.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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26.05.2006

 

 

Internationales Festival der Laute

19. bis 21. Mai 2006

 

- Sonnabend, 20.05.2006 -

 

 

Der Vormittag war der Jahreshauptversammlung der DLG e.V. vorbehalten. Von ihr wird sicherlich an anderer Stelle kompetent berichtet werden.

Schon gegen Mittag hatte sich das Refektorium des Museums mit den Ausstellern gefüllt. So begann die Verkaufsausstellung für Lauten, Gitarren, Noten und Tonträger faktisch viel früher als ursprünglich vorgesehen. Der gute Zuspruch zur Ausstellung spricht für sich. Das Interesse nicht nur bei den Mitglieder der Lautengesellschaft war sehr groß! 

Die Aussteller waren:
Wolfgang Früh – Instrumente
Karl Kirchmeyr – Instrumente
Piotr und Pavel Kovlacze – Instrumente
Josef Kreisel – Instrumente
Urs Langenbacher – Instrumente
Stefan Lundgren - Tonträger/Noten
Günter Mark – Instrumente
Philippe Mottet-Rio – Instrumente
Sebastian Nunez – Instrumente
Albert Reyerman – Noten
Andreas Schlegel - Tonträger/Noten
Jorge Sentierio – Instrumente
Ekkehardt Stegmiller - Instrumente/Noten/ Tonträger

Eine, der mehr Zeit hatte ...Es lässt sich leider nicht jedes Angebot beschreiben. Es fehlte mir (leider) auch die Zeit, jedes Instrument in die Hand zu nehmen und es anzuspielen bzw. die Publikationen zur Hand zu nehmen. Daher nur ein übergreifender Eindruck und einige Einzelhinweise: Albert Reyerman (TREE-Edition) hatte wieder einen repräsentativen Ausschnitt seiner Ausgaben parat. Stefan Lundgren bot natürlich auch seine beiden nach wie vor hoch aktuellen Standardwerke ("Lute-Companion" für die Barocklaute und die Renaissance-Lautenschule) wie seine aktuellen Ausgaben an. Ekkehard Stigmiller hatte nur ein paar Appetithäppchen seines großen Bestandes, zu dem auch eine Vielzahl an Giovanni, völlig versunken ...Werken für das Consort-Spiel zählen, dabei. Es war sehr gut, dass Miguel Serdoura aus Paris auch Publikationen der befreundeten französischen Lautengesellschaft mitgebracht hatte. Das war ein eindeutiger Gewinn im Hinblick auch auf den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit unter den Lautengesellschaften. Am Stand der DLG e.V. wurden u.a. auch die schon erwähnten Rostocker Ausgaben vorgehalten wie die pünktlich zum Festival erschienene Corbetta-Ausgabe (www.lautengesellschaft.de). 

An einem besonderen Publikations-Projekt arbeitet Andreas Schlegel. Seine Idee, ein Buch über die Laute und ihre Geschichte zu publizieren, das zugleich Interessierten einen appetitanregenden Einstieg in die Lautenwelt vermittelt als auch versierten Lautenistinnen und Lautenisten noch Neuigkeiten zu präsentieren hat, ist inzwischen so weit von ihm vorangetrieben worden, dass die Drucklegung wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Eine sehens- und lesenswerte Kostprobe gab es auf dem mitgebrachten Laptop einzusehen. 

Günter Mark hatte, die Diskussion aus der Jahreshauptversammlung des vergangenen Jahres über die Nachwuchsförderung aufgreifend, den Prototyp einer Kinderlaute (Richtung Diskantlaute) gebaut und ließ dieses Instrument von Lautenlehrerinnen und Lautenlehrern auf die Praxistauglichkeit hin prüfen. Das tat dann auch unser 9-jähriger „um-10.000-Ecken-Fastneffe“ Sebastian, der mit seinen Eltern, unseren Freunden, aus Sebastian Nunez und Sebastian aus PfaffenhofenPfaffenhofen angereist war, um am Familien- und Kinderkonzert teilzunehmen und überhaupt als angehender E-Gitarrist einmal diese Welt wahrzunehmen. Beim Sebastian hat das Instrument bestanden: kurz in die Hand genommen, angezupft, wieder hingelegt: „Ja, geht!“ Die Herausforderungen waren ja auch zu groß. Nicht nur mir stockte gelegentlich der Atem, wenn Sebastian ein Instrument mit Augen, Ohren und seinen flinken Händen erkundete.  Übrigens führt Günter Mark auch in diesem Jahr wieder den Lautenbaukurs unter dem Dache der DLG e.V. durch. Gebaut wird eine 11-chörige Barocklaute nach Thielke. Weitere Informationen hier: Baukurs.

Es war gut, einmal wieder so viele Instrumente im direkten Vergleich sehen zu können. Und das Vergleichen brauchen die Instrumentenbauer nicht zu scheuen! Der zeitweilig sehr große Andrang ließ es aber leider nicht zu, die Instrumente dann auch im direkten Vergleich anzuspielen. Dies wurde von einigen Interessierten sehr bedauert. Vielleicht wird sich dafür ja bei den nächsten Festivals eine Lösung finden. Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Instrumentenbauer auch weiterhin in so großer Zahl am Festival teilnehmen werden wie diesmal! 

JubiläumsrundeFür einen Besuch der Veranstaltung “Über die Zukunft der Laute – Bestandsaufnahme und Perspektiven für die Zukunft/Gespräch bei Kaffee und Kuchen” blieb mir keine Zeit.

 

 

Dr. Frank Legl, der mit seinen Forschungen zur Biographie von Silvius Leopold Weiss wesentliche Aspekte zu unseren heutigen Kenntnissen über das Leben dieses bedeutendsten Lautenkomponisten des Barock hat beitragen können, widmete sich in seinem Vortrag im Kolloquium des Museums den Silivius Leopold Weiss betreffenden Einträgen im Taufregister der katholischen Hofkirche in Dresden. In dem Register gibt es nicht nur Einträge, die die Kinder des Ehepaares Weiss betreffen. Es finden sich auch Einträge, in denen Silvius Leopold Weiss oder seine Ehefrau als Taufpaten fungierten. Was Frank Legl selbstironisch als erste Ergebnisse einer „staubtrockenen Quellenarbeit“ angekündigte, war (natürlich) wieder ein spannender Vortrag, in dem nicht zuletzt auch eine Facette der soziale Einbindung der Familie S.L. Weiss deutlich wurde. Hoffentlich wird dieser Vortrag möglichst schnell veröffentlicht.  

Anthony BailesZwei, die sich schon seit längerer Zeit kennen, hatten anlässlich des letztjährigen Festivals in Füssen die Köpfe zusammengesteckt und miteinander getuschelt: Anthony Bailes und Frank Legl. Aus der Tuschelei entstand das kommentierend-erläuternde Vortragskonzert „Gigue gespiegelt“.  Musikalisch und interpretatorisch suchten sich die beiden mit einem Bild aus der Sammlung der Galleria dell´Accademia in Florenz auseinander zu setzen. Das Bild wird dem Maler Anton Domenico Gabbiani (1652 – 1726) zugeschrieben und zeigt einen (unbekannten?) jungen Lautenisten, der mit dem Zeigefinger seiner geöffneten Bild von Gabbiani?linken Hand auf eine vor ihm liegende Tabulatur weist. Das Gespann Legl/Bailes verstand es trefflich, die Zuhörerinnen und Zuhörer (das Colloquium war deutlich überfüllt!) an das Fragen zu so einem Bild heranzuführen. Viel zu selbstverständlich werden sonst ja optische und akustische Eindrücke wahrgenommen. In unserer Welt der permanenten Reizüberflutungen wird ja kaum noch eingehalten, wirklich geschaut und/oder zugehört, gefragt und hinterfragt. Anthony Bailes und Frank Legl verstanden es meisterlich, ihre Informationen und Interpretationen zu präsentieren und damit anzuregen, auch einmal auf Entdeckungstour zu gehen. 

Auch in diesem Jahr haben Beate Dittmann (www.musikstudio-dittmann.de) und Alexander Löwe (www.alexander-loewe.de) (Lauten) zusammen mit Margarethe Möbius (Tanz) das Kinder- und Familienkonzert angeboten. Im Fürstensaal: des Museums hieß es: zuhören, aufpassen, fragen, mitmachen, sich an Musik, Erklärungen und gemeinsamem Tanz erfreuen! Zum Mitmachen hatte das Trio zwei Tänze aus dem berühmten Tanzmeisterbuch von John Playford („The English Dancing Master“, 1651) ausgewählt: „Upon a Summer´s Day“ und „Jenny Pluck Pears“. Es war schon eine Freude, hier sehr jung, jung, älter und noch etwas älter friedlich vereint beieinander zu sehen! Als es zum Tanzen ging, blieben wirklich nur diejenigen wenigen sitzen, die heftig ein Zipperlein plagte. Die anderen waren mit strahlenden Augen konzentriert bei der Sache und hätten gern weitergemacht, wie mir glaubhaft versichert wurde. Das Kinder- und Familienkonzert hat sich als fester Bestandteil des Festivals, der sehr gut angenommen wird etablieren können. Das liegt sicherlich auch an dem ausgezeichneten Zusammenspiel von Beate Dittmann, Margarethe Möbius und Alexander Löwe! 

Miguel SerdouraDie Abendsequenz wurde begonnen mit einem Solokonzert auf der Barocklaute.  Der junge in Paris lebende, aus Portugal stammende Lautenist Miguel Serdoura (www.miguelserdoura.com) war die Überraschung des Lautenfestivals 2005 in Füssen. Technisch brilliant und interpretatorisch sicher, hatte er im vergangenen Jahr Musik aus der Spätzeit des Instruments dargeboten. Leider spielte er am Sonntagnachmittag unter einem an Schwindsucht leidenden Publikum, das mit Richtung Bahnhof Füssen abbröckelte. Das konnte diesmal nicht passieren! So kam das den Fürstensaal bis auf den letzten Platz füllende Publikum in den Genuss von Chaconnen, Passacaillen, Ronden und Variationen. Der zeitliche und stilistische Bogen reichte von Ennemont Gautier (1557 – 1651) über Sylvius Leopold Weiss (1686 – 1750) bis hin zu David Kellner (1670 – 1748); Zwischenstationen gab es mit Robert de Visee und Francois Couperin. Der brausende Applaus des Publikums wurde natürlich mit einer Zugabe vergolten!

Stefan LundgrenStefan Lundgren (Theorbe), Lautenist, Herausgeber und Komponist (www.luteonline.de), und Melanie Poser (Tanz) beschlossen die Abendsequenz mit „Neuen Tänzen und Klängen aus dem Norden – Trollsuite – Improvisation“. Die Musik von Stefan Lundgren ist für mich jedes Mal wieder etwas gewöhnungsbedürftig; ich nenne es: sie ist sehr „nordisch“, charakterisiert durch ostinate Schwermut. Melanie Poser hatte ich im letzten Jahr bei der „Hock“ in der Werkstatt von Urs Langenbacher und Pierre Chaubert (www.urs-langenbacher.de) kennen gelernt, als sie zu den Klängen irisch-schottischer Musik der Spontanformation Cordula Wagner (Geige), Sebastian Nunez (http://home.hetnet.nl) (Gitarre) und Mathias Rösel (Laute) gekonnt einen Tanz improvisierte. Auf diese Kombination Lundgren – Poser war ich sehr gespannt. Für mich war das Programm dann eine angenehme Überraschung: Musik und Tanz verwoben sich harmonisch miteinander, die Troll-Suite nahm Bilder an, die durch den Melanie PoserTanz erzeugten Bilder ergänzten die Musik. Die vorab verteilte Beschreibung war zutreffend: Die „Trollsuite“ will locken, verwirren und bezaubern. Sie will uns eine Geschichte erzählen, wie sie vielleicht in einer Zeit stattgefunden haben könnte, als es in der Natur noch märchenhafte Wesen gab: Eine Geschichte einer Liebe zwischen einem Troll und einer Elfe. Eine elfische Gestalt lädt die Zuschauer ein, sich in eine andere Welt zu begeben: In zauberhafte, verborgene schwedische Wälder, alles hinter sich zu lassen und nur der Geschichte zu lauschen, die die Bäume mit der Stimme der Theorbe erzählen.“ Es blieb nicht aus, dass diese Darbietung noch am Abend und am folgenden Tage kontrovers diskutiert wurde. Gerade das ist aber für mich auch Indikator dafür, dass eine solche Aufführung ihren Platz im Festivalprogramm haben muss!

Mit großer Selbstverständlichkeit hatten Urs Langenbacher und Pierre Chaubert wieder ihre Gemeinschaftswerkstatt für die „Hock“/den „Absacker“ zur Verfügung gestellt. So zog denn die Karawane vom Museum der Stadt zur Schrannengasse in das ehemalige Kornhaus, das zuletzt auch als Feuerwehrhaus diente und jetzt im Untergeschoss einen lukullischen Marktplatz beherbergt. Albert Reyerman (TREE-EDITION), Alexander Löwe (www.alexander-loewe.de) und Werner Bogula (www.bogulamedia.de) haben diesen Abend durch finanzielles Engagement ermöglicht. Zu fortgeschrittener Stunde ...Ihnen allen sei herzlich gedankt! Wenn man bei Instrumentenbauern sitzt, dauert es nicht lange, und die Musik beginnt. Sebastian Nunez griff, diesmal sogar präpariert und eingedeckt mit genügend Text- und Notenmaterial, um mindestens bis Mitte der kommenden Woche vorbereitet zu sein, zur Gitarre. Zuerst wurden einschmeichelnde Weisen gezupft, dann dazu gesungen und – es konnte nicht ausbleiben bei den beschwingenden Weisen – auch Ursual und Miguelgetanzt. Ursula Domning hatte sich wohl vorgenommen, mit jedem der anwesenden Herren (und derer waren sehr viele!) zumindest einen Tanz zu wagen. So traf es denn ganz zum Schluss auch mich nach dem hier abgebildeten Tanz mit Miguel Serdoura! Nur gut, dass ich den köstlichen Wein in Maßen genossen hatte… Entsprechend schafften Katrin, Helga und ich zu früher Stunde den Weg ins Hotel auch ohne größere Probleme.

 

 

 

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