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Für mich auch Ausdruck
der Wertschätzung der Zusammenarbeit war die erneute
Eröffnung des Festivals durch Bürgermeister Gangl
im für die Tageszeit (16:30
Uhr) schon gut gefülltem Fürstensaal, dessen
barocke Pracht dem Auge Vielerlei zu endecken gibt und
dessen gute Akustik die Differenzierung der ganz unterschiedlichen
Darbietungen unterstützen half.
Das diesjährige Eröffnungskonzert
wurde gestaltet vom Duo Birgit Schwab (Arciliuto und Barocklaute)
und Daniel Ahlert (Mandoline). Unter dem Titel
"Rendevouz Barock" wurden Werke von Capponi,
Corelli und Weiss präsentiert. Der Reiz der Konzerte
des Duos liegt nicht nur in ihrem Können, es ist
vielmehr auch der dem Ohr schmeichelnde Klang, der durch
die Kombination von Barockmandoline und Laute entsteht.
Schwab-Ahlert sind weder international noch
beim Lautenfestival Unbekannte: schon 2003 waren sie
in Köln in der Eröffnungssequenz mit dabei.
In Füssen haben sie mit
der Präsentation des von ihnen um die Melodiestimme
komplettierten Ensemblestückes von S.L. Weiss (Sonata
Nr. 20, d-moll, Suite “1719” aus
dem Londoner Manuskript) gleich zwei Akzente setzen
können: zum einen durch die gelungene Ergänzung
der Lautenbegleitung um die Melodiestimme, zum anderen
durch ihr seit Köln noch weiter ausgefeiltes Zusammenspiel
(www.ahlert-schwab.de).
Eine der Aufgaben, die sich die Deutsche
Lautengesellschaft e.V. gestellt hat, ist die Herausgabe
seltener oder schwer zugänglicher Literatur für
oder über die Laute bzw. Lautenmusik. Zu den bereits
vorliegenden zwei Ausgaben von Lautentabulaturen aus
den Beständen der Rostocker Universitätsbiblothek
(Pieces choisies pour le Lut,
Universitätsbibliothek Rostock, Mus. saec. XVIII
65. 6a-z; hrsg. von Joachim Domning (1999); FAKSIMILE DES LAUTENBUCHES.
Rostock Mus.Saec.XVII.18.-52.2 ; herausgegeben von Markus Lutz)
ist die Herausgabe des Manuskriptes Mus.Saec. XVI-18.-53.1A+B in Planung. Diese Manuskript
enthält, wie beide bereits vorliegenden Ausgaben,
gut spielbares Material für die Barocklaute.
Markus Lutz, der wieder als Herausgeber
fungiert und auch für die musikwissenschaftliche
Aufarbeitung sorgt, präsentierte erste Ergebnisse
seiner Analysen des Manuskriptes und bot auch eine für
Laien gleichermaßen interessante wie nachvollziehbare
Einführung in die Welt von Manuskripten für
die Barocklaute. Ob denn die Gigue in c-moll, die in
einer der S.L. Weiss sehr stark ähnelnden Handschrift
notiert ist, tatsächlich von ihm persönlich
niedergelegt wurde oder hier jemand am Werke war, der
die Handschrift von S.L. Weiss nur (gekonnt) imitieren
wollte, ist nur eine der Fragen, denen es bei der weiteren
Erschließung des Manuskriptes nachzugehen gilt.
(www.slweiss.com und www.die-soehne-edgars.de).
Die Abendsequenz am Freitag bot ein Kontrastprogramm,
das die Vielfalt der Lautenliteratur und des Lautenspiels
in Ansätzen erahnen ließ. Den Auftakt gab
AndreasMartin mit Werken von J.S. Bach.
Nur wenige Stücke hat Bach für die Laute gesetzt.
Sie erfordern durchgängig eine hervorragende Beherrschung
des Instrumentes unter technischen wie gestalterischen
Gesichtspunkten. Andreas Martin spielte nicht auf der
Barocklaute oder der angekündigten Theorbe, sondern
setzte sein neues Arciliuto ein. Es gelang ihm, die
Suite g-moll (BWV 995), Präludium, Fuge und Allegro
Es-Dur (BWV 998) und die Suite c-moll (BWV 997) mit
– auch bedingt durch das gewählte Instrument
– großer Transparenz zu spielen und
damit sowohl einen analytischen wie emotionalen Zugang
zu diesen Werken, die nicht gerade zur leichten Koste
des Lautenrepertoires gehören, zu ermöglichen
(www.theorbe.com).
Dem auch dem Publikum sehr
hohe Konzentration abfordernden Solo mit Barockmusik
folgte das quirrlige Renaissance-Trio "Pantagruel"
(Hanna Morrison - Gesang, Dominik Schneider - Floeten und Gittern, Mark Wheeler - Laute, Gittern und Cittern).
Für die halb-szenische Darbietung kostümiert,
trafen die drei schon mit dem ersten Lied auf begeisterte
Resonanz im Publikum.
Broadside-Ballads,
Ayres und Dances aus dem elisabethanischen Zeitalter
wurden gekonnt und mitreißend dargeboten. Der
klare, raumfüllende Sopran von Hanna Morrison war
schon für sich mit der instrumentalen Begleitung
ein Genuss. Als Dominik Schneider hierzu bei einem Lied
gesanglich sonor eine Basslinie dagegen setzte, habe
zumindest ich mir gewünscht, es würde mehr
solcher Arrangements im Programm geben. Mit leichter
Hand und großer Präzision führte Mark
Wheeler die Gruppe und gab seiner Partnerin und seinem
Partner viel Raum, ihr musikalisches Können zu
entfalten. Der stürmische Applaus war in jeder
Hinsicht verdient (www.pantagruel.de)!
Bei
"Oil of Barley or a cup of old stingo" hatte
Pantagruel auf der Bühne schon die
Wirkung übermäßigen Tabak- und Alkoholkonsums
angedeutet. Diese Darbietung hatten dann wohl auch all
diejenigen noch vor Augen, die zur "Hock"
(dem "Absacker", wie es in Norddeutschland
heißt) mit in die "Tiroler Weinstuben"
kamen. Es wurde ein sehr fröhlicher, auch etwas
feuchter, doch alkoholisch nicht nasser, dafür
aber langer Ausklang des ersten Festivaltages. Auf dem
Heimweg erwartete uns allerdings norddeutsches Wetter:
es regnete...
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