.Livre du Luth des Pater Hermien Kniebandl 

Tabulaturen für Laute und Gitarre - Tablatures for the Lute and the Guitar

Barock und "Galante Musik" - Baroque age and "Galant music"

 



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26.05.2006

 

 

Internationales Festival der Laute

19. bis 21. Mai 2006

 

- Freitag, 19.05.2006 -

 

 

Für mich auch Ausdruck der Wertschätzung der Zusammenarbeit war die erneute Eröffnung des Festivals durch Bürgermeister Gangl im für die Tageszeit (16:30 Uhr) schon gut gefülltem Fürstensaal, dessen barocke Pracht dem Auge Vielerlei zu endecken gibt und dessen gute Akustik die Differenzierung der ganz unterschiedlichen Darbietungen unterstützen half.

Das diesjährige Eröffnungskonzert wurde gestaltet vom Duo Birgit Schwab (Arciliuto und Barocklaute) und Daniel Ahlert (Mandoline). Unter dem Titel "Rendevouz Barock" wurden Werke von Capponi, Corelli und Weiss präsentiert. Der Reiz der Konzerte des Duos liegt nicht nur in ihrem Können, es ist vielmehr auch der dem Ohr schmeichelnde Klang, der durch die Kombination von Barockmandoline und Laute entsteht. Schwab-Ahlert sind weder international noch beim Lautenfestival Unbekannte: schon 2003 waren sie in Köln in der Eröffnungssequenz mit dabei.
 

 

Duo Daniel Ahlert und Birgit Schwab

 

In Füssen haben sie mit der Präsentation des von ihnen um die Melodiestimme komplettierten Ensemblestückes von S.L. Weiss (Sonata Nr. 20, d-moll, Suite “1719” aus dem Londoner Manuskript) gleich zwei Akzente setzen können: zum einen durch die gelungene Ergänzung der Lautenbegleitung um die Melodiestimme, zum anderen durch ihr seit Köln noch weiter ausgefeiltes Zusammenspiel (www.ahlert-schwab.de).

Eine der Aufgaben, die sich die Deutsche Lautengesellschaft e.V. gestellt hat, ist die Herausgabe seltener oder schwer zugänglicher Literatur für oder über die Laute bzw. Lautenmusik. Zu den bereits vorliegenden zwei Ausgaben von Lautentabulaturen aus den Beständen der Rostocker Universitätsbiblothek (Pieces choisies pour le Lut, Universitätsbibliothek Rostock, Mus. saec. XVIII 65. 6a-z; hrsg. von Joachim Domning (1999); FAKSIMILE  DES  LAUTENBUCHES. Rostock Mus.Saec.XVII.18.-52.2 ; herausgegeben von Markus Lutz) ist die Herausgabe des Manuskriptes Mus.Saec. XVI-18.-53.1A+B in Planung. Diese Manuskript enthält, wie beide bereits vorliegenden Ausgaben, gut spielbares Material für die Barocklaute. 

Markus LutzMarkus Lutz, der wieder als Herausgeber fungiert und auch für die musikwissenschaftliche Aufarbeitung sorgt, präsentierte erste Ergebnisse seiner Analysen des Manuskriptes und bot auch eine für Laien gleichermaßen interessante wie nachvollziehbare Einführung in die Welt von Manuskripten für die Barocklaute. Ob denn die Gigue in c-moll, die in einer der S.L. Weiss sehr stark ähnelnden Handschrift notiert ist, tatsächlich von ihm persönlich niedergelegt wurde oder hier jemand am Werke war, der die Handschrift von S.L. Weiss nur (gekonnt) imitieren wollte, ist nur eine der Fragen, denen es bei der weiteren Erschließung des Manuskriptes nachzugehen gilt. (www.slweiss.com und www.die-soehne-edgars.de). 

Die Abendsequenz am Freitag bot ein Kontrastprogramm, das die Vielfalt der Lautenliteratur und des Lautenspiels in Ansätzen erahnen ließ. Den Auftakt gab AndreasMartin mit Werken von J.S. Bach. Nur wenige Stücke hat Bach für die Laute gesetzt. Sie erfordern durchgängig eine hervorragende Beherrschung des Instrumentes unter technischen wie gestalterischen Gesichtspunkten. Andreas Martin spielte nicht auf der Barocklaute oder der angekündigten Theorbe, sondern setzte sein neues Arciliuto ein. Es gelang ihm, die Suite g-moll (BWV 995), Präludium, Fuge und Allegro Es-Dur (BWV 998) und die Suite c-moll (BWV 997) mit – auch bedingt durch das gewählte Instrument – großer Transparenz zu spielen und damit sowohl einen analytischen wie emotionalen Zugang zu diesen Werken, die nicht gerade zur leichten Koste des Lautenrepertoires gehören, zu ermöglichen (www.theorbe.com). 

Dem auch dem Publikum sehr hohe Konzentration abfordernden Solo mit Barockmusik folgte das quirrlige Renaissance-Trio "Pantagruel" (Hanna Morrison - Gesang, Dominik Schneider - Floeten und Gittern, Mark Wheeler - Laute, Gittern und Cittern). Für die halb-szenische Darbietung kostümiert, trafen die drei schon mit dem ersten Lied auf begeisterte Resonanz im  Publikum.

Hanna Morrison und Dominik SchneiderBroadside-Ballads, Ayres und Dances aus dem elisabethanischen Zeitalter wurden gekonnt und mitreißend dargeboten. Der klare, raumfüllende Sopran von Hanna Morrison war schon für sich mit der instrumentalen Begleitung ein Genuss. Als Dominik Schneider hierzu bei einem Lied gesanglich sonor eine Basslinie dagegen setzte, habe zumindest ich mir gewünscht, es würde mehr solcher Arrangements im Programm geben. Mit leichter Hand und großer Präzision führte Mark Wheeler die Gruppe und gab seiner Partnerin und seinem Partner viel Raum, ihr musikalisches Können zu entfalten. Der stürmische Applaus war in jeder Hinsicht verdient (
www.pantagruel.de)! 

Mark Wheeler und Dominik SchneiderBei "Oil of Barley or a cup of old stingo" hatte Pantagruel auf der Bühne schon die Wirkung übermäßigen Tabak- und Alkoholkonsums angedeutet. Diese Darbietung hatten dann wohl auch all diejenigen noch vor Augen, die zur "Hock" (dem "Absacker", wie es in Norddeutschland heißt) mit in die "Tiroler Weinstuben" kamen. Es wurde ein sehr fröhlicher, auch etwas feuchter, doch alkoholisch nicht nasser, dafür aber langer Ausklang des ersten Festivaltages. Auf dem Heimweg erwartete uns allerdings norddeutsches Wetter: es regnete...

 

 

 

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