gefüllt.
So begann die Verkaufsausstellung für
Lauten, Gitarren, Noten und Tonträger faktisch viel früher als
ursprünglich vorgesehen. Der gute Zuspruch zur
Ausstellung spricht für sich. Das Interesse nicht
nur bei den Mitglieder der Lautengesellschaft war sehr
groß! Die Aussteller waren: Wolfgang Früh
– Instrumente Karl Kirchmeyr – Instrumente Piotr
und Pavel Kovlacze – Instrumente Josef Kreisel –
Instrumente Urs Langenbacher – Instrumente Stefan
Lundgren - Tonträger/Noten Günter Mark
– Instrumente Philippe Mottet-Rio – Instrumente
Sebastian Nunez – Instrumente Albert Reyerman –
Noten Andreas Schlegel - Tonträger/Noten
Jorge Sentierio – Instrumente Ekkehardt Stegmiller
- Instrumente/Noten/ Tonträger
Es
lässt sich leider nicht jedes Angebot beschreiben.
Es fehlte mir (leider) auch die Zeit, jedes Instrument
in die Hand zu nehmen und es anzuspielen bzw. die Publikationen
zur Hand zu nehmen. Daher nur ein übergreifender
Eindruck und einige Einzelhinweise: Albert Reyerman
(TREE-Edition) hatte wieder einen repräsentativen
Ausschnitt seiner Ausgaben parat. Stefan Lundgren bot
natürlich auch seine beiden nach wie vor hoch aktuellen
Standardwerke ("Lute-Companion" für die
Barocklaute und die Renaissance-Lautenschule) wie seine
aktuellen Ausgaben an. Ekkehard Stigmiller hatte nur
ein paar Appetithäppchen seines großen Bestandes,
zu dem auch eine Vielzahl an Werken
für das Consort-Spiel zählen, dabei. Es war
sehr gut, dass Miguel Serdoura aus Paris auch Publikationen
der befreundeten französischen Lautengesellschaft
mitgebracht hatte. Das war ein eindeutiger Gewinn im
Hinblick auch auf den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit
unter den Lautengesellschaften. Am Stand der DLG e.V.
wurden u.a. auch die schon erwähnten Rostocker
Ausgaben vorgehalten wie die pünktlich zum Festival
erschienene Corbetta-Ausgabe (www.lautengesellschaft.de).
An einem besonderen Publikations-Projekt
arbeitet Andreas Schlegel. Seine Idee, ein Buch über
die Laute und ihre Geschichte zu publizieren, das zugleich
Interessierten einen appetitanregenden Einstieg in die
Lautenwelt vermittelt als auch versierten Lautenistinnen
und Lautenisten noch Neuigkeiten zu präsentieren
hat, ist inzwischen so weit von ihm vorangetrieben worden,
dass die Drucklegung wohl nicht mehr lange auf sich
warten lassen dürfte. Eine sehens- und lesenswerte
Kostprobe gab es auf dem mitgebrachten Laptop einzusehen.
Günter Mark hatte, die
Diskussion aus der Jahreshauptversammlung des vergangenen
Jahres über die Nachwuchsförderung aufgreifend,
den Prototyp einer Kinderlaute (Richtung Diskantlaute)
gebaut und ließ dieses Instrument von Lautenlehrerinnen
und Lautenlehrern auf die Praxistauglichkeit hin prüfen.
Das tat dann auch unser 9-jähriger „um-10.000-Ecken-Fastneffe“
Sebastian, der mit seinen Eltern, unseren Freunden,
aus Pfaffenhofen
angereist war, um am Familien- und Kinderkonzert teilzunehmen
und überhaupt als angehender E-Gitarrist einmal
diese Welt wahrzunehmen. Beim Sebastian hat das Instrument
bestanden: kurz in die Hand genommen, angezupft, wieder
hingelegt: „Ja, geht!“ Die Herausforderungen waren ja
auch zu groß. Nicht nur mir stockte gelegentlich
der Atem, wenn Sebastian ein Instrument mit Augen, Ohren
und seinen flinken Händen erkundete. Übrigens
führt Günter Mark auch in diesem Jahr wieder
den Lautenbaukurs unter dem Dache der DLG e.V. durch.
Gebaut wird eine 11-chörige Barocklaute nach Thielke.
Weitere Informationen hier: Baukurs.
Es war gut, einmal wieder so
viele Instrumente im direkten Vergleich sehen zu können.
Und das Vergleichen brauchen die Instrumentenbauer nicht
zu scheuen! Der zeitweilig sehr große Andrang
ließ es aber leider nicht zu, die Instrumente
dann auch im direkten Vergleich anzuspielen. Dies wurde
von einigen Interessierten sehr bedauert. Vielleicht
wird sich dafür ja bei den nächsten Festivals
eine Lösung finden. Ich hoffe auf jeden Fall, dass
die Instrumentenbauer auch weiterhin in so großer
Zahl am Festival teilnehmen werden wie diesmal!
Für einen Besuch der Veranstaltung
“Über die Zukunft der
Laute – Bestandsaufnahme und Perspektiven für die
Zukunft/Gespräch bei Kaffee und Kuchen” blieb mir keine Zeit.
Dr. Frank Legl, der mit seinen Forschungen
zur Biographie von Silvius Leopold Weiss wesentliche
Aspekte zu unseren heutigen Kenntnissen über das
Leben dieses bedeutendsten Lautenkomponisten des Barock
hat beitragen können, widmete sich in seinem Vortrag
im Kolloquium des Museums den Silivius Leopold Weiss
betreffenden Einträgen im Taufregister der katholischen
Hofkirche in Dresden. In dem Register gibt es nicht
nur Einträge, die die Kinder des Ehepaares Weiss
betreffen. Es finden sich auch Einträge, in denen
Silvius Leopold Weiss oder seine Ehefrau als Taufpaten
fungierten. Was Frank Legl selbstironisch als erste
Ergebnisse einer „staubtrockenen Quellenarbeit“ angekündigte,
war (natürlich) wieder ein spannender Vortrag,
in dem nicht zuletzt auch eine Facette der soziale Einbindung
der Familie S.L. Weiss deutlich wurde. Hoffentlich wird
dieser Vortrag möglichst schnell veröffentlicht.
Zwei, die sich schon
seit längerer Zeit kennen, hatten anlässlich des
letztjährigen Festivals in Füssen die Köpfe
zusammengesteckt und miteinander getuschelt: Anthony Bailes und Frank Legl. Aus der Tuschelei entstand
das kommentierend-erläuternde Vortragskonzert „Gigue gespiegelt“. Musikalisch
und interpretatorisch suchten sich die beiden mit einem
Bild aus der Sammlung der Galleria dell´Accademia
in Florenz auseinander zu setzen. Das Bild wird dem
Maler Anton Domenico Gabbiani (1652 – 1726) zugeschrieben
und zeigt einen (unbekannten?) jungen Lautenisten, der
mit dem Zeigefinger seiner geöffneten linken Hand auf
eine vor ihm liegende Tabulatur weist. Das Gespann Legl/Bailes
verstand es trefflich, die Zuhörerinnen und Zuhörer
(das Colloquium war deutlich überfüllt!) an
das Fragen zu so einem Bild heranzuführen. Viel
zu selbstverständlich werden sonst ja optische
und akustische Eindrücke wahrgenommen. In unserer
Welt der permanenten Reizüberflutungen wird ja
kaum noch eingehalten, wirklich geschaut und/oder zugehört,
gefragt und hinterfragt. Anthony Bailes und Frank Legl
verstanden es meisterlich, ihre Informationen und Interpretationen
zu präsentieren und damit anzuregen, auch einmal
auf Entdeckungstour zu gehen.
Auch in diesem Jahr haben Beate Dittmann (www.musikstudio-dittmann.de) und Alexander Löwe (www.alexander-loewe.de) (Lauten) zusammen mit Margarethe Möbius (Tanz) das Kinder- und Familienkonzert
angeboten. Im Fürstensaal:
des Museums hieß es: zuhören, aufpassen,
fragen, mitmachen, sich an Musik, Erklärungen und
gemeinsamem Tanz erfreuen! Zum Mitmachen hatte das Trio
zwei Tänze aus dem berühmten Tanzmeisterbuch
von John Playford („The English Dancing Master“, 1651)
ausgewählt: „Upon a Summer´s Day“ und „Jenny
Pluck Pears“. Es war schon eine Freude, hier sehr jung,
jung, älter und noch etwas älter friedlich
vereint beieinander zu sehen! Als es zum Tanzen ging,
blieben wirklich nur diejenigen wenigen sitzen, die
heftig ein Zipperlein plagte. Die anderen waren mit
strahlenden Augen konzentriert bei der Sache und hätten
gern weitergemacht, wie mir glaubhaft versichert wurde.
Das Kinder- und Familienkonzert hat sich als fester
Bestandteil des Festivals, der sehr gut angenommen wird
etablieren können. Das liegt sicherlich auch an
dem ausgezeichneten Zusammenspiel von Beate Dittmann,
Margarethe Möbius und Alexander Löwe!
Die Abendsequenz
wurde begonnen mit einem Solokonzert auf der Barocklaute.
Der junge in Paris lebende, aus Portugal stammende
Lautenist Miguel Serdoura (www.miguelserdoura.com) war die Überraschung
des Lautenfestivals 2005 in Füssen. Technisch brilliant
und interpretatorisch sicher, hatte er im vergangenen
Jahr Musik aus der Spätzeit des Instruments dargeboten.
Leider spielte er am Sonntagnachmittag unter einem an
Schwindsucht leidenden Publikum, das mit Richtung Bahnhof
Füssen abbröckelte. Das konnte diesmal nicht
passieren! So kam das den Fürstensaal bis auf den
letzten Platz füllende Publikum in den Genuss von
Chaconnen, Passacaillen, Ronden und Variationen. Der
zeitliche und stilistische Bogen reichte von Ennemont
Gautier (1557 – 1651) über Sylvius Leopold Weiss
(1686 – 1750) bis hin zu David Kellner (1670 – 1748);
Zwischenstationen gab es mit Robert de Visee und Francois
Couperin. Der brausende Applaus des Publikums wurde
natürlich mit einer Zugabe vergolten!
Stefan Lundgren
(Theorbe), Lautenist, Herausgeber und Komponist (www.luteonline.de),
und Melanie Poser
(Tanz) beschlossen die Abendsequenz mit „Neuen Tänzen
und Klängen aus dem Norden – Trollsuite – Improvisation“.
Die Musik von Stefan Lundgren ist für mich jedes
Mal wieder etwas gewöhnungsbedürftig; ich
nenne es: sie ist sehr „nordisch“, charakterisiert durch
ostinate Schwermut. Melanie Poser hatte ich im letzten
Jahr bei der „Hock“ in der Werkstatt von Urs Langenbacher
und Pierre Chaubert (www.urs-langenbacher.de)
kennen gelernt, als sie zu den Klängen irisch-schottischer
Musik der Spontanformation Cordula Wagner (Geige), Sebastian
Nunez (http://home.hetnet.nl)
(Gitarre) und Mathias Rösel (Laute) gekonnt einen
Tanz improvisierte. Auf diese Kombination Lundgren –
Poser war ich sehr gespannt. Für mich war das Programm
dann eine angenehme Überraschung: Musik und Tanz
verwoben sich harmonisch miteinander, die Troll-Suite
nahm Bilder an, die durch den Tanz erzeugten Bilder
ergänzten die Musik. Die vorab verteilte Beschreibung
war zutreffend:
„Die „Trollsuite“ will locken, verwirren
und bezaubern. Sie will uns eine Geschichte erzählen,
wie sie vielleicht in einer Zeit stattgefunden haben
könnte, als es in der Natur noch märchenhafte
Wesen gab: Eine Geschichte einer Liebe
zwischen einem Troll und einer Elfe. Eine elfische Gestalt
lädt die Zuschauer ein, sich in eine
andere Welt zu begeben: In zauberhafte, verborgene schwedische
Wälder, alles hinter sich zu lassen und nur der
Geschichte zu lauschen, die die Bäume mit der Stimme
der Theorbe erzählen.“ Es blieb nicht aus, dass
diese Darbietung noch am Abend und am folgenden Tage
kontrovers diskutiert wurde. Gerade das ist aber für
mich auch Indikator dafür, dass eine solche Aufführung
ihren Platz im Festivalprogramm haben muss!
Mit
großer Selbstverständlichkeit hatten Urs
Langenbacher und Pierre Chaubert
wieder ihre Gemeinschaftswerkstatt für die „Hock“/den
„Absacker“ zur Verfügung gestellt. So zog denn
die Karawane vom Museum der Stadt zur Schrannengasse
in das ehemalige Kornhaus, das zuletzt auch als Feuerwehrhaus
diente und jetzt im Untergeschoss einen lukullischen
Marktplatz beherbergt. Albert Reyerman
(TREE-EDITION), Alexander Löwe
(www.alexander-loewe.de) und Werner
Bogula (www.bogulamedia.de) haben diesen Abend durch finanzielles
Engagement ermöglicht. Ihnen
allen sei herzlich gedankt! Wenn man bei Instrumentenbauern
sitzt, dauert es nicht lange, und die Musik beginnt.
Sebastian Nunez griff, diesmal sogar präpariert
und eingedeckt mit genügend Text- und Notenmaterial,
um mindestens bis Mitte der kommenden Woche vorbereitet
zu sein, zur Gitarre. Zuerst wurden einschmeichelnde
Weisen gezupft, dann dazu gesungen und – es konnte nicht
ausbleiben bei den beschwingenden Weisen – auch getanzt. Ursula
Domning hatte sich wohl vorgenommen, mit jedem der anwesenden
Herren (und derer waren sehr viele!) zumindest einen
Tanz zu wagen. So traf es denn ganz zum Schluss auch
mich nach dem hier abgebildeten Tanz mit Miguel Serdoura!
Nur gut, dass ich den köstlichen Wein in Maßen
genossen hatte… Entsprechend schafften Katrin, Helga
und ich zu früher Stunde den Weg ins Hotel auch
ohne größere Probleme. |